Vellmar: Alte Mühle abgerissen- Investor baut Wohnungen

Nur noch ein paar Steine übrig: Der alte Mühlenturm wurde wegen Baufälligkeit abgerissen. Der Neubau soll eine ähnliche Form haben. Foto: Dilling

Vellmar. „Alte Mühle in Niedervellmar soll für fünf Millionen Euro saniert werden“, titelte die HNA vor gut vier Jahren, als Pläne für die Bebauung des Geländes an der Ahna vorgestellt wurden. Heute ist von dem 1747 erstmals urkundlichen erwähnten Kulturdenkmal, einem der ältesten Gebäude in Vellmar, außer ein paar Backsteinen nichts mehr übrig.

Wegen fehlender „Standsicherheit“ von Turm und Technikgebäude der Schmiede habe man die Abrissgenehmigung erteilt, mit dem Abbruch des Gebäudes sei die Denkmaleigenschaft des Areals „erloschen“, teilte Kreispressesprecher Harald Kühlborn auf Anfrage mit. Der Investor, der schon zwei Stadtvillen auf dem Gelände errichtet hat, plant nun den Bau von fünf weiteren Eigentumswohnungen. Der Bauantrag liegt bereits beim Kreis.

Um Erhalt gerungen

Die Alte Mühle sei immer wieder Thema der Denkmalbehörden gewesen, sagte Bezirkskonservator Dr. Tobias Michael Wolf vom Landesamt für Denkmalspflege auf Anfrage. Das Gebäudeensemble sei insgesamt ein Kulturdenkmal gewesen. Jahrelang sei mit früheren Eigentümern um den Erhalt der Mühle „gerungen“ worden. 2011 habe man Bedenken gegen den Abbruch der Scheune und des barocken Mühlengebäudes wegen „erheblicher Schäden“ zurückstellen müssen.

Das turmartige Technikgebäude habe nach der Planung des Investors in das neue Bebauungskonzept einbezogen werden sollen. Daher hätten die Denkmalbehörden des Kreises und des Landes dieses Vorhaben genehmigt. Doch es kam anders.

Nachdem der Investor das Mühlengebäude neben dem Scheunenturm abgebrochen hatte, stand dieser plötzlich schief. Man habe den Turm noch abgestützt, damit er nicht umkippt, bestätigt Bauherr Kristof Precht, Geschäftsführer des GPI Bauatelier in Kassel. Er habe sich immer für den Erhalt des Bauwerks eingesetzt. Der Turm habe sich offensichtlich an das Mühlengebäude angelehnt, seine Statik sei „äußerst desolat“ gewesen, erklärt Bezrikskonservator Wolf, der sich vor Ort ein Bild machte. Ob man das nicht auch schon früher hätte erkennen können? Ihm sei nicht bekannt, warum Voruntersuchungen nicht früher auf die mangelhafte Standsicherheit hingewiesen hätten, antwortet der Denkmalpfleger. Im übrigen sei die Denkmalbehörden nicht für Bauüberwachung und -planung zuständig.

Imerhin: Optisch soll die Fassade des Neubaus auf dem Gelände an die alte Mühle mit ihrem Backsteinambiente erinnern. Der Neubau wird also auch turmartig sein. Das habe man in Verhandlungen zwischen der Stadt Vellmar, den Denkmalbehörden und dem Investor festgelegt. Precht will nach eigenen Worten die weitere Eigentumswohnungen auf dem Areal im Frühjahr vermarkten. Die Wohnungen in den Stadtvillen seien bereits verkauft.

Von Peter Dilling

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