Gehölzschnitt

Kahlschlag an der B 7 ärgert Anlieger in Vellmar

Kahl rasiert: Die Bundesstraße 7 verläuft durch die Stadt Vellmar. Entlang der Fahrbahn wurden Bäume und Büsche gerodet. Der natürliche Schutz vor Lärm und Feinstaub ist hin. Fotos:  Shuhaiber

Vellmar. Der Gehölzschnitt entlang der Bundesstraße 7 bei Vellmar sorgt für großen Unmut und wirft Fragen auf.

Warum wird so gravierend in das Ökosystem eingegriffen? HNA-Leserin Brigitte Diegmüller ist empört: „Die Sträucher und Bäume sind noch nicht mal fachgerecht zurückgeschnitten, hier wurde einfach Kahlschlag betrieben.“ Von den Sträuchern stünden nur noch kleine Stümpfe. Zudem sei den Anwohnern entlang der B 7 jeglicher Sicht- und Schallschutz genommen worden.

Eine weitere Anwohnerin, die seit mehr als 30 Jahren an der B 7 wohnt, bestätigt Diegmüllers Aussagen: „So schlimm war es noch nie.“ Die Bäume und Sträucher dienten auch als Schutz vor Feinstaub. Täglich würden rund 22 000 Fahrzeuge auf der B 7 verkehren. Der Dreck und Feinstaub könne nun ungehindert in die Stadt ziehen. Der Kahlschlag beschneide erheblich die Lebensqualität und sei ein schwerwiegender Eingriff in das Ökosystem.

Das sieht die Verkehrsbehörde Hesse Mobil, die für die Rodungen des sogenannten Straßenbegleitgrüns verantwortlich ist, anders. Die Bäume und Sträucher werden laut Behördensprecher Horst Sinemus turnusgemäß alle ein bis zwei Jahre beschnitten, um die Verkehrssicherheit auf den Straßen zu gewährleisten.

Etwa alle zehn bis 15 Jahre seien darüber hinaus Pflegeschnitte erforderlich. Diese seien deutlich umfangreicher. Wenn dieser Turnus nicht eingehalten werde, könne sich Stangenholz bilden, das durch Regen und Schneelasten auf die Straße ragt oder bricht und die Verkehrssicherheit gefährdet. Auch zu massive „Baumwände“ könnten für Fahrzeuge zur Gefahr werden. Darüberhinaus böten kahle Gehölze keinen Lebensraum für Kleinlebewesen.

„Im vorliegenden Fall war der Turnus weit überschritten. Bereits im Vorjahr sollten im Rahmen der Pflege umfangreiche Arbeiten vorgenommen und der Pflegerückstand aufgearbeitet werden“, begründet Sinemus den Kahlschlag. Die seinerzeit beauftragte Fachfirma habe die Arbeiten jedoch nur zu einem geringen Teil erledigt. Deshalb sei für die laufende Gehölzpflegeperiode eine andere Fachfirma beauftragt worden, die nun sämtliche Arbeiten ausgeführt hat.

Bei dem umfangreichen Rückschnitt habe das Unternehmen auch Großgeräte eingesetzt. „Dies ist bei derartigen Pflegemaßnahmen an Straßen nicht zuletzt auch aus Gründen der Arbeits- und Verkehrssicherheit inzwischen geübte Praxis“, so Sinemus weiter.

Die oftmals vorgetragene Sorge, dass in einem solchen Abschnitt in den nächsten Jahren nichts mehr wachse oder es sich gar um einen „nicht wieder gutzumachenden Schaden“ handele, ist laut Sinemus unbegründet.

Das belege die langjährige Erfahrung. Eine Nach- oder Ersatzpflanzung sei wegen der verbliebenen Wurzeln nicht möglich und vor allem nicht notwendig. „Nach zwei Jahren ist das Gehölz bereits wieder zwischen zwei und drei Meter hoch.“

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