Umverteilung von Lehrerstellen sorgt für Ärger

Eines von drei Oberstufengymnasien in der Region Kassel: Auch die Herderschule bekommt Probleme wegen der Umverteilung der Lehrerstellen. Foto: Naumann

Kreis Kassel. Heftig kritisiert der Kreisvorstand Kassel des Hessischen Philologenverbandes (HPhV) „die fortgesetzte, rücksichtslose Nutzung der Gymnasien als Steinbruch für Stundenressourcen in anderen Bildungsbereichen."

Das teilt HPhV-Kreisvorsitzender Boris Krüger mit.Bekanntlich plant das Kultusministerium, bis 2018 rund 300 Lehrerstellen aus gymnasialen Oberstufen in Hessen abzuziehen.

Aus seiner Sicht sei es auffällig, dass das Kultusministerium immer gleichlautend mit landesweiten Statistiken argumentiert und damit die Wahrheit der Folgen für die einzelnen Schulen zu verschleiern sucht.

„Die neuerliche Kürzung durch die Neuberechnung der Oberstufenfaktoren stelle alle Gymnasien, aber vor allem Oberstufengymnasien, von denen es in der Region Kassel drei gibt, vor erhebliche Probleme“, sagt Krüger weiter. Selbst wenn es durch geschicktes Agieren der Schulleitungen gelinge, ein attraktives Angebot trotz der Kürzungen aufrechtzuerhalten, fehlten die Stunden - bei großen Schulen bis zu drei Stellen - an anderer Stelle.

„Die Verwendung der eingesparten Ressourcen für andere, für sich genommen sinnvolle Projekte wie den Pakt für den Nachmittag oder Deutschunterricht für Migranten bedeutet nichts anderes, als die eine Interessengruppe gegen eine andere auszuspielen“, sagt Krüger.

Es sei gleichzeitig der untaugliche Versuch, die finanziellen Ausgaben für soziale Aufgaben in den Bildungsbereich zu verlagern, ohne dass Bildung dadurch ernsthaft profitiere. „Daher ist zu befürchten, dass das Gegenteil der Fall sein wird.

Das Postulat, Hessen sei ein Bildungsland, wird durch alle jüngeren Maßnahmen des Kultusministeriums konterkariert.“ Kultusminister Alexander Lorz (CDU) spreche im Zusammenhang mit der Streichaktion von einem „behutsamen Umsteuern“. Krüger: „Offenbar meint er ein Wegsteuern vom Gymnasium.“ Dies markiere für die CDU einen bemerkenswerten Paradigmenwechsel, zumal es noch nicht lange her sei, dass die Christdemokraten sich für die Verbesserung der Leistungsfähigkeit der Schulen und Schüler ausgesprochen haben. „Wer mehr will“, so Krüger, „muss auch mehr investieren. Bildung gibt es weder kostenneutral noch zum Nulltarif.“

Der HPhV fordere daher die Landesregierung und das Kultusministerium auf, die „schrittweise Demontage des Gymnasiums“ sofort zu beenden und sich „klar und deutlich auch in konkreten Taten zu der am meisten nachgefragten Schulform in Hessen zu bekennen“.

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