Tierfänger, Unfall oder Gift: Hunde und Katzen vermisst

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Angelika Oppermann glaubt, dass vermutlich Tierfänger im Landkreis unterwegs sind. Die Kater Socke (von links), Kasper und Balu leiden mit ihr.

Lohfelden. Hunde- und Katzenbesitzer in Lohfelden berichten über verschwunde Vierbeiner. Auch Angelika Oppermann vermisst ihren einjährigen Kater Simba. Sie glaubt, Tierfänger sind unterwegs.

Schnurrend schleichen die drei Kater in der Küche von Angelika Oppermann herum, wenn sie ihr Futter bekommen. Liebevoll streichelt sie ihre Kater, die für sie wie Familienmitglieder sind. Doch ein Platz an den Futternäpfen bleibt leer - der Platz des einjährigen Simba.

Einer fehlt: Vor fünf Wochen kam der einjährige Kater Simba nicht mehr nach Hause.

„Am 31. Mai kam er nicht mehr nach Hause“, sagt Angelika Oppermann traurig. Vielen Tierliebhabern geht es ähnlich: Angelika Oppermann hat festgestellt, dass seit einigen Wochen immer mehr Hunde und Katzen verschwinden. Andere Frauchen und Herrchen, mit denen sie gesprochen hat, könnten sich auch nicht erklären, warum ihre geliebten Vierbeiner plötzlich verschwanden.

Dass ihr Kater einfach weggelaufen ist, kann sich Angelika Oppermann keinesfalls vorstellen. „Simba war immer in meiner Nähe“, erzählt die 51-Jährige. Eine Bekannte hatte vor einem guten Jahr zwei kleine Kätzchen am Waldrand gefunden und die Tiere zu ihr gebracht. Ein Katze konnte sie vermitteln, Simba blieb bei ihr und sie zog das vier Wochen alte Katzenbaby mit der Flasche auf.

Seitdem ist der rotgetigerte Kater ihr nicht mehr von der Seite gewichen. „Simba war mein Baby“, sagt sie und schaut immer wieder auf das Foto des Katers, das auf dem Küchentisch liegt.

Die ersten Tage hoffte sie noch, dass Simba vielleicht in einer Garage oder in einem Schuppen aus Versehen eingesperrt wurde. „Aber nach wenigen Tagen war mir klar, dass da etwas passiert sein muss.“

Auch Kater Socke, der immer im Duo mit Simba unterwegs war, verhielt sich anders. „Als Simba verschwand, lag er nur im Körbchen, hat nichts mehr gefressen und getrauert“, berichtet die Tierliebhaberin.

Sie rief bei Tasso an, einem Zentralregister für Haustiere, meldete den Verlust des Katers und bestellte dort kostenlos Suchplakate mit Beschreibung und Bild ihres Simbas. Als sie die Plakate im Ort aufhing, fiel ihr auf: „Die Pinnwände im Supermarkt und beim Tierarzt sind voll mit Plakaten vermisster Tiere.“

Sie ist sich sicher: „Da geht etwas nicht mit rechten Dingen zu.“ Schon vergangenes Jahr, als der Noro-Virus in Deutschland grassierte, fiel ihr auf, dass plötzlich viele Tiere verschwanden. „Jetzt hatten wir den Ehec-Keim, und seitdem fehlen wieder mehr Hunde und Katzen“, sagt sie.

Sie glaubt, dass Tierfänger unterwegs sind und die Tiere klauen, um damit Versuche anzustellen. Allein bei der Vorstellung, was mit ihrem Simba passiert sein könnte, steigen ihr Tränen in die Augen.

Die Katzen sind ihr großer Halt. Nach einem schweren Unfall 1986, verursacht durch einen Geisterfahrer, saß sie lange im Rollstuhl, musste erst wieder laufen und reden lernen. Mehr als 30 Operationen hat sie hinter sich, leidet immer noch an den Folgen des Unfalls.

Tieren in Not zu helfen hat sie heute zu ihrer Lebensaufgabe gemacht. Hasen, Katzen, Hunde hat sie schon gerettet, hat sie aufgepäppelt oder vermittelt. „Tierquälerei ist der Horror für mich“, sagt sie. Gerade deshalb sei die Ungewissheit, was mit ihrem Simba passiert sein könnte, so schlimm.

„Ich habe die Hoffnung auf Simbas Rückkehr aufgegeben“, sagt sie traurig. Ihre anderen Kater hat sie jetzt besonders im Auge. „Dass noch ein Tier verschwindet, würde ich nicht verkraften.“

Tasso: Europaweite Datenbank für Haustiere

Seit über 29 Jahren widmet sich Tasso e.V. im Tierschutz der Registrierung und Rückvermittlung entlaufener Tiere. Über fünf Millionen Haustiere sind beim europaweiten Haustierzentralregister gemeldet. Die Registrierung ist für den Halter kostenlos.

Tasso speichert die Nummern- und Zahlenkombination des Chips oder der Tätowierung des Haustiers gemeinsam mit den Daten des Halters. Jährlich vermittelt Tasso über 50.000 Tiere zurück. Für die Rückvermittlung steht ein 50-köpfiges Team rund um die Uhr zur Verfügung, auch an Sonn- und Feiertagen.

www.tasso.net

Das sagt Tasso zu den verschwundenen Tieren:

Achim Ilmenau, zuständig für die Pressearbeit bei Tasso e.V., sieht keinen Zusammenhang mit dem Auftreten des Ehec-Keims und dem vermehrten Verschwinden der Haustiere. „Für Tierversuche werden die Tiere bestimmt nicht geklaut“, sagt er. Dazu würden die Versuche viel zu lange dauern.

Bei Tasso wurden in den vergangenen Wochen nicht mehr vermisste Tiere als sonst in Kassel und Umgebung gemeldet, berichtet Ilmenau. Pro Tag entliefen deutschlandweit rund 100 Tiere. Und die Zahl liege vielleicht sogar höher, da nicht alle Tiere gechippt oder tätowiert und somit nicht gemeldet seien.

Es gebe aber seit Jahren immer wieder Tierfänger, die auftauchen. Bekannt sei, dass Altkleidersammler oft nicht nur Klamotten, sondern auch Katzen mitnehmen würden, um diese für Versuche zu verkaufen. Derzeit gebe es aber ein anderes Problem: „Immer mehr Tiere werden vergiftet, vor allem Katzen“, sagt Ilmenau.

Von Jessica Bassing

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