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Vellmarerin hilft als Trauerbegleiterin Kindern und Jugendlichen

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Steht den jüngsten Familienmitgliedern zur Seite: Astrid Althaus aus Vellmar hat sich zur zertifizierten Trauerbegleiterin insbesondere für Kinder und Jugendliche ausbilden lassen.

Vellmar. Kinder trauern anders, sagt die Vellmarerin Astrid Althaus. Sie hat es sich zur Aufgabe gemacht, Kinder und Jugendliche in dieser schweren Zeit zu unterstützen - als Trauerbegleiterin.

„Kinder trauern anders als Erwachsene. Wenn beispielsweise Mama, Papa, ein Geschwisterkind oder die Großeltern sterben, zeigen sie ihre Trauer nicht unbedingt in Worten oder Tränen“, weiß Astrid Althaus. Die 44-Jährige aus Vellmar hat sich jetzt zur zertifizierten Trauerbegleiterin speziell für Kinder und Jugendliche ausbilden lassen.

Wechselbad der Gefühle

Die gelernte Erzieherin mit mehr als 20 Jahren Berufserfahrung will zukünftig vor allem den jüngeren Familienmitgliedern in Nordhessen zur Seite stehen, die einen schweren Verlust zu bewältigen haben. „Während Erwachsene in einem See voller Trauer schwimmen, springen Kinder im Wechselbad ihrer Gefühle in eine ,Trauerpfütze‘ und im nächsten Moment wieder heraus“, beschreibt Astrid Althaus, selbst Mutter von zwei Kindern, das Sinnbild ihrer Arbeit.

Traurigkeit verarbeiten

Die kindlichen Reaktionen auf den Tod eines nahestehenden Menschen verunsicherten viele Erwachsene. Je nach Altersstufe gingen Kinder und Jugendliche sehr unterschiedlich mit dem Verlust um. „Unbemerkt von den anderen Familienmitgliedern, die selbst den Schock und ihre Traurigkeit verarbeiten müssen, ziehen sich manche Kinder möglicherweise allein in ihr Zimmer zurück. Andere zeigen ihre Trauer vielleicht in einem eher aggressiven Verhalten.“

Hier setzt Astrid Althaus an: Aufmerksam zuhörend und behutsam die richtigen Worte findend, will sie sich Zeit für die Betroffenen nehmen. „Ich habe mich gefragt, wer eigentlich meine Kinder emotional auffangen würde, wenn mir mal etwas passieren sollte“, erläutert Astrid Althaus, warum sie sich für die Zusatzausbildung entschieden hat. „Wenn ein Elternteil oder ein anderes Familienmitglied stirbt, bricht oftmals das gesamte Familiensystem zusammen. Ich möchte Familien in dieser Situation unterstützen.“

Im Juni hat sie eine Ausbildung an der Akademie Aidenried am Ammersee absolviert. Im Jahr 2012 hat Astrid Althaus, die als Erzieherin im katholischen Kindergarten Heilig Geist in Vellmar tätig ist, bereits eine Ausbildung zum Master im Neuro-Linguistischen Programmieren (NLP) abgeschlossen, bei der es um Kommunikationstechniken und Methoden zur Veränderung psychischer Abläufe im Menschen geht. Das, was sie - auch in Seminaren zur Trauerbegleitung für Erwachsene - gelernt hat, will Astrid Althaus nun weitergeben.

Kinder ernst nehmen

Sie möchte Menschen, die mit Kindern und Jugendlichen arbeiten wie zum Beispiel Erzieher, zukünftig unter anderem in Form von Seminaren einen Einblick in das Thema Kinder und Trauer ermöglichen. Eine Empfehlung, die die Expertin gern weitergibt: „Es ist wichtig, dass man Kinder ernst nimmt. Dabei bedarf es oftmals gar nicht vieler Worte, um ein Kind zu trösten.

Hintergrund

„Trauernde wollen kein Mitleid, sie wollen Mitgefühl. Das gilt auch für Kinder und Jugendliche“, sagt Astrid Althaus, zertifizierte Trauerbegleiterin für Kinder.

Ihre Tipps:

• „Nehmen Sie sich Zeit für Ihr Kind. Fragen Sie, wie es ihm nach dem Verlust geht.

• Sprechen Sie offen mit Ihrem Kind, und ganz wichtig: Seien Sie ehrlich. Sagen Sie zum Beispiel nicht: ,Oma ist eingeschlafen‘, sondern: ,Oma ist gestorben. Sie kommt nicht wieder.‘

• Bieten Sie Ihrem Kind an, dass es Sie jederzeit fragen kann. Machen Sie jedoch nicht zu viele Worte: Wenn Kinder etwas genauer wissen wollen, fragen sie in der Regel noch mal nach.

• Wichtig ist, dass Kinder auch in dieser schweren Zeit Stabilität brauchen. Ändern Sie daher keine bestehenden Rituale. Im Allgemeinen sollten sie über das Thema Sterben und Tod frühzeitig in der Familie reden und zum Beispiel anhand von altersgerechten Bilderbüchern veranschaulichen - also noch bevor ein Trauerfall eintritt“, empfiehlt die Expertin. (pri)

Kontakt via E-Mail an: astridalthaus@trauerpfuetzen.de

www.Trauerpfuetzen.de

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