Partner bei der Integration

K+S-Mitarbeiter unterstützten Flüchtlinge beim Einstieg ins Arbeitsleben

Hilfe beim Fußfassen in Deutschland: K + S-Mitarbeiter Janosch Müller (links) trifft sich einmal pro Woche nach Feierabend mit Wael Barakeh aus Syrien in der Kantine von K + S. Foto: Rudolph

Kassel. In seiner Heimat hat Wael Barakeh als Französischlehrer gearbeitet. Wenn der syrische Flüchtling Deutsch spricht, klingt ein charmanter Akzent mit wie bei Franzosen.

Der 30-Jährige ist seit einem Jahr in Deutschland, seit vergangenem Sommer in Kassel. Drei Sprachkurse – bis zum Level B 1 – hat er schon geschafft. Bald will er so gut Deutsch können, dass er eine Arbeit aufnehmen kann. Dabei unterstützt ihn Janosch Müller. Er ist einer von über 20 Mitarbeitern von K + S in Kassel, die sich in einem Mentorenprojekt für Flüchtlinge engagieren.

22 Tandems 

Als erstes Unternehmen in Nordhessen beteiligt sich K + S an der bundesweiten Initiative „InCharge“. Diese bringt asylberechtigte Flüchtlinge mit Einheimischen zusammen, die ihnen auf dem Weg in den Arbeitsmarkt Hilfestellung geben. 39 Beschäftigte des Kali- und Salzproduzenten haben sich als ehrenamtliche Mentoren gemeldet. In Zusammenarbeit mit der Arbeitsagentur, den Jobcentern und InCharge sind in einem ersten Schritt 22 Tandems gebildet worden.

Janosch Müller, der bei K + S im Vertrieb arbeitet, hat sich inzwischen viermal mit seinem Mentoring-Partner Wael Barakeh getroffen. Der zurückhaltende junge Mann aus Syrien hat schon Vertrauen zu seinem Ratgeber gefasst. „Für mich es ist gut, mit Deutschen Kontakt zu machen“, sagt der 30-Jährige noch etwas holprig, aber verständlich. Diesmal hat er zum Treffen ein Formular mitgebracht: „Weiterbewilligungsantrag“ steht darauf. Es folgen vier Seiten, die ausgefüllt werden müssen, damit Barakeh weiter Sozialleistungen vom Jobcenter bekommt. Die bürokratischen Formulierungen sind auch für Muttersprachler eine Herausforderung. „Da muss ich mich erst mal reinfuchsen“, sagt Müller.

Bei einem Auslandssemester in China während seines Wirtschaftsstudiums hat der junge Mann aus Körle selbst erlebt, was es bedeutet, in eine fremde Kultur hineinzufinden. Als er von dem Mentoringprojekt seines Arbeitgebers hörte, war der 29-Jährige sofort dabei. Bisher habe er das Flüchtlingsthema nur über die Nachrichten verfolgt, sagt Müller. „Jetzt kann ich selbst aktiv werden und vielleicht ein Stück dazu beitragen, dass die Integration gelingt.“

Nächstes Ziel: Minijob

Für Wael Barakeh ist er optimistisch: „Er hat einen Uni-Abschluss und eine hohe Motivation. Er wird Möglichkeiten haben, etwas zu erreichen.“ Vorher gilt es jedoch noch, einige Hürden zu überwinden. Als Lehrer an einer Schule wird der Syrer nicht ohne Weiteres arbeiten können: In seiner Heimat hat Barakeh nur ein Fach unterrichtet, in Deutschland braucht man zwei. Zudem ist noch unklar, inwieweit seine Zeugnisse anerkannt werden.

Das nächste Etappenziel haben sich Barakeh und Müller gesetzt: Neben dem Deutschkurs einen Minijob finden. Einziger Wunsch des Syrers dabei: Er will mit Menschen zu tun haben. Auch jenseits der Mentoring-Treffen haben die beiden jungen Männer schon Pläne gemacht: Bald soll es gemeinsam in den Biergarten gehen. Auch das gehört zum Ankommen in Deutschland schließlich dazu.

Weitere Mentoren gesucht

„InCharge“ ist eine Initiative der deutschen Wirtschaft, die 2014 zur Bekämpfung von Jugendarbeitslosigkeit gegründet wurde. Seit vergangenem Jahr gibt es auch ein Mentorenprogramm für asylberechtigte Flüchtlinge. Die Idee dahinter: Die langfristige Integration von Flüchtlingen kann nur gelingen, wenn sie Arbeit finden. Bei Vorbereitung, Suche nach und Einstieg in einen Beruf sollen Mentoren die Flüchtlinge im persönlichen Austausch unterstützen. Die Begleitung ist für 12 Wochen angelegt. Um die Zuordnung von Mentor und Flüchtling kümmert sich InCharge. Dem Mentor wird Informationsmaterial gestellt. Weitere Unternehmen, aber auch einzelne Interessierte aus Stadt und Kreis Kassel sowie dem Werra-Meißner-Kreis können sich für das Mentorenprogramm melden. 

www.incharge.jobs

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