In Stadt und Landkreis Kassel: Fahrbegleiter regeln Verhalten in und am Bus

Schulbus statt Klassenzimmer: Das sind die neuen Fahrbegleiter des Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasiums. Foto: Hoffmann

Kreis Kassel. Jeden Tag ist es das Gleiche: Kaum steht der Schulbus bereit, beginnt das Drängeln und Schubsen. Die Lösung sind Fahrbegleiter.

Jeder will als Erster rein, da kann es zwischen Bürgersteig und Fahrzeug schon mal gefährlich eng werden.

Cora Langstein und Christine Nöding kennen derartige Situationen genau, fahren sie schließlich selbst Tag für Tag mit dem Bus zum Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasium in Oberzwehren. „Für die Jüngeren ist es oft ein Problem, gegen die Älteren anzukommen“, sagt Cora, die künftig ein Auge auf derartige Situationen haben will.

Gemeinsam mit Christine und weiteren Mitschülern der Jahrgangsstufe sieben hat sie sich in den vergangenen Tagen zur Fahrbegleiterin ausbilden lassen und weiß, dass da mehr auf sie zukommen kann als eine vermeintlich harmlose Schubserei. Schnell kann aus einem kleinen Streit eine ausgewachsene Schlägerei werden. „Dann ist es wichtig, dass wir Ruhe bewahren“, sagt die 13-Jährige, die sich - wie ihre Mitschüler - freiwillig zur Ausbildung gemeldet hat. „Anderen zu helfen, ist einfach eine gute Sache, und außerdem kann ich hier auch für mich persönlich allerhand lernen.“

Und das fängt beim Grundsatz aller Fahrbegleiter an: Helfen? Ja. Selbst in Gefahr bringen? Nein. Daher ist das richtige Einschätzen von potenziellen Gefahrensituationen auch ein besonders wichtiger Baustein der Ausbildung, wobei Rollenspiele helfen sollen.

So treffen Cora, Christine und ihre Freunde im zum Klassenzimmer umfunktionierten Schulbus durchaus auch mal auf einen Randalierer. Keinen wirklichen natürlich, sondern einen Ausbilder der Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG), der in die Rolle des Rabauken schlüpft.

Cora Langstein

„Als Betrunkener hat er Ärger gemacht, wir mussten schlichten“, erzählt Cora, die jetzt weiß: „Man sollte auf jeden Fall Abstand halten, schließlich kann niemand wissen, wie der Betrunkene reagiert.“ Um was es auch gehe, es sei immer wichtig, freundlich zu bleiben und im Extremfall Hilfe zu holen, notfalls auch die Polizei.

Am Schluss der mehrtägigen, freiwilligen Ausbildung steht noch ein Test, Voraussetzung für die begehrten Zertifikate und Ausweise. Cora, Christine & Co. meistern ihn mit Bravour und wollen als offizielle Fahrbegleiter künftig in Bussen und Zügen der Region mit ihrem antrainierten Wissen für Sicherheit sorgen.

Hintergrund 

Fahrbegleiter werden in den Gesamtschulen des Landkreises Kassel und im Georg-Christoph-Lichtenberg-Gymnasium seit 2004 ausgebildet. Jedes Jahr wurde bis heute eine Gruppe von jeweils 10 bis 20 Schülern der Jahrgangsstufen 7 und 8 ausgebildet. Die vom Landkreis jeweils mit 5500 Euro finanzierten Lehrgänge schaffen die Voraussetzungen dafür, dass die Schüler für ihre neue Aufgabe als Fahrzeugbegleiter fit gemacht werden. Sie erhalten Schulungen in Deeskalation und Konfliktbewältigung, bekommen außerdem Strategien zum neutralen Verhalten sowie Kommunikationstechniken und Körpersprache an die Hand. Begleitet werden die Schüler während der Ausbildung von Lehrern oder Sozialarbeitern der jeweiligen Schule, der Polizei sowie Trainern der KVG.

Das sagt die Polizei dazu: 

Immer wieder komme es in Bussen und an Haltestellen zu Unfällen und Sachbeschädigungen, sagt Polizeisprecher Torsten Werner auf HNA-Anfrage. Auf die Frage, welche Rolle die Busbegleiter für die Arbeit der Polizei spielen, sagt er: „Die Vorteile liegen auf der Hand.“ So gebe es in Bussen weniger Sachbeschädigung, weil für Aufklärung gesorgt werde.

Die Präsenz der Busbegleiter beuge Schubsen und Drängeln beim Ein- und Aussteigen an der Haltestelle vor. Ältere Schüler, die sich zu Busbegleitern ausbilden lassen, würden von Jüngeren als Vorbilder gesehen und ihnen soziale Kompetenzen vermitteln.

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