Wattenbach: Ältester Baum in der Söhre ist 400 Jahre alt

Beeindruckender Stamm: Naturführer Lothar Rolwes (rechts) und Lokalhistoriker Thomas Blumenstein an der Winterlinde, die gut 400 Jahre alt ist. Foto:  Renner

Söhrewald. In den vergangenen Jahrzehnten war die Winterlinde am Köhlerplatz nahe Wattenbach in Vergessenheit geraten. Bis Lothar Rolwes den Baum vergangenes Jahr wiederentdeckte.

Das Besondere an der Linde: Sie ist etwa 400 Jahre alt und damit wohl der älteste Baum in der Söhre.

Vor mehr als 30 Jahren hörte Rolwes das erste Mal von dem Baum am Hirschhagen. Als der zertifizierte Wanderführer vor einigen Monaten mit einer Schulklasse dort unterwegs war, fiel ihm das wieder ein. Er fragte einen pensionierten Förster nach dessen Einschätzung, wie alt der Baum sei. Der vermutete: mindestens 400 Jahre. Allerdings gebe es auch Schätzungen, dass der Baum bis zu 600 Jahre alt ist, sagt Rolwes.

Er wandte sich daraufhin an die Untere Naturschutzbehörde beim Landkreis in der Hoffnung, dass die Linde das Prädikat Naturdenkmal bekommt. „Das würde den Baum und auch den Platz aufwerten“, sagt der 74-Jährige. „Ich wäre froh, wenn wir ein solches Prädikat vorweisen könnten, denn dieser Baum ist eine Besonderheit.“

Die Winterlinde steht bereits jetzt auf einer Liste künftiger Naturdenkmäler, sagt Landkreis-Sprecher Harald Kühlborn. Etwa alle zwei Jahre verleiht der Kreis die Prädikate. Eine genaue Bestimmung des Alters durch eine Bohrung wird es wohl nicht geben, so Kühlborn. „Wir können einschätzen, dass der Baum naturdenkmal-fähig ist, das genaue Alter spielt keine allzu große Rolle.“ Wenn das Prädikat verliehen werden soll, seien auch die naturschutzfachliche und die kulturhistorische Bedeutung wichtig.

Wird bei der nächsten Runde der Linde das Prädikat Naturdenkmal verliehen, wird das durch ein Schild deutlich gemacht. „Dann darf daran nichts mehr verändert werden“, erklärt Kühlborn.

Derzeit gibt es im Landkreis Kassel 185 Bäume, die als Naturdenkmal ausgewiesen sind. Der älteste steht in Bad Karlshafen. Eine Eiche dort bringt es auf rund 500 Jahre. Auch eine etwas mehr als 300 Jahre alte Gerichtseiche in Breuna gehört dazu. „Die Winterlinde in der Söhre gehört damit zu den ältesten Bäumen in der Region“, sagt Kühlborn.

Wieso der Baum am Hirschhagen vor Hunderten Jahren gepflanzt wurden, ist nicht genau bekannt. „Es gab zwar keine Wüstungen hier“, sagt Lokalhistoriker Thomas Blumenstein. „Aber es könnte trotzdem ein Grenzbaum sein, weil direkt neben der Linde ein Graben zu erkennen ist.“ In dem Gebiet am Hirschhagen gebe es ansonsten wenige Linden.

Lothar Rolwes wird den Baum weiterhin regelmäßig besuchen. „Vor allem an Sommerabenden ist es hier schön. Dann wirkt alles wie im Märchen.“

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