Landwirte aus der Region: Können auf Subventionen nicht verzichten

EU zahlte Bauern 18 Millionen: Empfänger im Internet einsehbar

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Ohne EU-Agrarhilfe keine Chance: Viele Bauern aus dem Landkreis Kassel sind auf das Geld aus Brüssel angewiesen. Unser Foto zeigt einen Mähdrescher bei der Gerste-Ernte.

Kreis Kassel. Die Bundesanstalt für Landwirtschaft hat eine Datenbank veröffentlicht, die darüber informiert, in welcher Höhe Landwirte Subventionen aus Brüssel erhalten.

Wir haben uns die Empfänger im Kreis Kassel näher angeschaut.

Rund 18 Millionen Euro an EU-Agrarhilfe sind im vergangenen Jahr in den Kreis Kassel geflossen. Begünstigt wurden vor allem Landwirte, aber auch Firmen, Behörden und Vereine, die Geld aus den Agrar-Fördertöpfen beantragt hatten.

Die einzelnen Namen der Zahlungsempfänger sowie die jeweiligen Geldbeträge muss die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung nach einer EU-Verordnung seit dem vergangenen Jahr regelmäßig veröffentlichen. Zuvor waren die Daten jahrelang geheim gehalten worden.

Während der Landkreis Kassel laut Sprecher Harald Kühlborn die Offenlegung der Zahlungen befürwortet, übt der Kreisbauernverband (KBV) Kritik. „Natürlich hat der Bürger Anspruch auf Transparenz“, sagt Geschäftsführer Reinhard Schulte-Ebbert. „Wir würden es aber begrüßen, wenn die Geldbeträge nur auf Gemeindeebene veröffentlicht würden.“ Schulte-Ebbert befürchtet, dass die Veröffentlichung der Einzelnamen eine Neiddebatte in den Kommunen entfachen könnte.

Fest steht: Viele landwirtschaftliche Betriebe sind auf die Subventionszahlungen angewiesen. „Angesichts der zahlreichen Umweltauflagen, der teils stark schwankenden Marktpreise und Witterungseinflüsse halten wir es derzeit nicht für realistisch, auf die Förderungen zu verzichten“, sagt Schulte-Ebbert. Das Geld sei mittlerweile zu einem großen Einkommensbestandteil der Landwirte geworden und gewährleiste, dass bestimmte Produkte zu einen konkurrenzfähigen Preis produziert würden.

Unter den 29 Städten und Gemeinden im Kreis Kassel floss das meiste Geld nach Hofgeismar (1,76 Millionen Euro), Wolfhagen (1,54 Mio.) und Grebenstein. Landwirte in Nieste (31 000 Euro) und Helsa (47 000 Euro) beantragten insgesamt am wenigsten Geld. Lediglich für die Gemeinde Wahlsburg an der hessisch-niedersächsischen Grenze sind keine Zahlungen erfasst.

In der öffentlich einsehbaren Datenbank sind nur Zahlungen ab 1250 Euro vermerkt. Sogenannte Kleinstempfänger, die weniger Geld beantragt haben, tauchen in der Statistik nicht auf.

Das sagen die Zahlen aus

Wer wissen möchte, welcher Landwirt wie viel Geld aus Brüssel erhält, erfährt Namen und Geldbeträge direkt aus der Datenbank. Aussagekräftig sind die Zahlen aber nur bedingt. Wer eine hohe Fördersumme einstreicht, ist nicht unbedingt ein reicher Bauer. Auch verraten die Geldbeträge nichts über gute oder schlechte Betriebsführung. Vielmehr berechnen sich die Subventionen nach der Größe des Hofes und orientieren sich an Investitionen und Naturschutzleistungen

Auch eine Musikschule und Behörden erhielten Geld

Geld aus der EU-Agrarhilfe erhalten nicht nur Landwirte. Grund dafür sind Fördertöpfe, aus denen auch Projekte finanziert werden, die nicht klassisch der Landwirtschaft zuzuordnen sind. Unter den Begünstigten finden sich so auch Behörden, Vereine und andere Institutionen wieder. Ein Überblick über Zahlungsempfänger aus Stadt und Kreis Kassel.

• Rund 139.000 Euro erhält der Landkreis Kassel aus dem Regionalentwicklungsprogramm Leader. Das Geld fließt unter anderem in den Umbau der Gaststätte Hessenkrug zu einer Bürgerbegegnungsstätte in Wolfhagen-Viesebeck, in einen seniorengerechten Fitnessraum in Lohfelden, in einen Kultursaal in Söhrewald-Eiterhagen und den Umbau eines Raumes unter der Kaiserempore in der Stiftskirche Oberkaufungen.

• Der Verband Christlicher Pfadfinderinnen und Pfadfinder mit Hauptsitz in Kassel hat 116.000 Euro für den Ausbau des Bundeszeltplatzes in Großzerlang (Brandenburg) beantragt.

• Die Musikschule Vellmar bekommt 100.000 Euro für den Um- und Neubau aus dem Leader-Programm.

• Auch das Regionalmanagement Nordhessen in Kassel findet sich in der Förderliste wieder. Rund 55.000 Euro flossen zur Förderung des Fremdenverkehrs für den Fuldaradweg.

• Die Baunataler Diakonie Kassel erhält 42.000 Euro für ihr Hofgut in Hofgeismar, einen Standort der Hofgeismarer Werkstätten.

• Der Gemeindevorstand der Gemeinde Ahnatal hat 14.400 Euro für den neun Kilometer langen Eco-Pfad Ahne zwischen Ahnatal und Vellmar beantragt. Das Geld stammt aus einem Fördertopf für die Entwicklung des ländlichen Raumes.

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