Darunter auch Villen

Leerstand trotz hoher Nachfrage: In Kassel wird nicht jedes Haus genutzt

Wunderschön aber verwaist: Die Villa an der Heckerstraße steht seit einigen Jahren leer. Dies war auch bereits Thema im Ortsbeirat. Fotos: Ludwig

Kassel. Weil es immer mehr Menschen nach Kassel zieht, liegt der Leerstand bei ein bis zwei Prozent. Es gibt aber dennoch einige Immobilien, die trotz der hohen Nachfrage seit Jahren ungenutzt sind.

Es ist kaum zu glauben: An der Heckerstraße in der Südstadt steht eine große neugotische Villa seit Jahren leer. Die Ortsvorsteherin der Südstadt, Kerstin Saric, bedauert die Situation. Wohnraum werde dringend benötigt. Schon mehrfach hat sie die Stadt aufgefordert, Kontakt zum Eigentümer aufzunehmen, um zu klären, warum das 1887 errichtete Kulturdenkmal ungenutzt bleibt. Doch der Verwaltung sind die Hände gebunden.

„Bei frei werdenden Privathäusern wie bei dem Beispiel an der Heckerstraße hat die Stadt keinerlei Möglichkeiten, auf die Eigentümer beziehungsweise Erben einzuwirken“, sagt Stadtsprecher Sascha Stiebing. Für die Ortsvorsteherin ist es dennoch rätselhaft. „Seit mindestens fünf Jahren steht das Gebäude leer und dies war auch immer wieder mal Thema im Ortsbeirat. Zuletzt hatten sich dort Büros befunden“, erzählt Saric.

Das Gebäude verkomme zwar nicht, weil es regelmäßig gepflegt werde, aber es sei wünschenswert, dass wieder Leben einkehre. Vor Kurzem sei der langjährige Eigentümer der Villa, ein Kasseler Bauingenieur, verstorben. Vielleicht würden sich die Erben für eine neue Nutzung des Hauses einsetzen.

Die Villa ist nur eines von mehreren Beispielen für den Leerstand ganzer Häuser. Auf der Internetseite www.leerstandsmelder.de haben Nutzer insgesamt 73 Immobilien in Kassel benannt, die unbewohnt oder ungenutzt sind - einige Einträge sind aber nicht mehr aktuell und inzwischen wieder belegt. Darunter sind aber auch Geschäftsräume.

Offizielle Leerstandsquoten werden von der Stadt nur für die 8500 Wohnungen erhoben, deren Bau öffentlich gefördert wurde und für die einen Mietpreisbindung besteht. 0,75 Prozent dieser Wohnungen sind frei.

Alexander Alter vom Immobilienverband Deutschland für die Region Mitte bestätigt die Lage: „Für Kassel gehen wir von einem Leerstand von ein bis zwei Prozent der Wohnungen aus. Vor einigen Jahren war es fünf Mal so viele“, sagt der Experte.

Christian Wedler von der Wohnungbaugesellschaft GWH spricht von einer „Vollvermietung“ der knapp 5700 GWH-Wohnungen in Kassel. „Wir haben einen Leerstand von 1,3 Prozent. Das liegt unter der natürlichen Fluktuation, die bei fünf bis sieben Prozent liegt.“ Ein Null-Prozent-Leerstand sei wegen Sanierungen unmöglich.

Bei der GWG, der 8400 Wohnungen gehören, ist es genauso: Es gebe keine vermietungsbedingten Leerstände. Nur wegen der aktuellen Sanierungen gebe es einen Leerstand von 0,9 Prozent.

Das steht leer

Von Café bis Druckerei

• Café Cult, Bebelplatz, ist seit vielen Jahren geschlossen

• Reno-Schuhladen, Leipziger Straße 151, wurde zwischenzeitlich für Flüchtlinge hergerichtet.

• ehemalige Druckerei Schanze, Kohlenstraße 132, wurde als Gewerbeobjekt saniert, aber nie in Betrieb genommen. Zwangsversteigerung am 13. Oktober.

• Alte Wetterstation, Heinrich-Schütz-Allee 225, will der Bund nächstes Jahr verkaufen.

Wesertor: Altbau steht leer

An der Ysenburgstraße 136 im Stadtteil Wesertor steht ein großes, altes Mehrfamilienhaus leer. Die Tür ist verrammelt, die Wohnungen sind unbewohnt. In einer Wohnung scheinen aber Arbeiten zu laufen.

Niederzwehren: Villa im Umbau

Die denkmalgeschützte Villa Credé an der Frankfurter Straße (Höhe Dez) steht seit Jahren leer. Nun hat aber Investor damit begonnen, das um 1910 errichtete Haus zu sanieren. Bisher wird aber offenbar nur entkernt.

Rothenditmold: Leeres Wohnhaus

Das Gebäude an der Wolfhager Straße 110 ist unbewohnt und in einem schlechten Zustand. Nach Auskunft des Ortsvorstehers plant der Eigentümer, das Haus zunächst in Teilen wieder herzurichten.

Nord-Holland: Schandfleck

An der Holländischen Straße 42 verfällt ein alter Backsteinbau seit Jahren zusehends. In der Vergangenheit hatte es in dem leerstehenden Gebäude bereits gebrannt. Die marode Immobilie ist inzwischen gesichert. Das Nachbarhaus war vor einigen Jahren saniert worden.

Fasanenhof: Neue Nutzung

An der Eisenschmiede 74 im Stadtteil Fasanenhof stand jahrelang ein Gebäude leer. Jetzt wurde es saniert und ist wieder bewohnt. Ein Beispiel dafür, dass die hohe Nachfrage nach Wohnraum auch dafür sorgt, dass wieder Geld in die Instandsetzung investiert wird.

Stadtmitte: Dauerproblem

Das so genannte Hugenottenhaus an der Friedrichsstraße steht seit den 1970er-Jahren leer. Das 1826 erbaute Haus ist deshalb in einem schlechten Zustand. Eigentümer des Gebäudes ist die Grand City Hotel Group, der auch das benachbarte Hotel „Days Inn Hessenland“ gehört.

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.