74-Jähriger aus Wolfhagen sollte Kreistag als Alterspräsident eröffnen

Er sollte Kreistag als Alterspräsident eröffnen: AfD-Mann Pudewell schmeißt hin

Wird nicht der Alterspräsident: Klaus Pudewell. Archivfoto: Lischper

Kreis Kassel/Wolfhagen. Der AfD-Mann Klaus Pudewell, der das Kreisparlament am Freitag als Alterspräsident eröffnen sollte, hat gestern überraschend sein Mandat ausgeschlagen.

Laut Kreissprecher Harald Kühlborn rutscht für ihn nun der Trendelburger CDU-Mann Burkhard Schneider von Lepel in dieses Amt. Pudewells Mandat im Kreistag übernimmt das Fuldabrücker AfD-Mitglied Volker Richter.

Es seien gesundheitliche Gründe, die ihn dazu gebracht haben, das Mandat nicht anzunehmen, sagte Klaus Pudewell auf HNA-Anfrage. „Ich hätte es schon gern gemacht, aber es geht nicht anders“, erklärte er seine Entscheidung. Und: „Es fällt mir schon schwer.“ Pudewell ziehe sich nicht komplett aus der Politik zurück: „An den Austritt aus der Partei denke ich nicht“, sagte der 74-Jährige.

Erst Anfang vergangener Woche hatte die HNA auf Anfrage erfahren, dass Pudewell das Amt des Alterspräsidenten übernimmt (HNA berichtete). Für diesen Posten ist das älteste Mitglied des Kreistags vorgesehen. Der pensionierte Lehrer, der politisch bislang ein unbeschriebenes Blatt war, hätte aufgrund seines Alters die Sitzung eröffnet und die Wahl des Kreistagsvorsitzenden - der SPD-Mann Andreas Güttler ist dafür vorgesehen - geleitet.

In diesem Fall hätte die AfD nicht nur den ältesten, sondern auch den jüngsten Abgeordneten gestellt - neben Pudewell den 19-jährigen AfD-Fraktionschef Florian Kohlweg aus Bad Karlshafen. Pudewell hatte als Lehrer im Raum Lüneburg gearbeitet, davor in Kassel studiert und seine Partei als „realitätsnah, keinesfalls nationalistisch oder radikal“ bezeichnet. Der Vater von fünf Kindern hatte allerdings gegenüber der HNA eingeräumt, dass sich einige Parteikollegen auf Bundesebene „unklug verhalten“ hätten.

Ob seine Entscheidung gegen das Mandat im Kreistag mit seinem Engagement in der Flüchtlingshilfe zusammenhängt, bestätigte er nicht. Erst Anfang der Woche hatten seine Parteikollegen auf Bundesebene mit islamkritischen Äußerungen für Aufsehen gesorgt.

Fall erinnert an 1993 

Der Fall erinnert an den Rücktritt des mittlerweile verstorbenen Republikaners Wilhelm Kauer 1993, der mit seiner rechtsextremen Partei erstmals in die Kasseler Stavo hätte einziehen können. Kurz vor dem Antritt Kauers als Alterspräsident hatte er auf seine Funktion verzichtet, um Unruhe zu vermeiden. Seinen Sitz hatte er allerdings behalten. Und wie geht es nun weiter? Üblich sei, dass der Wahlleiter den nächstälteren Abgeordneten des Kreistags anruft und fragt, ob er nachrücken will. So sehe es die Hessische Gemeindeordnung vor. „Wir gehen davon aus, dass Herr Schneider von Lepel das Amt gern übernehmen wird“, sagt Kühlborn. Der CDU-Mann sei etwa anderthalb Jahre jünger und bereits eine Wahlperiode ältester Abgeordneter gewesen - bis nach der Kommunalwahl im März Pudewell mit der AfD in den Kreistag eingezogen ist.

Hintergrund: Alterspräsident leitet Wahl

Der Alterspräsident ist das älteste Mitglied einer Versammlung. Mit deren Zustimmung hat er die Aufgabe, bis zur Neukonstituierung, in der die Wahl des Vorsitzenden oder des Präsidenten und deren Stellvertreter stattfinden, den Vorsitz zu führen. Die Aufgaben bestehen darin, die erste Sitzung zu eröffnen und zu leiten, bis die Neuwahlen vollzogen sind und die Neugewählten ihr Amt antreten können. Der Alterspräsident bereitet zudem die Wahlen vor und leitet sie. Dafür darf er sich auch vorläufig Schriftführer ernennen.

Im Bundestag hält der Alterspräsident traditionsgemäß die erste, programmatische Rede zu Beginn einer Legislaturperiode.

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