Es gibt viele Ungereimtheiten

Anschlag auf Regiotram-Strecke: Warum stoppte niemand den Zug?

Nach dem Anschlag: Beamte der Bundespolizei sicherten am Sonntagnachmittag an der Regiotram-Strecke zwischen Mönchehof und Obervellmar Beweise. Foto: Brandau

Vellmar/Hofgeismar. Nach dem Anschlag auf die Regiotram-Strecke zwischen Kassel und Hofgeismar-Hümme am Sonntag gibt es viele Ungereimtheiten.

Warum fuhr eine zweite Bahn über die Hindernisse? Warum wurde die Strecke nicht direkt nach dem ersten Vorfall gesperrt, sondern erst nach dem zweiten? Wer ist für die Sperrung verantwortlich? Wir rekonstruieren die Abläufe.

Wann genau ist was passiert? 

Laut Regiotram-Gesellschaft (RTG) fuhr die erste Bahn um 8.21 Uhr über die Hindernisse. „Der Triebfahrzeugführer hat dies ordnungsgemäß dem Fahrdienstleiter der Deutschen Bahn gemeldet, sowie, dass er an der RT keine Beschädigungen festgestellt hat“, sagt Heidi Hamdad, Pressesprecherin der RTG. Daraufhin habe der Fahrdienstleiter für die gesamte Strecke - also in beide Richtungen - Vorsichtsfahrt angeordnet. Dabei fährt der Fahrer „auf Sicht“ und mit verminderter Geschwindigkeit. Dies wurde laut RTG auch umgesetzt.

Um 8.44 Uhr fuhr der zweite Zug auf dem Gegengleis über die Gegenstände und wurde dabei leicht beschädigt. Um 8.50 Uhr erfolgte die Streckensperrung durch den Fahrdienstleiter. „Aus unserer Sicht ist demnach alles völlig korrekt gelaufen“, so Hamdad.

Warum konnte eine zweite Bahn über die Hindernisse fahren? 

Weil die Strecke nicht gesperrt, sondern durch den Fahrdienstleiter Vorsichtsfahrt angeordnet wurde. Die Züge durften also weiterrollen, wenn auch deutlich langsamer. Aus Sicht der RTG habe es keinen Anlass gegeben, die Strecke zu sperren. „Es gab keine Hinweise darauf, dass auch auf dem Nachbargleis Hindernisse lagen“, sagt Hamdad. „Fahrzeugführer und Fahrdienstleiter haben korrekt gehandelt.“

Wurde die Strecke zu spät gesperrt?

„Das Gleis hätte sofort nach der eingegangenen Meldung des Triebfahrzeugführers gesperrt werden müssen“, sagt hingegen Edmund Mühlhans. Er ist Experte für Bahnsysteme und Bahntechnik und war bis zu seiner Pensionierung an der TU Darmstadt Professor für Eisenbahnwesen. Der zuständige Netzbetreiber - in diesem Fall die Deutsche Bahn (DB) - müsse in solchen Fällen die Ursache klären, indem die fragliche Stelle der Strecke untersucht wird, sagt Mühlhans. „Solange nicht durch örtliche Besichtigung geklärt ist, dass das Gleis frei und sicher befahrbar ist, darf kein weiterer Zug die Stelle passieren“, so der Experte. Ein Nachbargleis dürfe allerdings weiter befahren werden, solange kein Verdacht besteht, dass nicht auch dort ein Hindernis vorhanden ist.

Wer ist verantwortlich für die Entscheidung über eine Streckensperrung? 

„Das Notfallmanagement liegt bei der Regiotram-Gesellschaft. Deren Personal entscheidet, ob die Strecke noch befahren werden kann. Die Deutsche Bahn setzt die Maßnahmen dann um“, sagte ein Pressesprecher der DB.

„Die Bahnen waren auf einer Strecke der DB unterwegs. Insofern hat sie die Federführung beim Streckenmanagement“, sagt die RTG. „Aber natürlich ist der Fahrdienstleiter auf die Meldungen der RTG-Mitarbeiter angewiesen“, so Hamdad. Die seien korrekt erfolgt.

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