Er stand an der Spitze des Stadtkonzerns

Nach 20 Jahren: KVV-Vorstandschef Andreas Helbig geht in den Ruhestand

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Hat Strom aus Windkraft als neues Geschäftsfeld aufgebaut: Vorstandschef Andreas Helbig geht nach 20 Jahren an der Spitze des Kasseler Verkehrs- und Versorgungskonzerns KVV zum Jahresende in den Ruhestand.

Kassel. Exakt 20 Jahre stand Andreas Helbig an der Spitze des Kasseler Stadtkonzerns, unter dessen Dach auch Stadtwerke und Verkehrsgesellschaft KVG arbeiten.

Am 23. Dezember hat der 66-Jährige seinen letzten Arbeitstag in der Unternehmenszentrale am Königstor. Seinem Nachfolger Dr. Michael Maxelon (46), der zum Jahresanfang 2016 seinen Dienst antritt, hinterlässt Helbig ein modernes und für die Zukunft gerüstetes Unternehmen.

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Das sah Anfang 1996 noch ganz anders aus. Vier Gesellschaften werkelten voneinander abgeschottet vor sich hin. „Das waren ja alles Fürsten und Burgen“, erinnert sich Helbig. Die Kassen waren leer, Arbeitnehmer und Vorstand zerstritten und der damalige Oberbürgermeister Georg Lewandowski (CDU) wollte die Städtischen Werke am liebsten verkaufen und mit dem Erlös von 250 Millionen Euro die Stadtkasse sanieren.

Ist das nicht der SPD-Politiker Rudolf Scharping? Nein, aber Andreas Helbig sah ihm sehr ähnlich, als er sich im September 1995 in Kassel vorstellte.

Der Neue an der Spitze machte den Laden wieder flott. Das wird an wenigen Zahlen deutlich. Damals machte der Konzern mit 1790 Mitarbeitern einen Jahresumsatz von 273 Millionen Euro. Heute sind es 568 Millionen Euro Umsatz (2014) - mit nur 80 Mitarbeitern mehr. „Eine Dividende zahlen, die der Stadt Freude macht“ war Helbigs Ziel, das er erreicht hat. Gleichzeitig gelang es ihm, den Konzern bis heute mehrheitlich in städtischer Hand zu halten. Von einem Komplettverkauf ist längst keine Rede mehr. 

Personal sei die wichtigste Ressource in einem Unternehmen, „alles andere kann man kaufen“, sagt Helbig. Aber „motiviertes Personal kann man nicht kaufen“. Als Teamarbeiter war es ihm gelungen, die Mitarbeiter mitzunehmen auf dem Weg von der früheren Praxis von Befehl und Gehorsam zu einer Kundenorientierung und zur internen Streitkultur, in der jeder seine Meinung sagen soll und auch mal einen Fehler machen darf. „Das Team macht es, nicht der Andreas Helbig“, gibt sich der Chef bescheiden.

Heute verkaufen die Stadtwerke bundesweit ebenso viel Strom wie in Kassel. Die Stromgewinnung aus Windkraft ist zu einem wichtigen Geschäftsfeld geworden, die Telekommunikation soll es noch werden mit dem Ausbau von schnellen Internet-Verbindungen in Nordhessen. Helbig hatte mit drei Netcom-Mitarbeitern begonnen, heute sind es 40, bald sollen es mehr als 100 Beschäftigte sein. „Wir haben nichts falsch gemacht“, zieht Helbig zufrieden Bilanz.

Projekt Ruhestand

„Jetzt setze ich mich erst mal sechs Wochen in den Schaukelstuhl - und dann fange ich ganz langsam an zu schaukeln“, sagt er zu seinem neuen Projekt Ruhestand. Erst mal will er schlicht „gar nichts machen“. Und dann freut er sich darauf, mehr Zeit zu haben. Zeit, um die geliebte Ferieninsel Mallorca zu genießen, Zeit, „um ein bisschen was von der Welt zu sehen“. Seinem Hobby Golfspielen wird er mehr Zeit widmen, vielleicht wieder öfter zum Tennisschläger greifen, den Vereinsvorsitz der Freunde der Kasseler Musiktage übernehmen. Und mit seiner Ehefrau will er in Kassel bleiben, der Stadt, die er zwei Jahrzehnte lang mitgestaltet hat.

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