Mehr tatverdächtige Ausländer, weniger Sexualdelikte

Kriminalstatistik Nordhessen: Hälfte der Straftaten sind Diebstähle und Einbrüche

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Kassel. Laut Kriminalstatistik machen Diebstahls- und Einbruchsdelikte fast die Hälfte aller Straftaten in der Region aus (48 Prozent).

Wohnungseinbrüche

Einbrecher treiben dabei vor allem in der Stadt Kassel ihr Unwesen: Etwa die Hälfte aller Einbrüche im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen wird in Kassel verübt. Mit 805 registrierten Fällen (Vorjahr: 524) gab es im Stadtgebiet im vergangenen Jahr einen drastischen Anstieg. Mit eingerechnet allerdings auch die 334 Fälle, wo der Einbruch scheiterte. Das entspricht 41 Prozent.

Im Landkreis ging die Zahl der Wohnungseinbrüche hingegen leicht zurück auf 382 Fälle (minus 37).

Einen weiteren Artikel zur Kriminalstatistik lesen Sie hier.

Die Aufklärung von Einbrüchen sei oftmals schwierig, sagte Polizeipräsident Konrad Stelzenbach. Insbesondere, wenn überregional agierende Tätergruppen dahinterstecken, die nach den Taten weiterziehen. Dafür gelang den Ermittlern im Sommer die Festnahme eines 53-Jährigen aus dem Landkreis, der in den vergangenen Jahren mehrere Hundert Taten vor allem im Stadtgebiet verübt hat – und das zumeist am helllichten Tag.

Insgesamt konnten 25,2 Prozent aller Einbrüche in der Stadt aufgeklärt werden. Im Landkreis betrug die Aufklärungsquote immerhin 40 Prozent. Dort sei die Aufmerksamkeit in der Nachbarschaft oft noch höher – und Verdächtige fielen schneller auf, sagte Uwe Papenfuß, Leiter des Abteilungsstabs Einsatz.

Er rief die Bevölkerung zu erhöhter Aufmerksamkeit auf. Wer etwas Verdächtiges bemerke, soll sich nicht scheuen, die Polizei zu rufen. Zudem könnten Haus- und Wohnungsbesitzer selbst viel dazu beitragen, um Einbrechern das Handwerk zu legen: indem sie an Fenstern und Türen entsprechende Sicherungen einbauen. Die Polizei bietet kostenlose Beratung zu dem Thema an.

Ladendiebstähle

Die Zahl der Ladendiebstähle ist in Kassel spürbar gestiegen auf 1897 Fälle (plus 101). Das entspricht einem Anstieg von 5,6 Prozent. Die meisten Täter hatten jedoch nicht lange Freude an ihrer Beute: Fast 97 Prozent aller Fälle wurden aufgeklärt. Im Landkreis gab es 305 Ladendiebstähle, nur sechs mehr als im Vorjahr.

Straftaten im Landkreis Kassel

Die vermehrten Fälle seien zum Teil auch auf Flüchtlinge zurückzuführen, sagte Polizeidirektor Papenfuß. So stieg beispielsweise in Calden, wo im Sommer die große Erstaufnahme für Flüchtlinge eingerichtet wurde, die Zahl der Ladendiebstähle von einem Fall im Vorjahr auf nun 23. Die Tendenz sei dort aber abnehmend. Der Umgang mit frei ausliegender Ware sei auch ein „Lernfeld“ für Menschen aus anderen Kulturen, sagte Papenfuß. Auch als die DDR-Bürger nach der Grenzöffnung in den Westen kamen, habe es zunächst einen Anstieg der Diebstähle gegeben, gibt er zu bedenken.

Autodiebstähle

162 Autos sind im Bereich des Polizeipräsidiums Nordhessen im vergangenen Jahr gestohlen worden - davon 62 in der Stadt Kassel und 51 im Landkreis. Damit sind die Fallzahlen im Vergleich zum Vorjahr um 13 Prozent gesunken. Gut jeder fünfte Fall wurde aufgeklärt. Meist stecken professionelle Banden dahinter, die es auf hochwertige Fahrzeuge abgesehen haben.

Zwei Obdachlose getötet – Zahl der Sexualdelikte ging zurück

Zwei Menschen wurden im vergangenen Jahr in Kassel getötet - in beiden Fällen kamen die Opfer aus dem Obdachlosenmilieu. Im Mai war die Leiche von Monika S. am Fuldaufer im Stadtteil Wesertor gefunden worden, im November wurde der wohnungslose Peter J. an der Elisabeth-Knipping-Schule in der Nordstadt getötet. Weil die beiden Sonderkommissionen noch ermitteln, schlagen sich die Fälle allerdings noch nicht in der Kriminalstatistik 2015 nieder. Die Delikte werden immer in dem Jahr erfasst, in dem die Ermittlungen abgeschlossen sind. Deshalb taucht der Fall Mehtap Savasci in der Jahresstatistik 2015 auf - obwohl die 40-jährige Kasselerin bereits im Oktober 2014 von ihrem Bruder ermordet worden war. Er wurde inzwischen zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Sexualdelikte Nach den Vorfällen von Köln in der Silvesternacht ist die Angst vor sexuellen Übergriffen auf Frauen gewachsen. In Nordhessen ist die Zahl der Sexualdelikte im vergangenen Jahr deutlich zurückgegangen. Dazu zählen Vergewaltigung, sexuelle Nötigung, sexueller Missbrauch von Kindern und Exhibitionismus. In der Stadt wurden 139 Sexualdelikte angezeigt, 35 weniger als im Vorjahr (minus 20 Prozent). Allerdings blieb die Zahl der angezeigten Vergewaltigungen stabil bei 30 Fällen. Die Aufklärungsquote betrug 72,7 Prozent. Im Landkreis wurden 84 Sexualdelikte angezeigt, sieben weniger als im Vorjahr. Aufklärungsquote: 86,9 Prozent.

Raub Rückläufig ist auch die Zahl der Raubüberfälle. Sie sank in Kassel um 22 auf 203 Fälle (minus 9,8 Prozent). Darunter waren sieben Tankstellenüberfälle. Im Bereich Straßenraub ging die Zahl der Fälle um 15 auf 95 Delikte zurück. Im Landkreis fiel der positive Trend noch deutlicher aus: Mit 42 Raubüberfällen gab es 13 weniger als im Vorjahr (minus 23,6 Prozent).

Mehr tatverdächtige Ausländer

Wie viele der Flüchtlinge, die hierher kommen, begehen Straftaten? Diese Frage stellen sich viele Menschen. In ihrer Statistik für 2015 hat die Polizei noch keine verlässlichen Daten dazu. Erst seit Januar wird bei Straftaten genau erfasst, welchen Aufenthaltsstatus ausländische Tatverdächtige haben.

Anhand der - allerdings nicht vollständigen - Angaben, die 2015 in die Statistik einflossen, lässt sich dennoch ein Trend ablesen: Die Zahl tatverdächtiger Nicht-EU-Zuwanderer hat sich im Bereich des PP Nordhessen mehr als verdoppelt auf 1352. Dabei dominieren algerische und albanische Tatverdächtige (je 171), gefolgt von Afghanen (91) und Syrern (80). Berücksichtigt wurden nur aufgeklärte Straftaten.

Insgesamt waren von den 18 583 Tatverdächtigen, die 2015 registriert wurden, 4864 Ausländer. Das entspricht 26,2 Prozent. Im Vorjahr betrug der Anteil 22 Prozent. Die größte Gruppe waren Türken (523).

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