Hochspannungsnetz: Bahnstromtrasse mit 110 kV soll im Landkreis mit 380 kV-Trasse gemeinsam geführt werden

Tennet lenkt ein: Zwei Leitungen auf einen Mast

Hochspannungsleitung: Dieser Bahnstrom-Mast bei Kaufungen-Papierfabrik könnte abgebaut werden. Foto: Schindler

Kreis Kassel. Der bundesweit agierende Stromnetzbetreiber Tennet will beim Ausbau des Hochspannungsnetzes jetzt doch bestehende und neue Leitungen auf einer Trasse zusammenführen und über gemeinsame Masten laufen lassen.

Die alten Stahlträger können dann abgebaut werden, so soll die Zahl der Hochspannungsmasten begrenzt werden.

Konkret soll im Landkreis Kassel die bestehende 110 000-Volt-Trasse der Deutschen Bahn, die von Norden über Staufenberg, Papierfabrik, Vollmarshausen (östlich des Orts) nach Guxhagen und weiter nach Süden geht, auf den Masten der geplanten 380 000-Volt-Leitung (Wahle-Mecklar) mitgeführt werden.

Wie Tennet-Sprecher Markus Lieberknecht mitteilte, habe man das Konzept vergangene Woche Vertretern des Zweckverbands Raum Kassel, der Kommunen, des Landkreises Kassel und des Forsts vorgestellt. Die Resonanz der Beteiligten sei positiv gewesen.

Die betroffenen Gemeinden hatten vehement die Bündelung von Leitungen gefordert, um die Verspargelung der Landschaft durch Hochspannungsmasten zu verhindern; Tennet hatte sich dazu zurückhaltend geäußert. Ob die Bahn bei der neuen Tennet-Planung mitspielt, ist noch offen. Tennet habe aber „keinen Plan B“, sagte Lieberknecht. Die Bundesnetzagentur habe signalisiert, dass das Vorhaben genehmigungsfähig sei.

Die technische Machbarkeit sei geprüft worden, so der Tennet-Sprecher weiter. Geplant ist, statt der 55 Meter hohen Standardmasten 65 Meter hohe Stahlträger mit drei statt zwei Traversen zu errichten. Die Bahnleitung soll auf der untersten Ebene aufgehängt werden. Die durchschnittlichen Kosten für eine Hochspannungsleitung liegen bei 1,4 Millionen Euro pro Kilometer. Durch die Mitnahme der Bahnleitung entstehen zusätzliche Kosten von 250 000 Euro pro Leitungskilometer.

Positiv schlägt zu Buche, dass durch die Beseitigung der Bahnstrom-Masten Flächen wieder nutzbar beziehungsweise renaturiert werden, die bisher blockiert waren. Eine Erdverkabelung werde es im Landkreis Kassel nicht geben, weil die Mindestabstände zur Wohnbebauung eingehalten würden, sagte Lieberknecht.

Tennet will die Trasse Wahle-Mecklar so führen, dass das Gewerbegebiet Papierfabrik in Kaufungen nicht beeinträchtigt wird. Nicht gelöst wird durch den Tennet-Vorstoß hingegen das Problem in Lohfelden, wo zwei parallele Hochspannungsleitungen (110 kV der Eon; 380 kV von Tennet) die Ortsteile Lohfelden und Vollmarshausen trennen und das Zusammenwachsen des Orts verhindern.

Diese Leitungen bleiben nach der Tennet-Planung weiter bestehen. Die existierende 380-kV-Leitung und die geplante 380-kV-Leitung Wahle-Meckler könne man nicht bündeln, sagte der Tennet-Sprecher, unter anderem weil bei einem Ausfall der Trasse die Versorgung nicht mehr sichergestellt sei.

HINTERGRUND

Anfang Juli will Tennet die Trassenplanung vorstellen. Geplant sind sechs Infoveranstaltungen in Hessen; sie sind öffentlich, neben betroffenen Grundstückseignern kann sich dabei jeder Bürger informieren. Im Kreis Kassel sind je eine Veranstaltung für Niestetal / Kaufungen und für Lohfelden /Söhre vorgesehen. Orte und Termine werden noch bekannt gegeben. Bis Dezember sollen die Planungsunterlagen fertiggestellt sein; im Frühjahr 2014 soll das Planfeststellungsverfahren dann in Gang gesetzt werden. (hog)

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