Entlassungen sind "kein Thema"

VW-Werk Kassel in Baunatal verlängert 950 Leiharbeiter-Verträge

Baunatal. Entlassungen im VW-Werk Kassel sind derzeit kein Thema – im Gegenteil. Der Wolfsburger Autokonzern verlängert die Verträge von insgesamt 950 Leiharbeitern am Standort Baunatal (Landkreis Kassel) um weitere sechs Monate.

Diese Stellen verteilen sich über alle Bereiche im Werk. Das bestätigte gestern Werkssprecher Heiko Hillwig. Dabei gehe es um alle Leiharbeitsverträge, die zwischen Januar und Juni diesen Jahres ausgelaufen wären. Im günstigsten Fall können Einzelne nun bis zum Ende des Jahres durcharbeiten.

Aktualisiert um 19.58 Uhr

„Beschäftigungssicherung hört bei Leiharbeit nicht auf“, betonte gestern der Baunataler VW-Betriebsratschef Carsten Bätzold. Möglich werde diese Verlängerung, weil seit geraumer Zeit die Mehrarbeit nicht mehr in Geld, sondern in Freizeit abgegolten wird. Dadurch entstehen in der laufenden Produktion Lücken, die mit Leiharbeitern aufgefüllt werden. Bätzold lobte diese „mutige Entscheidung des Werksmanagements“. Seit vergangenen Sommer wird dieses Arbeitsmodell am Standort Baunatal erprobt. Die aktuelle Verlängerung der Leiharbeiterverträge sei nun ein Beleg dafür, dass es funktioniert. Aber, schränkt Bätzold ein, danach sei alles weitere „abhängig von der Nachfrage“. Der Standort profitiert dabei davon, dass er Konzernlieferant sei. Das heißt, dass er nicht nur für die Marke Volkswagen produziert, sondern in geringerem Umfang auch für Audi und Porsche.

Zuvor hatte ein Medienbericht des Manager Magazins für reichlich Wirbel gesorgt. Das Manager Magazin berichtete, der Autobauer wolle seinen Sparkurs noch verschärfen. Damit stünden „weit mehr als 10 000“ Arbeitsplätze auf dem Spiel. Schon bis zur Jahresmitte wolle das VW-Management bei der ertragsschwachen Pkw-Kernmarke massiv an die Jobs heran. Der Konzern teilte dazu mit: „Wir weisen diese Meldung strikt zurück. Wir stehen fest zu unserer Stammbelegschaft.“

Auch VW-Betriebsratschef Bernd Osterloh zog eine rote Linie: Voraussetzung für Teamwork beim gewünschten Sparkurs sei „die Garantie des Unternehmens, dass die Beschäftigung sicher ist und bleibt“. Bei der Volkswagen-Mutter haben rund 120 000 Menschen einen Haustarifvertrag – 16.000 von ihnen im Werk Kassel. Es gilt eine Beschäftigungssicherung, die sich bisher automatisch verlängert. Theoretisch könnte sie von der Arbeitgeberseite innerhalb bestimmter Fristen gekündigt werden.

Werner im EU-Auschuss zur VW-Affäre

Das Europäische Parlament in Straßburg hat gestern die 45 Mitglieder des Untersuchungsausschusses für die VW-Abgasaffäre gewählt. Dem Ausschuss gehören die deutschen EU-Abgeordneten Rebecca Harms (Grüne), Ismail Ertug (SPD) und Sven Schulze (CDU) sowie als stellvertretendes Mitglied die Abgeordnete Martina Werner (SPD) aus Nordhessen an. Der EU-Untersuchungsausschuss soll bis zum Sommer einen Zwischenbericht zur politischen Dimension des Abgasskandals vorlegen. Dabei soll möglichen Verstößen der Autoindustrie gegen EU-Recht ebenso nachgegangen werden wie möglichen Versäumnissen der EU-Kommission und der Mitgliedstaaten.

Der Abschlussbericht soll spätestens Anfang 2017 vorliegen.

Rubriklistenbild: © AFP

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