Windparks: Größere Abstände zu Wohngebieten gefordert

Direkte Nachbarschaft: So sehen die Einwohner von Vollmarshausen die 196 Meter hohen Anlagen im neuen Windpark in der nahe gelegenen Söhre. Foto: privat / nh

Kreis Kassel. 30 Vertreter von Bürgerinitiativen aus Nord- und Osthessen hatten jetzt im Regierungspräsidium Kassel Gelegenheit, ihre Einwände gegen die Ausweitung der Windstandorte vorzubringen.

15.000 Menschen aus der Region haben im vergangenen Jahr zur Planung für Windkraftanlagen Stellung genommen. Jetzt erhielten die Vertreter von knapp 30 Bürgerinitiativen aus Nord- und Osthessen Gelegenheit, zentrale Aspekte ihrer schriftlichen Einwände Mitgliedern der Regionalversammlung mündlich vorzutragen.

Der Teilregionalplan sieht vor, 16.500 Hektar als Vorranggebiete für die Windenergie auszuweisen. Eine herausgehobene Rolle kommt Waldgebieten mit hohen Windgeschwindigkeiten zu. Mit einer mehr als siebenfachen Vergrößerung der Nutzungsfläche entspricht die Planung den Empfehlungen des hessischen Energiegipfels.

Während der Vortragsveranstaltung im voll besetzten großen Sitzungssaal des Kasseler Regierungspräsidiums stellte niemand die Energiewende infrage, aber der Widerstand gegen das offengelegte neue regionalplanerische Windenergie-Konzept ist beachtlich. Besonders kritisiert wurde, dass die Planung den Menschen zu wenig berücksichtige.

„Zahlen nicht belastbar“

Dr. Detlef Ahlborn (Bürgerinitiative Pro Hirschberg und Kaufunger Wald) bezeichnete die Windkraft als „gigantische Verschwendung von Ressourcen“. Mit jeder neuen Anlage erhöhe man die Spitzenwerte der Stromproduktion, ohne über Speichereinrichtungen zu verfügen, sagte er. Er habe den dringenden Verdacht, so Dr. Ahlborn weiter, dass die Zahlen über eine Vollauslastung von Windrädern der 3-MW-Klasse in Nordhessen nicht belastbar seien.

Für die „Interessengemeinschaft Lebenswerte Gemeinde Helsa“ kritisierte ihr Sprecher Ralf Schwendt die Ausweisung von bis zu 28 Windrädern auf den Höhenzügen rund um seine Gemeinde. Schwendt forderte ein „Umzingelungsverbot“, um die soziale Belastung der Einwohner zu mildern und einer Vergreisung der betroffenen Dörfer entgegenzuwirken.

Elke Schulten (Bürgerinitiative Pro Reinhardswald) forderte eine Vergrößerung des Mindestabstandes zu Siedlungen auf 3000 Meter (bisher 1000 Meter). Die BI-Sprecherin kritisierte, dass allein im Reinhardswald bis zu 100 Windräder aufgestellt werden könnten. Das sorge für eine Ungleichheit in der Region, zumal davon meist Gemeinden mit wenig Infrastruktur betroffen seien.

Das Landschaftsbild müsse bei der Standortbewertung wesentlich mehr berücksichtigt werden, forderte Bernhard Klug (Trendelburg). Der Vorsitzende der Schutzgemeinschaft Deutscher Wald sprach sich für fundierte Einzeluntersuchungen zum Schutz windkraftempfindlicher Vogelarten und für eine Umkehr der Beweislast bei Windkraftflächen im Wald aus.

Heidi Rettberg (Nabu Werra-Meißner-Kreis) forderte, bei allen Ausweisungen das Naturschutzgesetz und die EU-Richtlinien zu beachten.

„Wir wollen Ihnen Gehör schenken, um zu einem besseren Verständnis von Positionen und Argumenten zu kommen“, sagte der Vorsitzende der Regionalversammlung Horst Hannich, der die Veranstaltung in Anwesenheit von Regierungspräsident Dr. Walter Lübcke eröffnet hatte.

Von Hans-Peter Wohlgehagen

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