Sicherheit im Fokus

Zahl der Unfälle im VW-Werk seit 2009 mehr als halbiert

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Hier wird viel Wert auf Sicherheit gelegt: Dreimal haben die Mitarbeiter der Aggregateaufbereitung bereits den Arbeitssicherheitspokal gewonnen. Hidir Budak (links) und Roland Greinert achten etwa darauf, dass kein unnötiges Material auf dem Boden herumliegt. Seit 582 Tagen hat es in der Außenstelle des Baunataler VW-Werks keinen Arbeitsunfall mehr gegeben, das zeigt eine Tafel im Hauptgang an. Sicherheitschef Jörg Ruppert zeigt dies. 

Kassel/Baunatal. Thomas Kasten hatte Glück. Als der Mitarbeiter von VW kürzlich mit einem Teppichbodenmesser eine Verpackung öffnen wollte, brach die Klinge des Werkzeuges ab.

Durch die Spannung des Verpackungsbandes wurde das scharfe Klingenteil knapp an seinen Augen vorbeigeschleudert. Kasten kam mit dem Schrecken davon.

Der 48-jährige Kaufunger arbeitet in der Aggregateaufbereitung von VW an der Lilienthalstraße in Kassel. Die Abteilung ist bekannt für einen hohen Sicherheitsstandard. Seit Monaten hat es keinen Arbeitsunfall mehr gegeben, genau gesagt: seit 582 Tagen. Das zeigt auch eine Leuchtanzeige am Hauptgang der Außenstelle des Baunataler VW-Werks an. Dreimal gewann die Abteilung bereits den intern ausgeschriebenen Arbeitssicherheitspokal des gesamten Standortes.

Den Beinahe-Unfall habe man sofort besprochen, berichtet Unterabteilungsleiter Stefan Käse. Jetzt nutze man Messer, bei denen die Klinge nach dem Schneidevorgang automatisch zurückfahre.

Immer mehr wird für Gesundheit getan

Das Beispiel zeigt die Tendenz im Bereich der Arbeitsunfälle bei Volkswagen. Auch in kleinen Dingen wird immer mehr für die Gesundheit der insgesamt 17.000 Beschäftigten getan. Das hat laut Sicherheitschef Jörg Ruppert dazu geführt, dass sich die Zahl der Unfälle seit 2009 (173 Unfälle) bis heute (86) mehr als halbiert hat. Seit 2012 hat sich der Wert bei diesem niedrigen Niveau unter 100 eingependelt. „Wir versuchen viel zu tun dafür, dass nichts passiert“, betont Stefan Käse.

Notausgang: In der Aggregateaufbereitung gibt es nicht nur ein kleines grünes Schild, das auf diesen hinweist, große grüne Farbflächen tun dies ebenfalls, wie Mitarbeiter Benjamin Kunz erläutert.

„Manchmal sind es ganz einfache Sachen“, sagt Hidir Budak, der in der Aggregateaufbereitung arbeitet. So achte man darauf, dass beispielsweise keine Werkzeuge auf dem Boden herumliegen, über die man stolpern könne. Außerdem gehe es um Ergonomie am Arbeitsplatz. „Da legen wir viel Wert drauf“, betont der 47-Jährige aus Kassel.

Transportwagen für Kubelwellen

Kisten und Regale mit Material sollen auf der richtigen Höhe stehen, erläutert Stefan Käse. Häufiges Bücken summiert sich und kann zu Gesundheitsschäden führen. Für die Anlieferung von Kubelwellen - eine wiegt etwa zehn Kilo - habe man jetzt extra einen Transportwagen entworfen, berichtet er. Und Abteilungschef Andreas Kiekel ergänzt: Die Mitarbeiter werden sogar dazu ermuntert, Dinge im Bereich Sicherheit anzusprechen. „Bei uns traut sich jeder, dies auch zu tun.“

DAS SAGT DER SICHERHEITSEXPERTE  

Zwei Schwerpunktthemen nennt Jörg Ruppert, Leiter der Arbeitssicherheit im VW-Werk Kassel in Baunatal, als künftige Aufgaben. „Es geht um die Zusammenarbeit von Mensch und Roboter“, sagt der Sicherheitsingenieur. Dazu solle es spezielle Schulungen im Werk geben. Nach dem tödlichen Unfall mit einem Roboter im vergangenen Jahr sollen vor allem Fremdfirmen noch intensiver geschult werden.

Außerdem steht die Produktion von Elektromotoren im Blick. „Das wird für alle interessant“, sagt Ruppert. Aufgrund der hohen Spannung (418 Volt), gebe es ein besonderes Gefahrenpotenzial. Im Baunataler Werk werden die dort produzierten Motoren auf Prüfständen unter Spannung getestet. Und die Batterien für die E-Autos kommen ins Original-Teile-Center (OTC) als Ersatzteile.

Die starken Magneten der Antriebstechnik könnten sich zudem negativ auswirken etwa auf Herzschrittmacher und andere chirurgisch eingesetzte Metallteile im Körper. 

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