KVG-Reform: Mehr als 6000 Unterschriften für Bürgereingaben gegen Streichungen

2224 Unterschriften gegen KVG-Liniennetzreform: Dagmar Figge, Schulelternbeirätin der Johann-Amos-Comenius-Schule in Niederzwehren (vorn), überreicht mit ihren Mitstreitern die gesammelten Unterschriften für die Bürgereingabe an Kassels Stadtbaurat und Verkehrsdezernent Christof Nolda (Grüne, rechts). Foto: Fischer

Kassel. Die Kritiker der geplanten KVG-Liniennetzreform wollen die neu gewählten Kasseler Stadtverordneten per Bürgereingabe davon überzeugen, die vorgesehenen Änderungen bei Bussen und Bahnen abzulehnen.

Mitglieder eines Aktionsbündnisses übergaben am Montag 2224 Unterschriften gegen die KVG-Reform an Kassels Stadtbaurat und Verkehrsdezernent Christof Nolda (Grüne).

Es geht den Kritikern um den Erhalt der kompletten Buslinien 21, 24, 25 und 27 samt aller Bushaltestellen sowie um die Beibehaltung der bisherigen Linienführung der Tramlinien.

Zudem wird die geplante Taktausdünnung abends und an den Wochenenden abgelehnt. Schüler und viele junge Menschen, aber ebenso ältere und behinderte Bürger seien auf einen funktionierenden öffentlichen Nahverkehr in der Stadt angewiesen, bekräftigten die Kritiker bei der Unterschriften-Übergabe. „Fliegen ab Calden wird subventioniert, der Bus bald storniert“, lautete der Text auf einem Transparent.

Kritisiert wird auch die Absicht der KVG, bestimmte Busfahrten abends durch Anruf-Sammel-Taxis (AST) zu ersetzen, die nur auf Anforderung zur Haltestelle kommen. „Wird statt Bus ein AST benutzt, wird deine Flexibilität gestutzt“, stand auf einem Transparent.

Am heutigen Mittwoch sollen im Büro der Stadtverordnetenversammlung im Rathaus weitere 3900 Unterschriften gegen die KVG-Reform übergeben werden. Die Unterschriften wurden von den Regionalgruppen im Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Club, Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland, Verkehrsclub Deutschland sowie im Kasseler Umwelthaus und vom Allgemeinen Studierenden-Ausschuss der Universität Kassel gesammelt. Verkehrsdezernent Nolda wies darauf hin, dass die Stadt den öffentlichen Nahverkehr in Kassel jährlich mit rund 28 Millionen Euro bezuschusst. Die geplante Netzreform sei wichtig, um Kosten zu sparen, solle aber auch Verbesserungen für Fahrgäste bringen. Bei einer Netzänderung habe der eine Vorteile, der andere Nachteile, sagte Nolda.

Auftrag: Mehr Fahrgäste, weniger Kosten

Seit die Kasseler Verkehrs-Gesellschaft (KVG) im Juli 2015 den Entwurf für die geplante Liniennetzreform öffentlich gemacht hat, ist in den Stadtteilen der Teufel los. Die Kritik gegen die vorgesehenen Streichungen von Buslinien und Haltestellen sowie von Einschränkungen bei den Straßenbahnen reißt seither nicht mehr ab.

Gegen die Reformpläne machen Aktionsbündnisse und Ortsbeiräte, Schulen und andere Einrichtungen mobil.

Der Auftrag an die KVG gleicht der Quadratur des Kreises. Das Unternehmen soll zusätzliche Fahrgäste gewinnen und gleichzeitig Kosten senken. Rund eine Million Euro weniger Ausgaben jährlich ist das Ziel. Die Verkehrsplaner des Unternehmens haben deshalb genau analysiert, wo Busse und Bahnen auffallend wenig genutzt werden, wo der Leistungsaufwand hoch und die Kostendeckung niedrig ist. Dort soll es Einschränkungen geben.

Ungeachtet der anhaltenden Proteste will die KVG den Reformentwurf „Kasseler Linien“ wie geplant bis zum Ende dieses Frühjahrs überarbeiten und dann im Frühsommer 2017 starten. Die Entscheidung darüber trifft die Kasseler Stadtverordnetenversammlung. Deshalb wollen die Kritiker mithilfe von Bürgereingaben verhindern, dass die Stadtverordneten der KVG grünes Licht geben für die Fahrt von Bussen und Trams auf reformierten Linien.

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