Auch Autobahn 7 betroffen

Straßenzustand: Schlecht in Hessen, gut in Niedersachsen

Niestetal/Staufenberg. Ein Fall von Kleinstaaterei? Wer die Landesgrenze zwischen Hessen und Niedersachsen passiert, der mag sich über die scharfe Linie quer über Straßen wundern, die vom Landkreis Kassel in den Kreis Göttingen führen. Je nach Bundesland ist der Zustand der Straße sehr unterschiedlich. 

Nehmen die Niedersachsen mehr Geld in die Hand, um ihre Straßen in Schuss zu halten? Nein, meint Harald Rehbein, Sprecher des Kasseler Amts für Straßen- und Verkehrswesen (ASV), das für den Unterhalt von Autobahnen, Bundes- und Landesstraßen in Nordhessen zuständig ist. Als „reinen Zufall“ beschreibt der Straßenexperte die Situation an den zwei Straßen bei Niestetal, die nur wenige Hundert Meter auseinanderliegen.

Beispiel 1: Hannoversche Straße. Die Landesstraße führt von Niestetal nach Staufenberg. Hinter Sandershausen fährt man auf einer vielfach geflickten Holperstrecke mit Schlaglöchern, Erhebungen und Absenkungen in Richtung Norden. Ein Warnschild weist auf die schlechte Wegstrecke hin – die Stoßdämpfer ächzen, der Fahrer hüpft auf seinem Sitz hin und her. Dann ein Schnitt quer über die Fahrbahn: Von nun an gleitet das Auto sanft dahin, auf neuem Asphalt, der gleichmäßig die Oberfläche bedeckt.

Beispiel 2: Autobahn 7 von Göttingen nach Kassel. Wer von Norden kommt, fährt völlig ruhig auf der hervorragend ausgebauten Autobahn gen Süden. Doch ab der Landesgrenze nach Hessen beginnt es wieder kräftig zu holpern.

Hinten Niedersachsen, vorne Hessen: Auf der A7 ist der Straßenzustand je nach Bundesland sehr unterschiedlich. Foto: Schindler/Montage:rpp

Hat Hessen denn kein Geld für seine Straßen? Doch, meint Rehbein. Aber alle Straßen würden in einem gewissen Turnus instandgesetzt, meist nach fünf bis sechs Jahren. Hessen habe vor fünf Jahren an der A 7 die Fahrbahn erneuert, seither wurde sie – naturgemäß – beständig schlechter. Niedersachsen dagegen hat erst vor einem halben Jahr die Südfahrbahn an der Landesgrenze erneuert. Gibt es denn keine abgestimmte Sanierung? Nein, sagt Rehbein, die gebe es nicht. Man informiere sich aber gegenseitig über die geplanten Arbeiten, um Riesenbaustellen zu vermeiden. Für eine Sanierung sei neben der Verkehrsbelastung und den Finanzierungsmöglichkeiten vor allem der Zustand einer Straße maßgeblich. „Es wird immer unterschiedliche Qualitäten geben, weil immer die schlechtesten Abschnitte erneuert werden.“

Die Kriterien des Bundes seien dabei überall gleich. Das bestätigt Udo Othmer, als Amtsleiter in Bad Gandersheim für die Straßen in Südniedersachsen verantwortlich. „Die Kriterien sind gleich, aber es gibt unterschiedliche Landesprogramme“, fügt er hinzu. Daher sei er sehr froh, dass die A 7 von Drammetal bis zur Landesgrenze in wenigen Tagen vollständig erneuert sein wird. Davor sei das Bild ein ganz anderes gewesen: „Da war auf unserer Seite die Straße in sehr schlechtem Zustand.“

Von Holger Schindler

Hintergrund: A 7 wird 2012 bis Kassel-Nord saniert

Auch auf Landesstraßen zeigt sich der Unterschied zwischen Niedersachsen und Hessen.

Die A 7 wird ab kommendem Frühjahr in Südrichtung von der hessischen Landesgrenze bis zur Anschlussstelle Kassel-Nord saniert, als Termin nennt das Straßenverkehrsamt (ASV) den Zeitraum zwischen Ostern und Herbst 2012. Auch die Landesstraße zwischen Niestetal und Staufenberg soll erneuert werden, hier gibt es aber noch keinen Termin. „Der Straßenzustand ist sehr schlecht“, meint ASV-Sprecher Reinhold Rehbein. Aber weil die Straße durch ein Wasserschutzgebiet führt, gelten hohe Anforderungen. Das Wasser von der Straße dürfe nicht versickern, ein Regenrückhaltebecken mit Schadstoffabsetzung müsse daher gebaut werden. Die Planung dafür sei im Gange, sagt Rehbein. Anfang 2012 würden die Ergebnisse der wassertechnischen Berechnung vorgestellt. (hog)