Revison nach Messerstecherei in Vellmar

Vellmar. Im März 2014 wurde ein heute 22-Jähriger vom Landgericht Kassel zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt. Er legte Revision ein. Jetzt wurde das Verfahren neu eröffnet.

Mit fünf Messerstichen wurde im Juni 2013 ein damals 34-Jähriger vor seiner Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Vellmar lebensgefährlich verletzt.

Der heute 22-Jährige, der mit einem unbekannten Komplizen die Tat verübt haben soll, muss sich seit Dienstag zum zweiten Mal vor dem Landgericht Kassel verantworten. Denn der Bundesgerichtshof hat der Revision des Angeklagten stattgegeben, der im März 2014 von der 10. Strafkammer zu fünf Jahren Jugendstrafe verurteilt worden war.

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Ließen die Täter aus freien Stücken von ihrem Opfer ab oder weil Nachbarn des Geschädigten durch seine Hilferufe auf die Messerattacke aufmerksam geworden waren? Das ist die Frage, der jetzt die 6. Strafkammer im Auftrag des Bundesgerichtshofes nachgehen muss. Die Karlsruher Richter hatten beanstandet, dass ihre Kassler Kollegen einen so genannten strafbefreienden Rücktritt vom versuchten Totschlag nicht geprüft hatten. Das Verfahren wurde daher zur neuen Verhandlung an eine andere Kammer des Landgerichts zurückverwiesen.

Vorsitzender Richter Volker Mütze stellte deshalb dem Geschädigten und den Nachbarn die zwei immer gleichen Fragen in verschiedensten Variationen. Wer hat den letzten Messerstich gegen den Hals des Opfers verübt, der Mann mit der Baseballkappe oder ohne, und wann hat dieser zugestochen - vor den drohenden Zurufen der Nachbarn oder danach? Zur Zufriedenheit des Strafverteidigers konnte sich keiner der Befragten nach über zwei Jahren mehr erinnern. Auch der heute 37-jährige Angegriffene nicht.

Der Mann soll zum Tatzeitpunkt oder kurz zuvor eine mehrwöchige, intime Beziehung zur damals erst 17 Jahre jungen Schwester des Angreifers unterhalten haben. Am Tattag will der Angeklagte gar von einer Vergewaltigung seiner Schwester durch den verheirateten, türkischstämmigen Mann und Vater zweier Kinder erfahren haben. Deshalb habe er diesem „eine Lektion erteilen“ wollen, erklärte der Angeklagte über seinen Verteidiger. „Ich wollte ihn keinesfalls töten und habe das auch nicht versucht.“ Weiter: „Die Sache ist aus dem Ruder gelaufen.“ Überraschend informierte Staatsanwalt Müller am ersten Verhandlungstag das Gericht zudem darüber, dass die umworbene Schwester bereits im August 2014 gegen den Geschädigten eine Strafanzeige wegen Vergewaltigung gestellt hat. Dieses Verfahren ruht zur Zeit. (and)

Fortsetzung am 22. Dezember, 13 Uhr, weitere vier Verhandlungstage sind für Januar angesetzt.

Rubriklistenbild: © picture alliance / dpa

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