37 Straftaten im Landkreis Kassel

Prozess gegen Ex-Polizist: Konten eines Fußballvereins leergeräumt 

Kreis Kassel. Weil er seinen Sportkameraden im Fuldabrücker Fußballverein sowie anderen Bewohnern des Dorfes insgesamt knapp 48 000 Euro gestohlen haben soll, muss sich seit gestern ein 51-jähriger ehemaliger Polizeibeamter vor dem Amtsgericht verantworten.

Die Anklage wirft dem Mann, der heute als Müllwerker arbeitet, Einbruchdiebstahl, gewerbsmäßigen Computerbetrug und Untreue vor. Zwischen Oktober 2013 und August 2015 soll er 37 Straftaten begangen haben.

Verteidiger Markus Sittig hatte zu Beginn der Verhandlung eine Verständigung mit der Staatsanwaltschaft und Richterin Ferchland angestrebt, die auf eine Bewährungsstrafe für den bislang nicht vorbestraften Angeklagten hinauslaufen sollte.

Dies wurde allerdings von Staatsanwalt Dr. Roth mit Verweis auf die zahlreichen Straftaten abgelehnt, so dass es nun vermutlich zu einer mehrtägigen Verhandlung mit bis zu 21 Zeugen kommen wird.

Begonnen hat die Diebstahlserie laut Anklage Ende Oktober 2013. Das abendliche Training der Fußballer, an dem auch der Kassenwart teilnahm, soll der Angeklagte genutzt haben, um durch das Kellerfenster in dessen Haus einzudringen und 3000 Euro Vereinsgeld zu stehlen.

Im April brach er zum zweiten Mal in das Haus ein, erbeutete 500 Euro Bargeld und die EC-Karte samt PIN-Nummer. Damit hob er 1000 Euro ab.

So ging es weiter. Stets waren Wohnhäuser in Fuldabrück Ziele der Einbrüche. Bargeld, eine Sammlung von Modellautos im Wert von 9500 Euro und EC-Karten samt PIN-Nummern fielen ihm dabei in die Hände. Am Geldautomat in Fuldabrück wurden damit immer wieder hohe Geldbeträge abgehoben.

Für die Hauseinbrüche wurden meist Fenster aufgehebelt, aber mitunter war es auch ganz einfach: Mal stand die Haustür im vertrauensseligen Dorf einfach offen, mal hatte sich der Angeklagte, so der Staatsanwalt, den Kellerschlüssel bei einem früheren Bruch besorgt.

Als Kassierer des Sportvereins habe der 51-Jährige zudem die Verfügungsgewalt über Konten gehabt, auf denen die Fußballer Mitgliedsbeiträge, Sponsorengelder und Rücklagen angelegt hatten. Insgesamt 15 Mal soll der Angeklagte - er war damals noch Polizeibeamter - 10 900 Euro abgehoben und für sich verbraucht haben. Ein halbes Dutzend Abhebungen hat er dabei von einem Geldautomaten in Österreich getätigt - offenbar um sich seinen Tirol-Urlaub zu finanzieren.

Als Staatsanwalt Roth gestern die Verständigung auf eine Bewährungsstrafe ablehnte, schlug der Angeklagte verzweifelt die Hände vors Gesicht.

Als Zeugen sollen jetzt die Opfer der Wohnungseinbrüche und die Vertreter des um sein Geld gebrachten Vereins gehört werden. Ein Fortsetzungstermin ist noch nicht festgesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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