Eva-Maria Velickovic

Frau aus Vellmar als Expertin in den Krisengebieten dieser Welt

Gefährlicher Job: Gepanzerte Autos und schusssichere Weste gehören zum Alltag.

Vellmar. Wenn Eva-Maria Velickovic alle paar Monate aus den Krisengebieten der Welt in ihre Heimat Vellmar zurückkehrt, ist das für die 38-Jährige jedes Mal eine Wohltat.

„Ich genieße es, mit meinen Eltern und meinem Bruder in ihrem Garten im Musikerviertel zu sitzen. Hier ist alles so beschaulich“, sagt die Velickovic.

Am 1. Juni findet das Wiedersehen mit ihrer Familie aus einem ganz besonderen Grund in Berlin statt: Für ihre mehrjährige Tätigkeit in verschiedenen Friedensmissionen unter anderem im Kosovo, in Afghanistan und der Ukraine wird die Diplom-Politologin in der Hauptstadt vom Auswärtigen Amt, dem Verteidigungs- sowie dem Innenministerium ausgezeichnet.

„Ich freue mich außerordentlich über diese Auszeichnung, die ich als wichtige Wertschätzung meiner Arbeit empfinde“, sagt Velickovic. „Sie drückt eine Anerkennung für all diejenigen aus, die unter zum Teil gefährlichen Bedingungen in Konfliktgebieten leben und arbeiten, oft weit weg von ihren Familien und Freunden.“

Immer in Krisengebieten unterwegs: Von 2011 bis 2013 war Velickovic in Afghanistan stationiert. Dieses Bild entstand in Kabul. Foto: privat/nh

Seit 2010 gehört Eva-Maria Velickovic zum Expertenpool des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze (ZIF), aus dem das Auswärtige Amt qualifiziertes Personal rekrutiert. Derzeit ist sie im Auftrag der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa (OSZE) in der Ukraine im Einsatz. Velickovic ist als zentrale Ansprechpartnerin der Reporting-Abteilung im OSZE-Büro tätig, das sich in Mariupol in der Region Donezk im Osten der Ukraine befindet. Für das OSZE-Hauptquartier in Kiew, dem das Büro täglich berichtet, beobachtet die gebürtige Kasselerin als Monitoring Officer gemeinsam mit ihrem Team in erster Linie mögliche Waffenstillstandsverletzungen, den vertragsgerechten Abzug von Waffen und die humanitäre Situation in den Dörfern entlang der Konfliktlinie.

Einen spannenderen Job als ihren kann sich Velickovic nicht vorstellen. Seit ihrem Studium habe sie gewusst, dass sie sich im Bereich internationaler Beziehungen engagieren wolle. „Ich möchte einen Beitrag zur friedlichen Bearbeitung von Krisen und Konflikten leisten“, sagt sie. „Zugleich werde ich durch die vielen Erfahrungen, die man bei der Arbeit in Konfliktgebieten und als Teil eines multinationalen Teams macht, kulturell und zwischenmenschlich reich beschenkt.“

Dass ihre Tochter so in ihrem Beruf aufgeht, freut auch ihre Eltern, Ruth und Stojadin Velickovic, die seit 1978 in Vellmar leben. Sie reisen extra zur Feier nach Berlin: „Wir sind sehr stolz auf unsere Tochter und freuen uns, bei der Preisverleihung mit dabei zu sein“, sagt Stojadin Velickovic.

Von Sarah Rogge-Richter

Zur Person: Eva-Maria Velickovic (38) ist in Vellmar aufgewachsen. Nach ihrem Abitur an der Albert-Schweitzer-Schule in Kassel 1997 studierte sie bis 2004 an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften. Anschließend erhielt die Diplom-Politologin ein Stipendium des Deutschen Akademischen Austauschdienstes für ein Praktikum bei den Vereinten Nationen (VN) in Genf. Danach war Velickovic als wissenschaftliche Mitarbeiterin für den Landtagsabgeordneten Dieter Franz (SPD) tätig. Es folgten ein Einsatz bei den VN im Kosovo, wo sie mit ethnischen Minderheiten arbeitete, und eine EU-Polizei-Mission in Afghanistan - dort war Velickovic als politische Beraterin tätig. Seit 2010 gehört sie zum Expertenpool des Zentrums für Internationale Friedenseinsätze. Von dort wurde sie im Mai 2014 zur OSZE-Monitoring Mission in der Ukraine entsandt. Velickovic ist ledig. Ihre Eltern und ihr Bruder leben noch immer in Vellmar. (pri)

Hintergrund: Zentrum für Internationale Friedenseinsätze

Um zivile Experten kurzfristig in Friedenseinsätze und Wahlbeobachtungsmissionen vermitteln zu können, hat das Zentrum für Internationale Friedenseinsätze (ZIF) in Berlin seit 2002 einen Expertenpool aufgebaut. Er umfasst mittlerweile über 1400 Profile von Fach- und Führungskräften aus unterschiedlichsten Branchen. Bewerber müssen unter anderem die deutsche Staatsangehörigkeit sowie eine abgeschlossene Berufsausbildung und/oder Studium haben, über mehrjährige relevante Berufserfahrung im In- und/oder Ausland und über sehr gute mündliche und schriftliche Kenntnisse der deutschen und englischen Sprache verfügen. Außerdem sollten sie körperlich sowie psychisch überdurchschnittlich belastbar sein. Geeignete Bewerber absolvieren einen Grundkurs „Friedenseinsätze“. Im Anschluss wird über die Aufnahme in den Expertenpool entschieden. Weitere Infos: www.zif-berlin.org (nis)

Stichwort: Tag des Peacekeepers

An diesem Tag, den die Bundesregierung zum vierten Mal feiert, werden Eva-Maria Velickovic und zwei weitere Zivilexperten sowie drei Polizisten und drei Soldaten stellvertretend für alle Deutschen in internationalen Friedenseinsätzen geehrt. Außenminister Dr. Frank-Walter Steinmeier, Innenminister Dr. Thomas de Maizière und Verteidigungsministerin Dr. Ursula von der Leyen werden den Preisträgern im Auswärtigen Amt in Berlin eine Trophäe überreichen. (pri)

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.