19-jährige Eritreerin lernte Berufsleben in Vellmarer Modehaus kennen

Ein Herz und eine Seele: Ruta Mehari Checol hat sich blendend mit ihrem Chef, Rainer Döring, vom gleichnamigen Vellmarer Modehaus verstanden und während ihres Praktikums eine Menge von ihm gelernt. Fotos: T. Hartung

Vellmar. Ruta Mehari Checol aus Eritrea hat ein zweimonatiges Praktikum gemacht und mit ihrer charmanten Art alle Herzen im Sturm erobert.

Wenn Ruta Mehari Checol im Modehaus Döring am Rathausplatz in Vellmar vorbeischaut, ist die Freude bei Inhaber Rainer Döring und seinen Mitarbeiterinnen groß. Bis vor einer Woche hat die junge Frau noch selbst in dem Modegeschäft gestanden, um allerlei über Größen, Stoffe und Schnitte zu lernen und die Kundinnen zu beraten. Ruta hat ein zweimonatiges Praktikum gemacht und mit ihrer charmanten Art alle Herzen im Sturm erobert.

Bijan Otmischi: Integrationsmanager im Landkreis Kassel.

Das Praktikum war eine große Chance für die 19-Jährige, die im September vergangenen Jahres - gemeinsam mit ihrer Cousine Rakab (20) - aus Eritrea kam. Fünf Monate waren die beiden jungen Frauen auf der Flucht, bis sie in Frankfurt ankamen. Nach Unterkünften in Gießen und Calden leben sie jetzt seit vier Monaten in der Gemeinschaftsunterkunft Grundschule Espenau.

Bevor Ruta kam, dachte Rainer Döring, dass er gegenüber seinen Kundinnen viel Überzeugungsarbeit leisten müsse, um Vorurteile aus dem Weg zu räumen. Jetzt weiß er, dass seine Befürchtungen völlig unbegründet waren.

„Sie ist ein Sonnenschein und bei allen sehr beliebt“, schwärmt der Chef. „Ich wollte jemandem eine Chance geben, außerhalb seines Heimes am praktischen Leben teilzunehmen“, sagt Döring. Also ergriff er die Initiative und nahm Kontakt zu Bijan Otmischi, Integrationsmanager des Landkreises Kassel, auf. Wenig später meldete sich Ruta als erste Bewerberin auf den Praktikumsplatz.

Nach dem ersten Kennenlernen war beiden sofort klar: Das passt! Trotz der anfänglichen Sprachprobleme hätte Ruta mit ihrer charmanten Art bereits an ihrem ersten Praktikumstag einen Pullover verkauft, verrät der Chef stolz. Mittlerweile kann sich die 19-Jährige - dank des vormittäglichen Schulunterrichts und der Hilfe von Rainer Döring - gut verständigen.

Nur der „Reißverschluss“ will ihr bis heute nicht fließend über die Lippen kommen. Döring bedauert sehr, dass das Praktikum zur Berufsorientierung schon wieder vorbei ist. Ruta hat um einen Monat verkürzt, um an einer Qualifizierungsmaßnahme bei Volkswagen in Baunatal teilzunehmen.

Das Praktikum hat der jungen Eritreerin sehr gut gefallen. „Herr Döring hat mir keine Anweisungen und Befehle gegeben. Ich durfte frei und selbstständig arbeiten“, betont sie. Ihr großer Wunsch ist es, später Modedesign oder Innenarchitektur zu studieren. Rainer Döring hat seine Entscheidung auch nicht bereut und sucht bereits eine neue Praktikantin zur Berufsorientierung.

„Leider gibt es noch viel zu wenig Plätze für alle Flüchtlinge der 34 Gemeinschaftsunterkünfte im Landkreis“, bedauert Otmischi und wünscht sich mehr Arbeitgeber wie Rainer Döring. Der Integrationsmanager weiß: „Vorhandene Vorurteile werden ausgeräumt, sobald Kontakt miteinander entsteht.“

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