Wahlkämpfer bevorzugt das Florett

Grünen-Spitzenkandidat Tarek al-Wazir warb für einen Regierungswechsel

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Grüne zeigten Flagge: Edwin Borschel (links) empfing Tarek al-Wazir mit Sonnenblumen und naturtrübem Apfelsaft.

Schauenburg. Rund 60 Parteimitglieder, Sympathisanten und Beobachter vom befreundeten politischen Mitbewerber SPD sind in den Gesellschaftsraum der Schauenburg-Halle gekommen, um den Grünen-Spitzenkandidat für die Landtagswahl zu hören.

Doch erst tritt Edwin Borschel, der Chef der Baunataler Grünen, ans Pult, der sich Rückenwind für seinen Wahlkampf erhofft.

Er hängt für Al-Wazir die Latte hoch. „Ein guter Redner ist der, wer schon in der ersten Minute die Aufmerksamkeit seiner Zuhörer gewinnt“, sagt Borschel.

Danach sieht der Grünen-Spitzenmann aus Südhessen nicht aus. Al-Wazir blickt versonnen vor sich auf den Tisch, er wirkt trotz des sorgfältig zurückgekämmten Haars und des tadellos sitzenden blauen Jacketts angeschlagen. Bamberg, Offenbach, Wiesbaden und dann noch Schauenburg. Der Tag hatte es in sich. „Ich hoffe, dass meine Stimme durchhält“, sagt der 42-Jährige.

Mit Armen und Händen

Doch als der Landtagsabgeordnete aus Offenbach ans Rednerpult tritt, kommt er schnell in Fahrt, Arme und Hände unterstreichen die Argumente. Die Energiewende? Die werde von der CDU/FDP-Regierung planmäßig torpediert, Hessen sei bei den Flächenländern des Bundes beim Ausbau der Energiewende auf dem letzten Platz angelangt. Ganztagsbetreuung für Grundschüler? Da biete die Landesregierung nur eine Mogelpackung. Für den Flughafen Calden hat Al-Wazir nur ein müdes Lächeln. Für 271 Millionen Euro gebe es jetzt ganze zwei Flüge pro Woche. „Dafür könnte man jeden Passagier mit der Sänfte nach Paderborn (dem Konkurrenzflughafen) tragen“, sagt er.

Freie Rede

Al-Wazir redet frei und schnörkellos, stellt sich den Fragen der Zuhörer, weicht nicht aus. Diese merken schnell, dass die Dampfhammer-Methode nicht der Wahlkampfstil dieses Grünen ist. Al-Wazir kämpft lieber mit dem Florett. Die CDU-geführte Regierung habe ja schon viele Millionen nach Nordhessen gepumpt, sagt er. Doch ihre Infrastrukturpolitik gehöre ins vergangene Jahrhundert. Die Zeit sei reif für die Grünen auf der Regierungsbank.

Von Peter Dilling

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