Vellmar: Telekom lehnt 89-Jährigen ab - Verträge nur für Kunden bis 81 Jahre

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„Ich stehe hier für schnelles Internet“: Mit diesen Worten wirbt die Telekom in Vellmar. Der 89-jährige Vater von Ulrike Wandner (Foto), der sich nicht fotografieren lassen wollte, sei dafür aber wohl zu alt. 

Vellmar. Was sich Telekommitarbeiter derzeit an Haustüren in Vellmar erlauben, ist für Ulrike Wandner (50) ein handfester Skandal. Offenbar lehnt der Konzern es ab, mit älteren Menschen einen Vertrag über schnelles Internet abzuschließen.

„Als der Mitarbeiter bei meinen Eltern war und erfuhr, dass mein Vater 89 Jahre alt ist, sagte er, das sei zu alt“, berichtet Ulrike Wandner schockiert.

Die Vellmarerin traute ihren Ohren nicht. Wörtlich soll der etwa 30 Jahre junge Telekom-Mitarbeiter zu ihrer Mutter gesagt haben: „Bei schnellem Internet nehmen wir nur Kunden bis 81 Jahre“.

Auf Ulrike Wandner, die bei einem IT-Beratungsunternehmen arbeitet, und die am Tag vorher selbst Besuch von dem Telekom-Mitarbeiter bekommen hatte, habe der Mann zwar einen höflichen Eindruck gemacht. „Aber so eine Geschäftspraxis ist unmöglich“, sagt sie, „die Telekom kann doch nicht einfach Menschen wegen ihres Alters ausschließen“.

Von Januar bis September hatte die Telekom ihr Netz in Vellmar ausgebaut. Seitdem können die Menschen in den Stadtteilen Obervellmar, Frommershausen und Niedervellmar mit Vellmar-West sowie im Stadtzentrum und den Gewerbegebieten Waldstraße und Lange Wender mit bis zu 100 Megabit pro Sekunde im Internet surfen. Die Telekom hat unter anderem 34 neue Verteilerkästen aufgestellt und sie meist großflächig mit Werbe-Aufklebern versehen.

Um jetzt die entsprechenden Verträge abzuschließen, aber auch, um grundsätzliche Fragen zum schnellen Internet zu beantworten, sind derzeit Telekom-Mitarbeiter im Stadtgebiet unterwegs und klingeln an den Haustüren. „Mein Vater surft regelmäßig, trotz seines hohen Alters, gerne im Netz“, sagt Ulrike Wandner. Nachdem der Mann mit der Telekom-Jacke nach dem Alter gefragt hatte, sei er jedoch zur nächsten Haustür gegangen.

Da Ulrike Wandner die Ablehnung ihrer Eltern durch ein Unternehmen, dass immerhin in Teilen der Bundesrepublik gehört, als diskriminierend empfindet, entschied sie sich dafür, mit dem Vorfall an die Öffentlichkeit zu gehen. „Wenn niemand seine Stimme erhebt, macht die Telekom doch so weiter“, sagt sie.

Das sagt die Telekom

Sprecher: "Wollen Kunden schützen"

Keine Internet-Verträge mit älteren Menschen an der Haustür – das sei gängige Geschäftspraxis der Deutschen Telekom, bestätigt Telekom-Sprecher George-Stephen McKinney auf Anfrage unserer Zeitung. „Damit wollen wir unsere Kunden schützen“, sagt er. Der Mitarbeiter, der in Vellmar von Haustür zu Haustür geht, gehöre zu einem Vertriebspartner der Telekom. „Unsere Vertriebspartner haben strikte Vorgaben“, betont McKinney. Die Telekom schließe „selbstverständlich“ auch Verträge über schnelles Internet mit Senioren über 81 Jahren ab, „aber eben nicht an der Haustür, sondern nur im Telekom-Shop oder telefonisch“. Hintergrund seien Fälle aus der Vergangenheit, bei denen dem Unternehmen vorgeworfen worden war, an der Haustür mit Senioren Geschäfte gemacht zu haben, die diese im Nachhinein gar nicht abschließen wollten. 

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