Sprache bleibt die größte Hürde

Deutschstunde: Michael Lange (Zweiter von links, vorn) erklärt Almahdi Rajha, Rabia Bjbouj, Kawa al Hussein und Delkash Alu, wie die neuen Sprachcomputer funktionieren. Fotos: Dilling

In Elmshagen lernen die ersten Flüchtlinge im Landkreis Kassel Deutsch mit dem Computer

Schauenburg. Mosdeh Bidar ist eine ungeduldige, ehrgeizige junge Frau. „Schnell Deutsch lernen, das ist mein größter Wunsch“, sagt die zierliche 21-jährige Afghanin, die nach eigenen Worten ein Jahr in der iranischen Hauptstadt Teheran Architektur studiert hat, bevor sie sich auf die Flucht nach Europa aufmachte. Die Asylbewerberin, die seit zehn Monaten in Deutschland ist, hat große Pläne: In Kassel Architektur weiter studieren, vielleicht ein Praktikum in einem Planungsbüro machen. Doch die Sprache ist eine große Hürde.

Bidar hofft nun, mit ihrem Deutsch schneller voranzukommen: In der Flüchtlingsunterkunft in der kleinen Schauenburger Ortschaft Elmshagen, wo die junge Afghanin mit anderen Asylbewerbern im ehemaligen Hotel Tannenhof wohnt, haben die ersten 20 Flüchtlinge im Landkreis Kassel jetzt Computer mit einer speziellen Lern-Software erhalten, die den Deutsch-Unterricht unterstützen sollen. In Elmshagen erhalten die Asylbewerber laut Jens Schultheis, dem Leiter der Unterkunft, fünf Stunden Unterricht. Außerdem würden ehrenamtliche Helfer jeden Tag eine Deutsch-Stunde halten, berichtet er. Ein Problem sei, dass die Flüchtlinge ganz unterschiedliche Vorkenntnisse in der deutschen Sprache mitbrächten, sagt Michael Lange, der im Auftrag der Volkshochschule Deutsch-Kurse in Elmshagen gibt.

Schultheis ist mit der Entwicklung der Elmshagener Unterkunft sehr zufrieden. Vor der Eröffnung im Mai vor einem Jahr habe eine etwas aggressive Stimmung unter einigen Elmshagenern geherrscht. Diese hatten Sorge gehabt, dass es an einem so abgeschiedenen kleinen Ort zu Problemen mit den vielen Neuankömmlingen kommen könne. Es sei anfangs auch zu Verdächtigungen wegen angeblicher Sachbeschädigungen durch die Asylbewerber gekommen. „Hier herrscht Frieden“, sagt Schultheis jetzt. Die Polizei sei nur mal da gewesen, als es um die zwangsweise Abschiebung von zwei Albanern ging. Die Unterstützung durch Ehrenamtliche und die Gemeinde Schauenburg funktioniere gut, beispielsweise wenn es darum gehe, die Flüchtlinge zum Arzt oder zu Ämtern zu fahren oder mit den Kindern in der Unterkunft zu spielen.

Dennoch ist anscheinend die Langeweile ein großer Feind der Flüchtlinge. Er sei froh, dass er fast jeden zweiten Tag auf dem nahen Sportplatz Fußball spielen könne, sagt Almahdi Rajha. Der Syrer, der in Damaskus eine Ausbildung zum Raumausstatter machte, klagt nur über das viele Laufen. Abends verkehre in Elmshagen kein Bus. Almahdi will schnellstens sein Deutsch an der Volkshochschule aufbessern. Sie finde es schade, dass sie ihr Deutsch nicht täglich anwenden könne, sagt Mosdeh Bidar: „Hier ist mit Einheimischen kein Kontakt zu kriegen.“ Sie fahre oft nach Kassel.

Von Peter Dilling

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