Schreie und ein Tritt: Autofahrer griff Busfahrer an

Opfer eines Übergriffs: Busfahrer Florian Heimrich aus Baunatal wurde von einem Autofahrer zunächst ausgebremst, dann aus dem Bus gezerrt und getreten. Foto: Renner

Baunatal / Elbenberg. Ein Busfahrer aus Baunatal ist am Ostersonntag im Wolfhager Land von einem Autofahrer angegriffen worden.

Florian Heimrich war an diesem Tag zum ersten Mal mit dem Bus im Wolfhager Land unterwegs. Der eigentliche Einsatzort des 23-jährigen Busfahrers ist Fritzlar, im Wolfhager Land sollte er eine Urlaubsvertretung übernehmen. Gegen 17.45 Uhr kam es dann zu einer Auseinandersetzung, die mit einem Tritt für den jungen Mann endete.

Am Ortsausgang von Elbenberg fuhr Heimrich durch eine schmale Kurve, in der ihm ein Pkw entgegenkam. „Der Autofahrer hätte gar nicht mehr fahren dürfen, weil es zu eng war“, sagt Heimrich. Schließlich braucht er mit seinem Bus etwas mehr Platz an der schmalen Straßenstelle. Der junge Mann mit dem Pkw fuhr dennoch weiter. Es war knapp, sagt Heimrich, aber schließlich passte es doch.

Für den Busfahrer, der ohne Fahrgäste, aber mit einem Kollegen unterwegs war, ging es weiter in Richtung Naumburg, als der Autofahrer wieder auftauchte und den Bus überholte. „Er hat mich dann ausgebremst.“ Heimrich wollte ausweichen, doch das wusste der Autofahrer zu verhindern: Er stellte seinen Wagen in der Straßenmitte ab und stieg aus.

Der Busfahrer öffnete die Tür und rief dem Mann zu, dass er weiterfahren müsse. Der hörte nicht darauf, kam in den Bus und „packte mich an meiner Jacke“, erzählt Heimrich. „Er hat mich aus dem Bus gezogen und angeschrien“, sagt der 23-jährige Baunataler. Er habe ihn von der Straße drängen wollen, warf der Autofahrer dem Busfahrer vor. „Das wollte er meinem Chef sagen, damit ich meinen Job verliere.“

Opfer fotografierte Auto

Heimrich riss sich los und ging wieder in Richtung Bus, als der Mann ihm einen Tritt in den Hintern verpasste. Mit seinem Handy machte der Busfahrer schließlich ein Foto des Autos samt Kennzeichen und rief die Polizei. Die ermittelt nun gegen den Autofahrer wegen Körperverletzung und Nötigung im Straßenverkehr. Genauere Angaben wie Alter oder Wohnort des Autofahrers kann die Polizei derzeit nicht nennen, die Daten seien noch nicht bestätigt.

Seit einem Jahr sei er Busfahrer und habe in dieser Zeit rund 40 000 Kilometer zurückgelegt, schätzt der Baunataler Heimrich. Er ist sicher, dass er sich bei der Fahrt durch die Kurve, die wohl der Auslöser des Wutanfalls für den Autofahrer war, richtig verhalten habe. Nichtsdestotrotz: Ungeduldige Autofahrer kenne jeder Busfahrer. „Manche zeigen uns den Mittelfinger oder beleidigen uns“, berichtet Heimrich. So etwas Drastisches wie am Ostersonntag habe er aber noch nie erlebt. Bis Dienstag war er krankgeschrieben, gegen die Schmerzen am Steißbein verschrieb ihm der Arzt Tabletten.

Dass im Straßenverkehr gegenseitige Rücksichtnahme gefragt sei, betont Reise-Unternehmer Bernd Frölich aus Hessisch Lichtenau, bei dem Florian Heimrich angestellt ist. Er werde, so kündigt er an, dem Autofahrer gegenüber Ansprüche geltend machen. Unter anderem weil es Verzögerungen bei der Weiterfahrt gab. Er ist froh, dass keine Fahrgäste im Bus saßen. „Sonst hätte es durch die starke Bremsung mehr Verletzte geben können.“ Alle seine rund 100 Busse seien mit Kameras ausgerüstet, sagt Frölich. Allerdings: Im betreffenden Bus funktionierte die Aufzeichnung nicht. „Das Fahrzeug ist ganz neu und es gab anscheinend technische Probleme, die vorher niemand bemerkt hatte,“ so Frölich.

Von Julia Renner

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