Interview mit dem Leiter eines Forschungsprojekts zu den Tieren

Sechs Luchse in der Region

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Schön, stark, scheu: Unser Bild wurde vor einem Jahr von Walter Liese aus Helsa-St. Ottilien aufgenommen.

Kreis Kassel. Fünf Jahre ist es her, dass ein Jungluchs aus dem Harz nach Nordhessen eingewandert ist. Nun soll das Luchs-Vorkommen im Kreis Kassel mit Fotofallen erforscht werden.

Für die Pilotstudie wurden an zwanzig Standorten in Waldgebieten südöstlich von Kassel Fotofallen mit 40 automatischen Kameras aufgestellt.

Unser Mitarbeiter sprach mit dem Leiter des Forschungsprojekts, Dr. Markus Port, über die Ergebnisse der seit einem Jahr laufenden Pilotstudie.

Wie viele Luchse konnten Sie identifizieren, auf welche Zeit und auf welche Teilgebiete der insgesamt 610 Quadratkilometer großen Gesamtfläche entfielen die Schwerpunkte?

Dr. Markus Port: Als wichtigstes Ergebnis können wir festhalten, dass mindestens sechs Luchse in den Wäldern südöstlich von Kassel leben. Vier dieser Luchse (ein Männchen, ein Weibchen, zwei Tiere unbekannten Geschlechts) leben im südlichen Kaufunger Wald, der Söhre und dem Riedforst, zwei weitere Luchse haben ihr Streifgebiet im Bereich des Meißners. Überraschend war der Befund, dass wir südlich der Linie Melsungen - Spangenberg keine Luchse nachweisen konnten.

Wie unterscheidet sich der nordhessische vom bayerischen Luchs? Welche wissenschaftlichen Erkenntnisse haben Sie aus der Untersuchung gewonnen, auch im Hinblick auf die Erhaltung und Ausbreitung der Art in Deutschland?

Dr. Markus Port (41),Verhaltensökologe an der Universität Göttingen

Port: Von ihren bayerischen Artgenossen unterscheiden sich die nordhessischen Luchse vor allem darin, dass sie eine weitaus schwächere Fellfärbung haben. Über ihre Ökologie und Lebensweise können wir bislang noch wenig sagen. Die nordhessische (Teil-)Population stammt sehr wahrscheinlich von den Anfang 2000 im Harz ausgewilderten Luchsen ab. Sie ist ein wichtiger erster Schritt für die weitere Ausbreitung der Art in Deutschland.

Sie haben Schulklassen Kamera-Patenschaften angeboten? Wie groß war das Interesse, ist die Akzeptanz des Luchses in der Bevölkerung gestiegen?

Port: Insgesamt haben 12 Schulen aus der Region an unserem Projekt mitgewirkt. Die Resonanz war überaus positiv, und die Arbeit der Schulen hat ganz entscheidend dazu beigetragen, das Thema Luchs in die Öffentlichkeit zu tragen. Wir haben den Eindruck, dass die Nordhessen eine überaus positive Einstellung „ihren“ Luchsen gegenüber haben.

Durch Spenden der Heinz-Sielmann-Stiftung (25.000 Euro) und der Erika-Krauskopf-Stiftung (10.000 Euro) kann die Forschungsarbeit in den nächsten drei Jahren fortgesetzt werden. Was wird sich ändern?

Port: Diese wichtige Folgefinanzierung ermöglicht es uns, die Anzahl unserer Kamerastandorte zu verdoppeln. Dadurch werden wir erstmals in der Lage sein, durch statistisch gestützte Methoden den Bestand der Luchse noch genauer zu erfassen. Auch werden wir in Zusammenarbeit mit dem Nationalpark Harz das systematische Fotofallen-Monitoring erstmals grenzübergreifend in Niedersachsen und Hessen durchführen. Ferner möchten wir interessierten Naturfreunden noch stärker als bisher die Möglichkeit geben, an unserem Projekt als sogenannte Luchs-Scouts ehrenamtlich mitzuarbeiten.

Informationen: Dr. Markus Port, Tel. 05 51/3 91 08 90.

Luchs-Sichtung in Söhrewald

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