Zwei Züge fuhren über Hindernisse

Tram-Anschlag bei Vellmar: Wurde Strecke zu spät gesperrt?

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Spurensicherung: Beamte der Bundespolizei fanden am Sonntag die Plastiktür, die ein Paar aus Espenau auf die Gleise gelegt haben soll.

Vellmar/Espenau/Hofgeismar. Nach dem Anschlag auf die Regiotram-Strecke zwischen Kassel und Hofgeismar-Hümme steht die Frage im Mittelpunkt, warum gleich zwei Züge über die Hindernisse fahren konnten.

Aktualisiert am Dienstag um 9.03 Uhr.

Die erste Bahn, die von Hümme inRichtung Kassel unterwegs war, fuhr gegen 8.20 Uhr zwischen Mönchehof und Obervellmar über die Hindernisse - eine Plastiktür und Betonplatten. Der Zugführer habe sofort Fahrdienstleiter der DB informiert, sagte die Pressesprecherin der Regiotram-Gesellschaft Heidi Hamdad. Dieser habe daraufhin die RT, die auf dem Gegengleis fuhr, gewarnt.

Die DB habe dann um 9.07 Uhr verfügt, die Strecke zu sperren. In der Zwischenzeit, gegen 8.55 Uhr, sei der zweite Zug über die Gegenstände gefahren. Auf die Frage, warum die Strecke nicht gleich nach dem ersten Vorfall gesperrt wurde, gab die Pressestelle der Deutschen Bahn in Frankfurt bis Redaktionsschluss keine Antwort.

Bei den Hindernissen handelte es sich nicht, wie zunächst von der Bundespolizei berichtet, um Waschbetonplatten, sondern um Abdeckungen von Kabelschächten. Sie bestehen aus Beton und sind etwa 30 mal 60 Zentimeter groß und zirka fünf Zentimeter dick. Zudem lag eine Plastiktür auf den Gleisen, die die Täter von einem Kabelverzweigerhäuschen nahe der Gleisanlage abgerissen hatten. Bei den Vorfällen ist laut Hamdad nur an einem Zug geringer Schaden entstanden. Er sei weiterhin fahrbereit gewesen. Zur Höhe des Schadens an der Strecke wollte sich die Pressestelle der DB vor dem Hintergrund des laufenden Verfahrens nicht äußern.

Die beiden Verdächtigen, eine 29 Jahre alte Frau und ihr 33-jähriger Lebensgefährte aus Espenau, sind seit Sonntagabend wieder auf freiem Fuß. Das teilte der Pressesprecher der Bundespolizeidirektion Kassel, Klaus Arend, mit. „Es gibt kein klar erkennbares Motiv für die Tat“, sagte Arend auf Anfrage der HNA. Gegen das Paar wird nun wegen gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt.

Bei der Durchsuchung der Verdächtigen fanden die Beamten der Bundespolizei zwei Gramm Drogen und mehr als 1000 Euro. „Die Stückelung des Geldes war szenetypisch und weist auf Handel hin“, sagte Torsten Werner, Pressesprecher der Polizei. Bei einer anschließenden Wohnungsdurchsuchung fanden die Beamten mehrere Hundert Euro sowie geringe Mengen Streckmittel und Drogen, darunter Cannabis und Amphetamine. Gegen das Paar wird nun zusätzlich wegen des Verdachts auf illegalen Besitz von und illegalen Handel mit Betäubungsmitteln ermittelt. Ob die Verdächtigen die Tat unter Drogeneinfluss verübt haben, ist noch nicht klar. „Beim ersten Kontakt machten sie auf die Kollegen nicht den Eindruck, als stünden sie unter Drogen“, sagte Arend. Ein Bluttest soll nun Klarheit bringen.

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