Eiterfeld-Reckrod als Zwischenlager im Gespräch

Untertage-Lager im Gespräch: K+S-Lauge in Erdgaskaverne?

Kassel. Wenn 2016 ein trockenes Jahr wird, dann hat der Kasseler Düngerkonzern K+S ein Problem von 2,7 Millionen Kubikmetern – grob das Volumen der Cheops-Pyramide.

So groß wäre die Menge stark salzhaltiger Abwässer im Werra-Kalirevier, für die rechnerisch noch Abnehmer gesucht werden. Als Zwischenlager ist jetzt Hessens einziges Untertage-Erdgaslager in Eiterfeld-Reckrod im Gespräch.

Bei den 100 Jahre alten Entsorgungswegen von K+S hakt es: Regenmangel begrenzt die Abwassermenge, die aus Fabriken und von Abraumhalden direkt in die Werra darf. Um Risiken für Grund- und Trinkwasser einzuhegen, hat das Regierungspräsidium Kassel zudem die Versenkung in tiefe poröse Gesteinsschichten für 2016 scharf auf 725 000 Kubikmeter begrenzt. Bis zu 3,9 Millionen wollte K+S gern haben.

Unter der Erde: Schnitt durch eine Gaskaverne. Die Lager in Reckrod sind über 200 Meter hoch und bis zu 70 Meter breit.

Mehrfach wurde die Produktion gestoppt. Dass Abwasser nun mit Tank-Lkw und Zügen „im Umfeld der Standorte temporär entsorgt“ werden soll, gab K+S im Juni mit einer Gewinnwarnung bekannt. Gespräche mit der Gas-Union, die dieKavernen in Reckrod betreibt, seien ganz frisch, hieß es gestern: „Beide Häuser prüfen den Sachverhalt.“ Die drei gigantischen Erdgaslager unter dem Rhöndorf Reckrod türmen sich durch dicke Salzlager. Die Kavernen wurden mit Süßwasser aus dem Berg gespült, jede könnte mühelos den Frankfurter Messeturm aufnehmen. Oder K+S-Abwässer. 1,2 Mio. Kubikmeter Volumen tun sich da insgesamt auf. Die 21 Mio. Kubikmeter Salzwasser, die vom Aussolen der Kavernen blieben, wurden vor mehr als zehn Jahren dorthin entsorgt, wo K+S jetzt nur noch Restmengen loswird: im porösen Plattendolomit.

Die Kavernen wären – anders als alte Gruben in Niedersachsen – nur ein Zwischenlager. Und gratis wird die Gas-Union den K+S-Entsorgungsnotstand auch nicht beheben helfen. Reckrods Plus: Vom Werrarevier nach hier hätten Tank-Lkw-Kolonnen nur 25 Kilometer.

Hintergrund: Flutung in Niedersachsen? 

Von Heringen zur A7, 200 Kilometer nach Norden und kurz vor Hannover rechts ab: Dort liegt mit der alten Salzgrube Bergmannssegen-Hugo/Friedrichshall bei Sehnde eine weitere Adresse, an der K+S Salzabwässer loswerden könnte – anders als im Gaskavernenspeicher sogar endgültig. Aufgegebene Bergwerke müssen in Niedersachsen geflutet werden. Zwei weitere gibt es mit Mariaglück (Höfer) und Niedersachsen-Riedel (Wathlingen) nördlich von Hannover.

Laut Landesbergamt für für Bergbau, Energie und Geologie (LBEG), ist fürs Volllaufenlassen alter Gruben, das Jahrzehnte dauern kann, salzhaltiges Wasser besser als Süßwasser. Es gebe nur nicht immer Salzwasser. An der Werra jetzt schon – aber mit weiter Anfahrt. Es würden auch unkonventionelle Entsorgungswege geprüft, so K+S.

Rubriklistenbild: © dpa

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