Ärger in Vellmar wegen Haustürgeschäft von Telekom-Drückern

Umstrittene Geschäfte: Wegen der neu verlegten Hochgeschwindigkeitsleitung werben Telekom-Vertreter um neue Kunden an der Haustür. Unser Bild zeigt eine gestellte Szene. Foto: Andreas Rother/nh

Vellmar. Wegen der Hochgeschwindigkeitsleitung in Vellmar wirbt die Telekom nun für neue Verträge an der Haustür. Einige Kunden haben sich über die angeblichen Mitarbeiter beklagt.

Abends klingelt es an der Haustür eines Vellmarer Bürgers. Ein Mitarbeiter der Telekom will in die Wohnung und dort nach dem Internetanschluss schauen. „Ich war vollkommen überrumpelt“, berichtet der Bewohner. Der Mann trug eine Telekom-Jacke, hatte einen Ausweis um den Hals baumeln. Trotzdem: Dass die Telekom Haustürgeschäfte macht, kam ihm komisch vor.

In Vellmar legte die Telekom Anfang des Jahres ein 15,6 Kilometer langes Glasfaserkabel. Rund 7500 Haushalte sollen davon profitieren, teilt das Unternehmen mit. Bei der Frage nach Haustürgeschäften in Vellmar wird auf das beauftragte Unternehmen „Ranger Marketing und Vertrieb“ mit Sitz in Düsseldorf verwiesen. Dieses soll sowohl Bestandskunden als auch Kunden anderer Unternehmen ansprechen und auf Wunsch beraten. Bereits seit einigen Wochen seien die Vertreter in Vellmar unterwegs, bestätigt Julia Büttner, Pressesprecherin von „Ranger Marketing und Vertrieb“.

Ein weiterer Mann, der in Vellmar lebt, schildert ein ähnliches Ereignis vom Freitagnachmittag: „Die beiden Männer in der Telekom-Jacke haben bei der Nachbarin geklingelt und wollten hinein. Sie hat sie zum Glück nicht reingelassen.“ Er denkt sofort an Trickbetrüger und wendet sich an die HNA.

George-Stephen McKinney, Pressesprecher der Telekom, erklärt auf Anfrage der HNA, dass man seit 2004 erfolgreich mit „Ranger Marketing“ zusammenarbeite. Aber warum greift die Telekom überhaupt auf Haustürgeschäfte zurück? Es sei sehr bequem für die Kunden, Geschäfte an der Haustür abzuwickeln, „außerdem ist dies ein erfolgreiches und gängiges Mittel der Branche“, erklärt er. Kleidung, Ausweis und ein Autorisierungsschreiben würden die Mitarbeiter identifizieren. Außerdem bestehe für die Kunden im Zweifelsfall die Möglichkeit, über eine Hotline 0800/330 1000 zu erfragen, ob der Mitarbeiter autorisiert ist.

„Dass Vertreter für Trickbetrüger gehalten werden, kommt immer mal wieder vor“, sagt Jürgen Wolf, Pressesprecher der Polizei Kassel. Kunden hätten Probleme, Vertreter voneinander zu unterscheiden, wollten sich auf Haustürgeschäfte gar nicht einlassen. Erst am Freitag wurden in Kassel in der Rothenbergstraße zwei Männer in Telekom-Jacken gemeldet, die von Tür zu Tür gingen. Bei der Überprüfung stellte sich heraus, dass sie in offiziellem Auftrag unterwegs waren.

Ein weiteres Problem: Auf die Frage an den Telekom-Mann, ob er etwas Schriftliches hätte, verneinte der, „die gibt es leider nicht“. „Ich bin mehr als verwundert, dass ich so nebenbei am Abend von einem solchen Bauernfängertrick überrumpelt werde“, berichtet der Vellmarer der HNA. Laut Telekom sollten die Vertreter aber Broschüren haben.

Stichwort: Haustürgeschäfte

Die Verbraucherzentrale rät bei Türverträgen zur Vorsicht. „Wichtig ist bei diesen Geschäften, dass man sich nicht drängen lässt“, sagt Thomas Hertwig, Berater der Verbraucherzentrale in Kassel. Generell wird bei Menschen, die sich als Telekom-Mitarbeiter ausgeben, zur Vorsicht geraten. „Telekom wird von vielen Betrügern als Türöffner missbraucht“, berichtet Hertwig.

Hausrecht: Wenn einem etwas komisch vorkommt, muss er niemanden in seine Wohnung lassen. Wer Probleme mit seinem Anschluss hat, hat selbst die Telekom beauftragt.

Widerruf: Unterzeichnet man an der Tür unüberlegt doch einen Vertrag, gilt ein 14-tägiges Widerrufsrecht. Der Widerruf geht immer per Brief, wird mittlerweile auch per Telefon angeboten. Die Verbraucherzentrale rät zu einem schriftlichen Widerruf per Einschreiben. Die Nachweispflicht, dass der Widerruf rechtzeitig eingetroffen ist, liegt nämlich beim Verbraucher.

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