Schulen im Landkreis Kassel wollen keine Videoüberwachung

So könnte die Videoüberwachung aussehen: An der Theodor-Heuss-Schule in Altenbauna war eine Kameraüberwachung auf dem Schulgelände bereits im Gespräch. Fotomontage: Jünemann / Köberich

Kreis Kassel. In Schulen im Landkreis Kassel ist in der Vergangenheit immer wieder eingebrochen worden. Jetzt flammt die Diskussion um eine Überwachung per Videokameras wieder auf.

Bislang wird keine Schule im Kreis überwacht. Über die Option und deren Umsetzung sprachen wir mit den Schulleitern der Gesamtschulen.

Söhre-Schule

„Schulen sind keine Hochsicherheitstrakte“, sagt Arno Scheinost, Schulleiter der Söhre-Schule in Lohfelden. Die Frage der Überwachung per Videokameras habe sich aber noch nicht gestellt, denn „die Schäden haben sich bislang in Grenzen gehalten“. Sollte man dies in Erwägung ziehen, würde man vorerst innerhalb der Schule darüber diskutieren - und Datenschutzbeauftragten dabei einbeziehen.

Wilhelm-Leuschner-Schule

In der Wilhelm-Leuschner-Schule in Niestetal habe es zwar bereits vereinzelt Vandalismusschäden gegeben - Stufenleiterin Bettina Homann sagt aber auf HNA-Anfrage, „wir haben die Notwendigkeit zur Diskussion bislang nicht gesehen“. Die Schule sei umgeben von aufmerksamen Nachbarn und die Nutzung des Geländes durch Sportler in den Abendstunden trage zusätzlich zur Sicherheit bei. „Bei diesem Riesengelände würde es trotz Videoüberwachung Sicherheitslücken geben.“

Gesamtschule Kaufungen

Der stellvertretende Leiter der Gesamtschule Kaufungen, Martin Stamme, reagierte trotz mehrfacher Anläufe nicht auf die HNA-Anfrage.

Ahnatal-Schule

Für den Schulleiter der Ahnatal-Schule in Vellmar ist die aktuelle Einbruchsserie kein Anlass, über eine Videoüberwachung nachzudenken. „Da haben wir keine Sorge. Hier gibt es kein Bargeld zu holen“, sagte Wolfgang Hartwig. Allerdings sei die Anbringung von Kameras vor etwa zwei bis drei Jahren diskutiert worden. „Die Anlage ist sehr offen und nicht eingezäunt. Das Gelände kann von jedem zu jeder Zeit betreten werden“, sagte der Schulleiter. Doch damals sei die rechtliche Situation für eine Videoüberwachung nicht geklärt gewesen.

Gesamtschule Fuldatal

Auch Christine Saure, Schulleiterin der Gesamtschule Fuldatal, sieht derzeit keinen Bedarf, das Schulgelände mit Kameras zu überwachen. „Wollten wir alles überwachen, müssten wir so viele Kameras anbringen. Ich weiß nicht, ob da Kosten und Nutzen noch im Verhältnis stünden“, sagte Saure. Zudem sei die Schule sehr gut alarmgesichert: „Wenn etwas passiert, dann geht sofort eine Alarmierung bei der Wach- und Schließgesellschaft ein.“ Sollte eine Videoüberwachung doch irgendwann Thema werden, dann könne sie sich das nur außerhalb der Schulzeiten und lediglich an neuralgischen Punkten vorstellen. Saure hofft, dass die Diskussion nicht dazu führt, dass Schulgelände künftig abgeschlossen oder eingezäunt werden. „Eine Schule soll freundlich und einladend wirken und nicht wie ein Gefängnis“, so die Schulleiterin.

Erich-Kästner-Schule

„Ich sehe an der EKS die Notwendigkeit nicht gegeben“, sagt Jörg Hapke, Leiter der Baunataler Erich-Kästner-Schule, zu einer möglichen Videoüberwachung. Die Schule sei jetzt schon mit einer Alarmanlage ausgestattet. „Die geht sofort los.“ Er habe bereits mit den Mitarbeitern der Schule gesprochen, dass alle eine höhere Vorsicht walten lassen, sagt Hapke. „Wir sind sensibilisiert.“

Theodor-Heuss-Schule

Walter Kayser, Leiter der Baunataler Theodor-Heuss-Schule, legt sich nicht eindeutig fest. In der Diskussion müsse man abwägen, das Risiko eines Einbruchs gegenüber dem Nachteil, dass dann auch Schüler auf dem Schulhof künftig von Kameras erfasst werden. „Das werden wir auch mit dem Schulträger besprechen“, sagt Kayser.

An der THS gab es nach erheblichen Vandalismus-Schäden 2011 schon einmal die Diskussion um Videoüberwachung. Daraufhin sollte die Schule als eine von zwei Schulen im Kreis in ein Pilotprojekt eingebunden werden. Das Vorhaben wurde - vermutlich auf politischen Druck der Stadt Baunatal - gestoppt.

Das sagt der Landrat

„Wir werden die Verwendung von Videotechnik zur Überwachung keiner Schule vorschreiben“, sagt Kreissprecher Kühlborn auf HNA-Anfrage. Aber man suche jetzt das Gespräch mit den Schulleitern. Sollte eine Schule die Videoüberwachung in Erwägung ziehen, werde das rechtlich geprüft. Grundsätzlich sei das erst mal möglich und es würde „den Kreishaushalt auch nicht in die Knie zwingen“, so Kühlborn. Die Videoüberwachung der Schulen hätte vor allem eine präventive Wirkung. Gerade nach den jüngsten Vorfällen in Wolfhagen sei sie ein viel diskutiertes Thema. Wenn es um Schulgebäude gehe, gebe es viele Menschen, deren Interessen man berücksichtigen muss - „bei einem Verwaltungsgebäude oder einer Industriehalle verhält sich das anders“.

Das sagt die Polizei

„Die Videoüberwachung an Schulen kann dazu beitragen, dass Sachbeschädigung oder Einbrüche ausbleiben - einen absoluten Schutz davor bietet sie aber nicht“, sagt Polizeisprecher Torsten Werner. Zumindest könnten die Aufzeichnungen bei einer rückwirkenden Auswertung Anlässe für Ermittlungen bieten. Im Falle der Einbruchsserie in Wolfhagen könne es sein, dass diese auch automatisch abebbe. „Insbesondere überörtlich agierende Täter ziehen nach wenigen Tagen weiter und begehen dann Straftaten in anderen Regionen“, so Werner. Bedenken müsse man bei der Anbringung von Anlagen, dass diese auch sabotiert werden könnten. Dabei könne ein erheblicher Sachschaden entstehen und aussagekräftige Aufnahmen würden verhindert.

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