Lehrstelle im Visier

Job in letzter Minute: Speed-Dating für Schüler in Kassel

Freundlichkeit ist Pflicht: Usama Osman (rechts) erklärte Lisa Viebahn (von links) und Bernd Ziegenhardt vom Dienstleister Deutsche TGS, warum er unbedingt Elektroniker werden will. Fotos: Dilling

Kassel. Die Ausbildung in einem technischen Beruf ist sein Traum. Daniel Seidelmann hat bisher 40 Bewerbungen geschrieben. Außer ein paar Praktika ist nichts dabei herausgekommen.

„Ich habe nur freundliche Absagen erhalten“, sagt der 16-Jährige.

Nun drängt die Zeit. Bald endet seine Schulzeit mit dem Realschulabschluss. Eine Lehrstelle muss her. Deshalb wartet der Luisenschüler mit seinem „Steckbrief“ in den Händen darauf, dass die Glocke im Bürgersaal zur nächsten Speed-Dating-Runde läutet.

Der Kasseler gehörte zu den 40 Haupt- und Realschülern, die das zweite Azubi-Dating nutzten, um noch in letzter Minute eine Ausbildungsstelle für den Herbst zu ergattern. Es wurde im Rahmen der hessenweiten Ausbildungsinitiative „Olov“ von der Stadt Kassel, der Handwerks- und der Handelskammer, dem Freiwilligenzentrum sowie der Agentur für Arbeit organisiert.

Die Bewerbungsgespräche mit Arbeitgebern und Ausbildern im Schnelldurchlauf seien vergangenes Jahr erfolgreich gewesen, einige Jugendliche hätten Lehrstellen ergattert. „Ziel ist, dass die Schüler zumindest einen Probearbeitstag erhalten“, sagt Lars Reiße, Ausbildungsberater bei der IHK.

Sich Auge in Auge mit dem möglichen Arbeitgeber präsentieren zu können, darin sieht Daniel Seidelmann seine Chance. „Ich bin ein besonnener Typ, der auch unter Stress die Ruhe behält“, sagt der Schüler. Das will er in den Gesprächen herüberbringen.

Doppelt so viele Lehrstellen

Auf dem Papier sieht es ganz einfach aus: Den 40 Lehrstellen-Bewerbern stünden beim Speed-Dating mindestens doppelt so viele Stellen verschiedener Branchen gegenüber, sagt Reiße. Doch oft passen Angebot und Nachfrage nicht zusammen. Und das liegt nicht nur an unterschiedlichen Erwartungen von Betrieben und Bewerbern.

Er habe schon Einstellungstests absolviert, sagt Martin Herbersagen. „Ich weiß, was man von mir erwartet“, fügt der Luisenschüler hinzu. Er habe das Angebot, in Süddeutschland eine IT-Ausbildung zu machen. Dennoch zögert der junge Mann. Er wisse nicht, ob er bei den teuren Lebenshaltungskosten dort vom schmalen Lehrlingsgehalt eine Wohnung finanzieren könne.

„Manchmal scheitert es schon daran, dass es in der Nähe des Ausbildungsbetriebs keine Bushaltestelle gibt“, sagt Gabriele Biedebach vom Übergangsmanagement Schule-Beruf der Stadt Kassel.

Der 17-jährige Usama Osman von der Carl-Schomburg-Schule hat ein anderes Problem. Er verstehe den Text der Einstellungstests nicht so gut, sagt der junge Mann, der erst vor fünf Jahren aus Somalia nach Kassel gekommen ist. Im persönlichen Gespräch komme er viel besser klar.

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