Betriebsversammlung am Standort Kassel: „VW-Werk bleibt VW-Werk“

Baunatal. Mitten in der Abgaskrise verlängert das Volkswagenwerk Kassel in Baunatal die Verträge von 526 Zeitarbeitern um weitere sechs Monate.

Dies gilt für alle bis Ende September auslaufenden Arbeitsverhältnisse. Das sagte am Dienstag Betriebsratschef Carsten Bätzold nach der Betriebsversammlung. Der Grund sei die gute Auftragslage des Werkes. Um weitere 404 Verlängerungen werde noch gerungen.

Eine gute Nachricht für die Region, wären da nicht die Ungewissheiten bei den Zukunftsfragen, die gestern ebenfalls zur Sprache kamen.

Stichwort: Strategie 2025 

Ein Baustein der Zukunftsstrategie 2025 ist die Bündelung der Komponentenwerke innerhalb des Konzerns in eine eigenständige Sparte. Vergangene Woche hat Vorstandschef Matthias Müller die Neuordnung der Komponentenwerke vorgestellt. Die Grundsatzentscheidung darüber sei bereits gefallen, die Details sollen bis Herbst stehen.

Betriebsratschef Bätzold steht dem „Ziel einer konzernweiten Steuerung aller Komponentenwerke“ durchaus positiv gegenüber. Wichtig sei, dass die neue Betriebseinheit eine Konzernmarke sei, bei der die einzelnen Standorte rechtlich in ihren jeweiligen Gesellschaften verbleiben würden. Bätzold: „Ein Volkswagen-Werk bleibt also ein Volkswagen-Werk, und Volkswagen-Beschäftigte bleiben Volkswagen-Beschäftigte.“

Stichwort: Zukunftspakt 

Derzeit werden in den Verhandlungen über den Zukunftspakt viele Themen beraten - insbesondere zur Elektromobilität. So gebe es sinnvolle Vorschläge, wie der Standort den Wandel zu den alternativen Antrieben verstärkt unterstützen könne, sagt Bätzold. Diese könnten auch „eine geeignete Grundlage werden, um Beschäftigung in Kassel langfristig zu sichern“. Inklusive der Leiharbeiter arbeiten im Werk Kassel 17 000 Mitarbeiter.

Dabei ist der Blick in die Zukunft derzeit recht vernebelt - nicht nur aufgrund des Abgasskandals. „Es ist schwer zu sagen, ob die Konzerne beim Thema Auto künftig die Zügel noch in der Hand haben werden, da neue Mobilitäts-Mitbewerber auf den Markt drängen“, gab Werkleiter Thorsten Jablonski zu bedenken.

Künftig gehe es verstärkt um die Frage, was der Kunde will. Welche Getriebearten werden für die E-Antriebe entfallen? Sind es die einfachen Schaltgetriebe, wird die Beschäftigung durch den Mehraufwand bei den E-Antrieben steigen. Sind es aber die komplexeren DSG-Getriebe, sinkt sie. „Aufgrund der Automatisierung wird auch der Ausbau von Industrie 4.0 zu Lasten der Beschäftigung gehen“, so Jablonski.

Stichwort: Sparpaket 

Aufgrund des Abgasskandals tritt der VW-Konzern in den Werken auf die Kostenbremse. 80 Millionen Euro muss das Werk Kassel in diesem Jahr einsparen. Das wird auch gelingen, sagt Jablonski, nur derzeit sei „der Druck deutlich höher.“ Das Werk liege aber gut im Plan. Weitere Schließtage wie im ersten Halbjahr soll es nicht geben.

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