Zahl der Schwerbehinderten im Landkreis Kassel steigt

Behinderte im Arbeitsleben: Im Landkreis Kassel sind im Mai 452 Menschen mit Schwerbehinderung arbeitslos gemeldet gewesen. Archivfoto:  dpa

Kreis Kassel. Die Zahl der Schwerbehinderten im Landkreis Kassel steigt: Ende 2015 hatten 24 353 Menschen einen Schwerbehindertenausweis, teilt die Krankenkasse IKK Classic mit und bezieht sich auf Zahlen des Statistischen Landesamtes.

Im Vergleich zu 2014 ist die Zahl um 1,6 Prozent gestiegen, im Jahr 2005 lag sie gar 7,7 Prozent unter dem aktuellen Wert. Gestiegen ist auch die Akzeptanz in der Bevölkerung, sagt Oberst a.D. Jürgen Damm, Präsident der Aktion für behinderte Menschen Hessen.

„In Baunatal sind die baulichen Voraussetzungen gut“, sagt Dierk Koch, Vorsitzender des Behindertenbeirats in der VW-Stadt. Als Behinderter könne man sich in der Stadt gut bewegen. „Das ist nicht in allen Kommunen so.“

Dennoch gibt es „einige Punkte, an denen nachgebessert werden muss“. Die Haltestelle am Ratio sei seit Jahren Thema, nennt Koch ein Beispiel. Die sei für Menschen mit Behinderung ungeeignet, in einigen Geschäften in der Innenstadt würden außerdem noch Stufen zu Geschäften führen.

Von rund 28 000 Einwohnern in Baunatal hätten einige tausend einen Schwerbehindertenausweis, „doch ein Großteil sieht sich nicht als schwerbehindert an“, sagt Dierk Koch. Viele hätten Hemmungen zu sagen, dass sie behindert seien.

„Für die Akzeptanz wird viel getan“, sagt Oberst a.D. Jürgen Damm aus Bad Arolsen (Waldeck-Frankenberg). „Das Thema ist präsent.“ Festgestellt hat er aber, dass die Flüchtlinge in Konkurrenz zu behinderten Menschen geraten sind. Viele würden sich in einem Bereich engagieren, dafür in dem anderen (nicht) mehr.

In den Städten und Gemeinden der Region werde viel gemacht für Behinderte, sagt Damm. Vor allem eins muss sich aus seiner Sicht aber noch ändern: Die Behindertenbeauftragten müssten außerhalb der Verwaltung arbeiten, sagt er. „Das muss jemand Unabhängiges machen.“ Insgesamt seien aber alle Kommunen auf dem richtigen Weg, sagt Damm. „Er wird aber mit unterschiedlichen Mitteln und unterschiedlicher Intensität angegangen.“

623 236 Menschen waren Ende 2015 in Hessen schwerbehindert, teilt Gerd Fischer, Pressereferent des Sozialverbands VdK Hessen-Thüringen mit. Zum Vergleich: Knapp 603 000 waren es Ende 2012 im Bundesland.

Arbeitslos gemeldet waren im Mai 2016 insgesamt 12 936 Menschen mit Schwerbehinderung in Hessen. Im Mai 2011 waren es noch 13 440 Personen. Im Landkreis sind aktuell 452 Menschen mit einem Behinderungsgrad von mindestens 50 Prozent registriert. Das, so sagt Silke Sennhenn, Sprecherin der Agentur für Arbeit Kassel, müssen aber nicht alle Schwerbehinderten sein. Gemeldet seien nur Personen, die für den Arbeitsmarkt zur Verfügung stehen. Wer als Schwerbehinderter „einen Abschluss und eine Ausbildung hat, hat gute Chancen auf dem Arbeitsmarkt“.

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