Windkraft: Es hängt noch an den Vögeln

Noch sind die Vorrangflächen für Windkraftanlagen im Teilregionalplan Energie nicht grenzscharf festgelegt. Sie orientieren sich jedoch an den bereits bekannten Arealen – wie hier im Bild der Rohrberg nördlich von Hirschhagen in Hessisch Lichtenau. Foto: Städtische Werke/nh

Kreis Kassel. Der Teilregionalplan Energie, der sich mit dem Ausbau der Windenergie in Nordhessen befasst, nähert sich seiner Festlegung.

Am Freitag kam der Haupt- und Planungsausschuss der Regionalversammlung im Regierungspräsidium Kassel zusammen, um über weitere Details zu diskutieren. Hierzu Fragen und Antworten:

Stehen die Gebiete für den Bau von Windrädern (Vorrangflächen) schon fest? 

„Nein“, sagt Regionalplanerin Susanne Linnenweber. Vor allem mit Blick auf den Vogelschutz gebe es noch Klärungsbedarf. Erst am 11. Juli stelle das RP die Vorrangflächen für Windkraftanlagen (Flächenkulisse) vor. „Die Bereiche werden jedoch nicht stark von den im Zuge der Offenlegungen bereits bekannt gewordenen Arealen abweichen“, sagt Linnenweber. Endgültig entscheiden werde erst die Regionalversammlung am 5. September.

Wenn die Vorrangflächen feststehen, was passiert mit all den Anlagen, die dann nicht innerhalb dieser Bereiche liegen? 

Diese Anlagen müssen, haben sie abgewirtschaftet, abgerissen werden. Weder ein Neubau noch die Aufrüstung einer solchen Windkraftanlage ist dann möglich.

Inwieweit hatten die Kommunen ein Mitspracherecht bei den Planungen? 

Die Planungshoheit für den Teilregionalplan Energie liegt „im Sinne der Umsetzung des regionalpolitischen Willens“, so der RP-Jurist Markus Schäfer, beim RP. Dennoch berücksichtigt die Behörde bereits vorhandene Flächennutzungs- und Bebauungspläne der Kommunen. „Auf der anderen Seite berücksichtigen Kommunen bei ihren Vorhaben zuvor ja auch den Regionalplan.“

Spielt der Vogelschutz bei den Regionalplanungen eine Rolle?

„Ja, eine große“, sagt Linnenweber. Mit Blick auf das sogenannte Avifauna-Konzept würden noch Hinweise und Anregungen von Bürgern und Naturschutzverbänden in die Planungen miteinbezogen. Dennoch gibt es Kritik: „Die Prüfung artenschutzrechtlicher Belange erfolgte bisher nach veralteten Kriterien“, sagt Gabriele Niehaus-Uebel, Vorsitzende der Bürgerinitiative Oberweser-Bramwald.

Und wie sieht es beim Grundwasserschutz aus? 

Trinkwasser- und Heilquellenschutzgebiete sind weiterhin tabu für Windkraft-Vorrangflächen (Schutzzone I). Erst ab 50 bis etwa 500 Metern Entfernung von der Quelle (Schutzzone II) kommt es zu Einzelfallbetrachtungen. „Ausnahmegenehmigungen sind hier jedoch faktisch nicht zu erwarten“, sagt die Regionalplanerin Karin Potthoff.

Wie nah dürfen Windräder an Siedlungen gebaut werden? 

„Der Mindestabstand beträgt 1000 Meter bei geschlossenen Ortschaften“, sagt Potthoff. Überlegungen, den Mindestabstand von 600 auf 1000 Meter auch bei Einzelgebäuden und Streusiedlungen auszuweiten, seien verworfen worden. „Hätten wir das gemacht, wäre die Richtgröße von zwei Prozent für Windkraftflächen auf 1,6 Prozent zusammengeschrumpft.“

Wird bei der Festlegung von Windkraft-Vorrangflächen der Tourismus berücksichtigt? 

„Nein“, sagt Potthoff. Tourismus habe zu viele Facetten, als dass planerisch darauf sinnvoll eingegangen werden könnte. „Weder gibt es breit angelegte Tourismus-Konzepte auf Landes- oder Regionalebene, noch macht der Landesentwicklungsplan dazu Vorgaben.“ Berücksichtigung hätten jedoch Belange des ruhigen Tourismus gefunden.

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