Sie verkaufte eine Harley Davidson

Vellmarer Familie erhielt Morddrohung nach Ebay-Geschäft

Betrugsmasche: Offenbar gibt es im Ausland Call-Center, die darauf spezialisiert sind, Ebaykunden unter Druck zu setzen und sich Geld zu erschleichen. Foto:  dpa

Vellmar. Es klingt wie aus einem schlechten Krimi, was Stefan* und Barbara Meyer* aus Vellmar erlebt haben. Fast wären sie Opfer eines Betrugs geworden, der offenbar System hat.

Nach einem Verkauf auf dem Online-Portal Ebay erhielt die Familie Morddrohungen.

Es war an einem späten Nachmittag, erinnert sich Stefan Meyer. Er saß gerade im Wartezimmer seines Physiotherapeuten, als sein Handy klingelte und eine unbekannte 009-Nummer auf seinem Display erschien. „Ich rufe wegen der Harley an, der Zylinderkopf ist gerissen, du musst mir entgegenkommen“, gibt Meyer den Wortlaut des Telefonats wieder.

Einige Tage zuvor hatte Familie Meyer eine Harley Roadking für 4800 Euro über Ebay an einen Mann aus Nürnberg verkauft. „Wir waren uns sicher, dass die Harley in einem einwandfreien Zustand verkauft wurde“, sagt das Ehepaar. Stefan Meyer habe daher zunächst das Gespräch in der Physiotherapiepraxis beendet und dem Anrufer versichert, sich später zurückzumelden. „Der Mann hatte vorher schon bei mir angerufen und ich habe nicht sofort geschaltet und die Handynummer meines Mannes herausgegeben“, berichtet Barbara Meyer. Wenige Minuten nach dem ersten Telefonat habe sich der Anrufer erneut bei Stefan Meyer gemeldet und im gedroht: „Wenn du mir nicht entgegenkommst, komme ich mit meinem Bruder vorbei und bringe deine ganze Familie um.“ Meyer habe daraufhin seine Frau kontaktiert und ihr von der Drohung berichtet. „Ich habe die 009-Nummer zurückgerufen und gesagt, dass die Maschine ein Ding ist, die Familie umbringen zu wollen, aber ein ganz anderes ist und das ich jetzt die Polizei einschalten werde.“

Noch am selben Abend erzählte das Ehepaar der Polizei völlig aufgebracht von den beängstigenden Anrufen des Unbekannten, der akzentfrei Deutsch gesprochen habe und sie mit einer äußerst aggressiven Art einschüchtern wollte. Dass es sich bei dem Anrufer nicht um den Käufer aus Süddeutschland handelte, vermuteten die Meyers bereits. Der Käufer sei höflich gewesen und auch nach dem Verkauf habe es noch Mailkontakt gegeben, der nicht auf solch ein Verhalten schließen lasse. „Der Polizist hat uns gesagt, dass wir uns keine Gedanken machen sollen und beruhigt nach Hause gehen können“, berichten sie. Dem Polizisten sei dieses Gebaren bekannt gewesen. Da die Meyers mit der Polizei gedroht hätten, sei es unwahrscheinlich, dass der Anrufer sich noch einmal bei der Familie meldet.

Das sagt Polizeisprecher Torsten Werner

„Wir haben diese Fälle immer wieder, und das europaweit“, bestätigt Polizeisprecher Torsten Werner auf HNA-Anfrage. Die Anrufer säßen in der Regel in Call-Centern im Ausland und beobachteten die Versteigerungen bei Ebay, um anschließend Kontakt zu den Verkäufern aufzunehmen. Bei dieser Masche handele es sich um eine Form des Trickbetrugs. Mithilfe von Bedrohungen versuchten die Anrufer, ihre Opfer unter Druck zu setzen und zu nötigen, Geld per Western Union ins Ausland zu transferieren. Ist das geglückt, sei das Geld weg. Western Union ist ein amerikanischer Anbieter von weltweitem Bargeldtransfer.

 

*Namen wurden von der Redaktion geändert*

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