Nichts mehr übrig

Geschichtskreis Vellmar bedauert Verlust der alten Mühle

Die alte Mühle vor dem Abriss: Zunächst sollte das Mühlengebäude links stehen bleiben. Nun ist es zusammen mit dem alten Wohngebäude (Bildmitte) sowie der Scheune (rechts) verschwunden.

Vellmar. Der Investor wollte sie erst teilweise erhalten, nun ist von der alten Mühle in Niedervellmar gar nichts mehr übrig. Die GPI Bauatelier aus Kassel baut Eigentumswohnungen.

Karl-Heinz Gauler

Der Geschichtskreis Vellmar hat sich jetzt über den Abriss des Kulturdenkmals enttäuscht geäußert. „Es ist in Vellmar schon zu viel abgerissen worden“, sagt Karl-Heinz Gauler, Vorsitzender des Geschichtskreises. Zugleich machte er deutlich, dass er die Vorgänge um den Abriss des Mühlenkomplexes nicht in allen Teilen nachvollziehen kann.

Gauler bedauert weniger den Abriss des turmartigen Betriebsgebäudes, das zuletzt dem Bagger zum Opfer fiel. Denn dieses sei erst 1890 errichtet worden, mehrere Hundert Jahre nach dem Bau der eigentlichen Mühle. Viel mehr beklagt er den Abriss des Fachwerk-Wohnhauses und der Fachwerkscheune, die neben dem Turm standen.

Fachwerk intakt 

Vor einigen Jahren, als die Pläne für die Bebauung des Geländes mit Stadtvillen bekannt geworden seien, habe er Dr. Klaus Sippel vom Landesamt für Denkmalpflege eingeschaltet. Dieser habe das Holz der Fachwerkkonstruktion für „vollkommen intakt“ befunden. „Ich bin erstaunt, dass es dann doch abgerissen werden musste“, sagte Gauler.

Dabei habe der Investor Kristof Precht vorher hochfliegende Pläne zum Erhalt der Mühle verkündet. Sogar ein Mühlrad habe der wieder einbauen lassen wollen. Dr. Sippel bestätigt auf Nachfrage den Besuch an der Mühle. Es sei aber gar nicht um die Gebäude, sondern um einen Wassergraben und ein Wehr gegangen - vermutlich der alte Mühlengraben. Archäologisch Relevantes habe er dort nicht gefunden.

Keine Erinnerung an Mühle 

Nun erinnere gar nichts mehr an die Mühle, sagt Gauler. Dabei habe ein Baggerfahrer während der Bauarbeiten eine Steinplatte mit der Jahreszahl 1590 ausgegraben. Das könnte ein Hinweis sein, dass die Mühle noch viel älter war, als ihre erste urkundliche Erwähnung von 1747 vermuten lässt. Diese Steinplatte sei dann am nächsten Tag plötzlich verschwunden gewesen und bis heute nicht wieder aufgetaucht. Das sei leider kein Einzelfall. „Von allen früheren Vellmarer Mühlen sind die Mühlsteine weg“, sagt Gauler. In Vellmar seien bereits einige alte Fachwerkhäuser abgerissen worden, die nicht baufällig gewesen seien. „Wir erfahren davon häufig erst, wenn es zu spät ist.“

Eine Hinweistafel, die an die abgerissene Niedervellmarer Mühle erinnern soll, hat der Geschichtskreis nicht geplant. Auch im Heimatmuseum sind die ehemals fünf Mühlen nicht vertreten. Dafür fehle schlicht der Platz, sagt Gauler. Die Fotos der Mühle lagerten im Archiv des Vereins. Er könne sich allenfalls vorstellen, einmal eine Sonderausstellung zu den historischen Mühlen im Museum zu veranstalten.

Von Peter Dilling

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.