Arbeitszeit auf dem Prüfstand

Volkswagen: Engpass in Produktion - Zuliefererstreit erreicht Werk Kassel

Wolfsburg/Kassel. Beim Autobauer Volkswagen ist ein juristischer Streit mit einem Teilezulieferer derart eskaliert, dass nicht nur das VW-Werk Emden Fertigungprobleme hat, sondern auch die Getriebefertigung im Werk Kassel in Baunatal und in der Folge die Produktion im Stammwerk in Wolfsburg.

Hintergrund ist ein Rechtsstreit mit zwei Unternehmen aus Sachsen: die Car Trim GmbH, die Textil und Leder für das Fahrzeuginnere zuliefert und die ES Automobilguss GmbH. Beide Zulieferer gehören erst seit wenigen Monaten zur Zulieferer-Gruppe Prevent.

Aktualisiert um 21.55 Uhr

In Baunatal versorgt der Zulieferer das Werk nicht mehr mit Gussteilen für Automatikgetriebe, wie ein VW-Sprecher am Mittwochabend bestätigte. Der Lieferant habe die vertraglich vereinbarte Lieferung mit Bauteilen ausgesetzt. Dies führe zu einem Engpass in der Produktion.

Einstweilige Verfügung

Vergangene Woche wurde gerichtlich eine einstweilige Verfügung erlassen, die die Lieferanten zur Wiederaufnahme der Belieferung verpflichten – für die fehlenden Sitzbezüge, aber auch für die Gussteile, die in der Baunataler Getriebfertigung gebraucht werden. Trotz einstweiliger Verfügung kommt der Lieferant dieser Verpflichtung bisher nicht nach, dies bestätigte am Mittwoch ein VW-Sprecher. Da die weitere Entwicklung derzeit nicht absehbar ist, prüfe VW nun die Flexibilisierung der Arbeitszeit. Damit ist in der Regel das Nutzen von Zeitkonten gemeint oder aber, wie in Emden, möglicherweise auch das Beantragen von Kurzarbeit.

Arbeitszeit auf Prüfstand

In Kassel werde derzeit eine „Flexibilisierung der Arbeitszeit“ geprüft. Die fehlenden Teile könnten Auswirkungen auf viele Modellfamilien sowie Standorte haben, die mit Getrieben aus Kassel beliefert werden. Nach unbestätigten Informationen geht es dabei um das Direktschaltgetriebe DQ 250. Ein Volumengetriebe, das in etlichen Fahrzeugmodellen des Konzerns verbaut wird. Bei dem Gussteil der ES Automobilguss geht es um ein simples Gehäuseteil ohne technisches Know-How. Details zur Zahl der betroffenen Mitarbeiter und die zeitliche Dauer waren gestern unklar. Da Kassel auch an das Stammwerk in Wolfsburg liefert, ist dort die Produktion betroffen. Dort laufen die Modelle Golf, Tiguan und Touran vom Band. Am Mittwoch hieß es, dass in Wolfsburg „nur Teilbereiche der Produktion“ betroffen seien.

Die Zulieferer

Die Zulieferfirmen sind Schwesterunternehmen und gehören beide zur Prevent-Gruppe mit Sitz in Wolfsburg. Seitens der Zulieferer war keine Stellungnahme zu erhalten. Auch nicht von den Anwälten der Münchner Kanzlei, die die Unternehmen im Rechtsstreit vertreten.

Ein Sprecher des Landgerichts Braunschweig hatte am Dienstag gegenüber unserer Zeitung erläutert, dass gegen die einstweilige Verfügung gegen den Zulieferer eine Berufung vor dem Oberlandesgericht möglich sei.

Rubriklistenbild: © dpa

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