Harsche Kritik in Presse-Erklärung

Stadt will asbestverseuchtes Bürgerhaus in Niedervellmar sanieren

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Sanierung: Die Kulturhalle Niedervellmar ist seit Herbst 2011 geschlossen. Nun soll das asbestbelastete Gebäude noch in diesem Jahr saniert werden. Die Stadt erhält 2,1 Millionen Euro aus dem kommunalen Investitionsprogramm. Die Kosten für den Anbau der Grundschule Obervellmar soll auch aus diesem Topf finanziert werden. Die Kosten in Höhe von rund 800 000 Euro teilt sich die Stadt mit dem Landkreis Kassel.

Vellmar. Die Kulturhalle in Niedervellmar und das Bürgerhaus Obervellmar erhitzen weiterhin die Gemüter: Dr. Erich Fehr von den Grünen äußerte nun in einer Presse-Erklärung harsche Kritik an der Arbeit des Magistrats, der höhere Kosten bei der Sanierung der Kulturhalle und dem Neubau des Bürgerhauses Obervellmar in Kauf nehme.

Konkret geht es um einen Gerichtstermin Mitte Februar vor dem Landgericht Kassel gegen den Erstgutachter bezüglich der Asbestbelastung der beiden Bürgerhäuser. Ein unabhängiger Gutachter, der in dieser Frage vom Landgericht Kassel bestellt worden war, bestätigte, dass beide Gebäude mit Asbest kontaminiert sind. Daraufhin hatte der Magistrat auf Grundlage des Gerichtsprotokolls entschieden, das Beweissicherungsverfahren abzuschließen.

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„Mich erstaunt, dass der Magistrat beschlossen hat, das Beweissicherungsverfahren abzuschließen und nun eine Asbestbelastung beider Häuser kommuniziert“, schreibt Fehr. Ein Ergebnis bezüglich einer Asbestbelastung habe nicht ermittelt werden können. Die Anhörung endete laut Fehr mit der Erklärung des Rechtsanwaltes der Stadt, dass weitere Fragen zur Klärung schriftlich an den Sachverständigen gerichtet werden. Dabei verfüge der vom Gesundheitsamt empfohlene und von der Stadt beauftragte Sachverständige nicht die Kriterien eines „sachkundigen akkreditierten Labors aus dem Bausektor“. „Der Sachverständige hat in der Anhörung zum Teil Fragen der Stadt und des Richters ausweichend, vage oder gar nicht beantwortet“, sagt Fehr. Er habe sich vielmehr in seinen Aussagen nur auf die Messungen des ersten Gutachters bezogen. Der Sachverständige habe die gravierenden Unterschiede der Messergebnisse in beiden Gutachten damit begründet, dass sich die Asbestfasern abgesetzt hätten. „Warum diese dann in Staubproben nicht gefunden werden können, erklärte er nicht überzeugend“, sagt Fehr. Laut Gutachter ist die Faserzahl völlig unerheblich für die Bewertung einer Asbestbelastung. Selbst wenn keine Asbestfasern in Gebäuden aus dieser Zeit gefunden würden, in denen meistens Asbest verbaut worden sei, müssten solche Gebäude saniert werden. „Da stellt sich die Frage, warum dann überhaupt gemessen worden ist“, meint der Grünen-Politiker.

Bürgermeister Manfred Ludewig (SPD) kann indes nur noch mit dem Kopf schütteln: „Es ist völlig egal, ob Asbest in der Raumluft oder im Gebäude fest verbaut ist, bei einer Kontaminierung muss saniert werden.“ Es sei gut, dass das Verfahren nun abgeschlossen ist. Ziel sei es, die Belastung schnellstmöglich zu beseitigen. Aktuell ermittele das Bauamt die Sanierungskosten, die aus dem kommunalen Investitionsprogramm finanziert werden sollen. Die Sanierung der Kulturhalle soll am 9. Mai im Stadtparlament Thema sein. „Wichtig ist, dass die Halle so schnell wie möglich wieder von den Vereinen genutzt werden kann“, sagt Ludewig abschließend.

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