Osthessen besonders betroffen

Kurzarbeit bei K+S trifft Beschäftigte - Die wichtigsten Fragen und Antworten

Kassel. Bei der Kali-Produktion läuft es nicht rund, es gibt Entsorgungsprobleme. Für die betroffenen Mitarbeiter des K+S-Konzerns bedeutet das Kurzarbeit und damit weniger Geld.

Rund 1000 Beschäftigte sind von Kurzarbeit beim Düngemittelproduzenten K+S betroffen. Grund sind Probleme bei der Entsorgung der salzhaltigen Abwässer, die bei der Kali-Produktion anfallen.

Wo findet derzeit Kurzarbeit statt? 

An den Standorten Hattorf im osthessischen Philippsthal und in Unterbreizbach in Thüringen ruhen seit Jahresbeginn immer wieder Teile der Produktion und der Kali-Förderung von K+S. Unterbreizbach war in der vergangenen Woche für wenige Tage wieder angefahren worden, doch seit Freitag ruht die Produktion erneut. In Hattorf wird seit Mitte Juni nicht mehr gefördert - mit Ausnahme der Bittersalzproduktion. Die Produktionspausen werden unter anderem auch für planmäßige Reparaturen oder Maschinenwartungen genutzt. Betroffen sind nach K+S-Angaben insgesamt rund 1000 Beschäftigte, davon etwa 650 in Hessen. Die Anlage Wintershall ist bislang nicht betroffen.

Was macht dem Unternehmen zu schaffen? 

K+S darf derzeit wegen einer Übergangserlaubnis nur sehr begrenzt und bis Ende des Jahres Salzabwasser in tiefe Gesteinsschichten versenken. Die Entsorgung muss eng an der Wasserführung der Werra im hessisch-thüringischen Grenzgebiet ausgerichtet werden: Bei niedrigem Wasserstand darf kaum Lauge in den Fluss geleitet werden.

Wie könnte eine Lösung aussehen? 

Über die Verlängerung der Versenkgenehmigung bis 2021 will das Regierungspräsidium Kassel in den nächsten Monaten entscheiden. Bis 2020 darf K+S zudem noch Salzabwasser in die Werra leiten. Das Unternehmen belasten aber auch noch andere Themen: Unter anderem steht die Entscheidung des Landgerichts Meiningen über eine mögliches Hauptverfahren gegen K+S-Chef Norbert Steiner und andere Manager wegen Gewässerverunreinigung aus. Zudem könnte sich der Start einer neuen, mehrere Milliarden Euro teuren Kalimine in Kanada verzögern.

Was bedeutet die Situation für die Menschen in der Region? 

Die Anliegergemeinden im Osten Hessens sind stark auf die Gewerbesteuern angewiesen, die K+S normalerweise zahlt. Der Bürgermeister von Heringen an der Werra, Daniel Iliev (SPD), sagt, in seiner Stadt stehe eine Haushaltssperre an. Damit müssen alle freiwilligen Leistungen wie etwa die Unterstützung von Vereinen gestrichen werden. Mehr als zehn Millionen Euro Steuern zahle K+S in normalen Jahren an die Stadt. Auch für die Mitarbeiter sei dies eine schwierige Lage: "Das Unternehmen ist der Hauptarbeitgeber in unserer Region." Eine Versenkgenehmigung sei dringend nötig, sagt Iliev.

Was sagt die Politik dazu? 

Während die hessische SPD fordert, gemeinsam mit Thüringen bei einem Kali-Gipfel über die Zukunft der Förderung zu beraten, verweist das Umweltministerium auf das Verfahren in Kassel, denn die Beseitigung des Entsorgungsengpasses stehe im Vordergrund. Zurückzuführen sei dies auf mangelhafte Antragsunterlagen von K+S, erklärte ein Sprecher von Ministerin Priska Hinz (Grüne). Das Land wirke nun daraufhin, dass K+S einen genehmigungsfähigen Antrag vorlege und "alle technischen Maßnahmen zur Entsorgung der Produktionsabwässer ergreift".

Rubriklistenbild: © dpa

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