Meeres- und Binnenfischer

Rutenwerfer treffen sich zur Meisterschaft in Söhrewald

Punkte statt Fische: Mike Träbing (links) und Volker Krah, beide vom Angelsportverein (ASV) Petri Heil Söhrewald, machen mit bei der 25. Deutschen Meisterschaft im Turnierwurfsport der Meeres- und Binnenfischer in Söhrewald Anfang Juni. Auf dem Sportplatz TSG Wattenbach üben sie – und stellen ihren Sport vor. Foto: Naumann

Söhrewald. Die Deutsche Meisterschaft im Turnierwurfsport der Meeres- und Binnenfischer wird am Freitag und Samstag, 3. und 4. Juni, in der Gemeinde Söhrewald ausgerichtet.

Über 70 Aktive aus sechs Landesverbänden nehmen an der Meisterschaft, die bereits seit 2014 in Söhrewald ausgerichtet wird (vorher in Kassel auf den Waldauer Wiesen), teil. Mit von der Partie ist auch die Jugend mit einer eigenen Meisterschaft.

Ein Rasenplatz, zwei Tore, ein Vereinshaus - aber weit und breit keine Fische. Trotzdem sind sie mit ihren Angeln hier, Volker Krah und Mike Träbing vom ASV Petri Heil Söhrewald, oben in Wattenbach, auf dem TSG-Sportplatz. „Hier beißt keiner an“, das wissen sie. Aber darum geht’s auch nicht. Geangelt werden Punkte - heute und Anfang Juni, wenn hier die 25. Deutsche Meisterschaft im Turnierwurfsport der Meeres- und Binnenfischer ausgetragen wird.

Krah holt mit seiner Angel aus. Vorne hängt kein Haken, sondern ein 18-Gramm-Gewicht. 50 Meter weiter hinten ist ein kreisrundes Feld abgesteckt, 7,50 Meter im Durchmesser. Da hinein muss das Gewicht, will Krah die volle Punktzahl holen.

Der 52-Jährige schleudert seine Rute nach vorne, sirrend wickelt sich die dünne Nylonschnur von der Rolle ab. Das fliegende Gewicht ist kaum auszumachen. Dann macht es „pack“, das Gewicht ist gelandet - mitten im Zielfeld. Krah lächelt. Er kann es noch.

Tatsächlich ist er 2014 schon einmal Deutscher Senioren-Vizemeister geworden. Sein 20 Jahre jüngerer Kollege Träbing räumte in der Mannschaftswertung schon mehrfach Titel ab. Jetzt, bei der anstehenden Meisterschaft, wollen sie wieder punkten. Deshalb heißt es noch üben, „aber nicht verbissen“, sagt Krah, „wir genießen es, Anhänger einer absoluten Randsportart zu sein. Und da läuft sowieso alles etwas entspannter ab.“ In der Tat ist der Turnierwurfsport der Meeres- und Binnenfischer international völlig unbekannt. Er wurde erst 1991 von dem Schleswig-Holsteiner Erwin Roth erfunden, und diente zunächst dazu, Angler auch im Winter, wenn es nichts zum Fischen gibt, in Form zu halten. „Angelwerfen als Trockenübung“, sagt Träbing. Deshalb werde es auch jetzt bei der Meisterschaft weit und breit keinen Fisch geben, noch nicht einmal auf dem Grill. „Dafür aber Steaks und Würstchen.“

180 Meter Wurfdistanz

Rund 75 aktive Damen, Herren und Jugendliche aus sechs Landesverbänden im ganzen Bundesgebiet werden an den Start gehen. Söhrewald liegt faktisch in der Mitte Deutschlands, ist also für alle gut zu erreichen. Es geht um Ziel- und Weitwürfe in den Disziplinen Meeres- und Binnenwerfen. „Die Besten werfen über 180 Meter weit, und das ziemlich punktgenau“, sagt Krah bewundernd. So weit habe er es noch nicht geschafft. „Aber es kommen Teilnehmer, die das können.“ So sei der TSG-Sportplatz mit seinen 110 Metern Länge auch viel zu klein. „Das Weitwerfen findet einfach nebenan auf der Wiese statt.“ Ist das Ganze nicht etwas skurril? „Keineswegs“, sagt Träbing, der seit 20 Jahren beim ASV angelt. „Wer seine Rute gut werfen kann“, sagt er, „wird an Fische herankommen, die für Laien sonst unerreichbar wären.“ Auf Weite und Genauigkeit komme es eben auch an: „Einen Hecht aus 50 Metern Entfernung aus dem Teich zu ziehen, das ist schon etwas Besonderes.“

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