Heinz Hibbeln hat mitgewirkt: Zentimeterarbeit in luftiger Höhe

Zeitzeuge erinnert sich: So lief der Bau des Funkturms in Söhrewald

Heinz Hibbeln hat beim Bau des Funkturms in Wellerode tatkräftig mitgeholfen. Heute erinnern ihn die Bilder an diesen abenteuerlichen Arbeitsauftrag. Foto: Stefanie Lemke

Lohfelden. Als Heinz Hibbeln im Juli dieses Jahres die HNA aufschlug, war es für ihn wie eine Zeitreise. Vom Funkturm in Wellerode wurde da berichtet und plötzlich war er wieder dort.

In 50 Metern Höhe, bei Nebel und schlechter Sicht, auf einem Stahlrohr sitzend und darum bemüht, ein Gerüst sicher zu befestigen. Ohne Netz, ohne Sicherheitsgurt, nur das reine Vertrauen in die eigene Balance und das handwerkliche Geschick.

Höhenangst kennt der heute 78-Jährige nicht. „Schon als Schuljunge bin ich auf Dächern herumspaziert“, erzählt er. Seine Eltern führten damals einen Dachdeckerbetrieb und so wurde er schon als Junge mit großer Höhe vertraut. Später sattelte sein Vater dann auf Gerüstbau um. So kam es, dass Hibbeln Fuß in dieser Branche fasste. „Der Junior musste ja immer mit gutem Beispiel vorangehen.“ Wenn es galt, an einem Bauwerk ein Gerüst zu errichten, um Reparaturen oder Betonierarbeiten auszuführen, war Hibbeln immer oben mit dabei. So kam es, dass im Jahr 1962 die Firma Mannesmann auf die damals in Wolfenbüttel ansässige Firma zukam.

Unser Bild aus dem Jahr 1962 zeigt den Fernsehturm Söhrewald-Wellerode auf dem Franzosentriesch in der Söhre. Foto: Baron

Die Plattformen des Funkturms sollten betoniert werden und dafür wurde ein Gerüst benötigt. „Wir nahmen den Auftrag natürlich an, wussten aber nicht, was uns in Wellerode erwartete“, erinnert sich Hibbeln. Zu viert zogen sie los und sahen sich dann mit einem rohen Betonturm konfrontiert. Dessen Plattformen, die für die Errichtung von Sender und Empfänger gedacht waren, sollten eine sichere Betongrundlage erhalten. Noch am Boden wurden die Stahlkonstruktionen, sogenannte Lehrgerüste, zusammengebaut. „Die benötigte Tragkraft war vorher von einem Statiker berechnet worden“, erklärt Hibbeln. Ein Kran, um die Gestänge nach oben zu befördern, stand nicht zur Verfügung. Also mussten sich die Gerüstbauer selbst helfen. Sie befestigten eine Rolle, ähnlich einer Seilwinde, oben am Turm. Ein Stahlseil, dass an einem Bagger befestigt war, zog darüber die verschraubten Gestänge langsam in die Höhe. Zwei Mitarbeiter hielten am Boden mit Seilen den Träger im rechten Winkel. Und Heinz Hibbeln nahm dann persönlich auf dem Träger Platz und sorgte bei Wind, Wetter und schlechter Sicht nur mit lautem Rufen dafür, dass die Konstruktion an die vorgesehenen Öffnungen im Betonturm gewuchtet wurde. „Das musste zentimetergenau sein“, so Hibbeln.

Historische Bilder vom Funkturm Söhrewald

Im Inneren des Turms wartete der vierte Kollege, der das Ende des Lehrgerüsts dann mit einem Hammer und einem Keil befestigte. „Bei den größten Plattformen mussten wir bis zu 16 solcher Gerüste anbringen“, erklärt Hibbeln. Mehrere Wochen waren die Männer aus Wolfenbüttel damit beschäftigt. Runtergefallen ist zum Glück nie jemand. Heute wohnt der ehemalige Gerüstbauer ganz in der Nähe seiner damaligen Wirkungsstätte. Und schaut im Vorbeifahren immer wieder gern zu ihr hoch.

Von Stefanie Lemke

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