VW spart bei Bonus und bei Investitionen - auch im Werk Kassel

Wolfsburg/Baunatal. Trotz der hohen Kosten für den Abgasskandal will VW bei den Stammbeschäftigten keine Stellen abbauen.

„Ich sehe keine Bedrohung für die Stammbelegschaft“, sagte am Freitag VW-Markenchef Herbert Diess in einem Doppelinterview mit Betriebsratschef Bernd Osterloh.

Mit Blick auf die Übernahme von Zeitarbeitern wollte Diess keine Einschätzung abgeben.

Für das VW-Werk Kassel in Baunatal mit seinen rund 17.000 Beschäftigten stelle sich in diesem Jahr die Frage nicht mehr, erst 2016 stünden wieder mögliche Verlängerungen oder Übernahmen an, sagte gestern Abend Carsten Bätzold, Betriebsratschef des VW-Werks in Kassel. Ob es dazu kommt, entscheidet sich daran, „ob es am Standort nachhaltige Beschäftigung gibt“. Gespart wird bereits an anderer Stelle. Ein Überblick:

Die Investitionen

Zu den Sparposten gehört das Investitionsprogramm. Diess sagte im Interview: „Wir waren in einigen Investitionsprogrammen schon etwas großzügig unterwegs. Da haben wir eingegriffen.“ Für das VW-Werk Kassel könnte dies bedeuten, dass die jährlichen Investitionen zurückgefahren werden. Bekam der Standort zuletzt - verteilt über die vergangenen fünf Jahre - rund 1,5 Milliarden Euro, so ist geplant, diese Summe nach Informationen unserer Zeitung nun um rund 340 Millionen Euro zu kürzen. Vor Wochen hatte VW angekündigt, eine Milliarde Euro bei den Investitionen zu streichen.

Der Bonus

Ein weiterer Posten dürften künftige Bonuszahlungen an die 115.000 Mitarbeiter im VW-Haustarifvertrag sein. Üblich ist eine Abschlagssumme im November, die Differenz folgt im Frühjahr. Diess sagte im Interview: „Das Unternehmen wird weniger verdienen und die finanzielle Anspannung steigt beträchtlich. Da muss man natürlich reagieren.“ Da der Bonus an den Gewinn der Marke VW gekoppelt ist, dürfte er niedriger ausfallen als in den Jahren zuvor. Zuletzt waren es insgesamt 5900 Euro. Heiko Hillwig, Sprecher im Werk Kassel, sprach in dieser Woche von einem Abschlag in Höhe von 1545 Euro.

Das Effizienzprogramm

Unabhängig von notwendigen Ausgabenkürzungen aufgrund des Abgasskandals hatte der Ex-Vorstandsvorsitzende Martin Winterkorn zu Beginn des Jahres mehr Effizienz bei allen Standorten eingefordert. Das Werk Kassel sollte in diesem Jahr die Kosten um 160 Millionen Euro drücken. Was davon erreicht wurde, ließ Hillwig offen. „Erreichte Zwischenstände“ wolle man nicht kommentieren. „Der Standort Kassel ist bei der Umsetzung der Kostenziele des vereinbarten Effizienzprogramms für 2015 auf gutem Weg. Hierzu gehört eine Vielzahl von Maßnahmen - wie etwa die Umsetzung einer bedarfsorientierten Optimierung der Lagersituation.“

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