Kasseler Opernsängerin Margarete Riemenschneider starb mit 94 Jahren

Rückkehr ans Staatstheater: Margarete Riemenschneider im Jahr 1951. Archivfoto: privat/nh 

Kassel. Im Herbst ihres Lebens hatte Margarete Riemenschneider sich zum Lebensinhalt gemacht, anderen, vor allem jungen Menschen, zu helfen, Wünsche zu erfüllen. „Jeder, der mehr Geld hat, als er selber braucht, sollte denen etwas davon abgeben, die zu wenig haben. Dann geht es uns allen besser“, lautete ihr Motto, das sie auch mit Leben füllte.

2003 gründete sie die nach ihr benannte Margarete-Riemenschneider-Stiftung, mit der die soziale Arbeit in der Bahnhofsmission des Diakonisches Werkes, die Tagesaufenthaltsstätte Panama des Vereins Soziale Hilfe und das Seniorenzentrum Renthof der Sozialgruppe Kassel begünstigt werden. 2008 ließ die ehemalige Opernsängerin und Tänzerin die zweite Stiftung „Kinder-Kunst-Förderung“ für talentierte junge Musiker, Sänger und Tänzer folgen.

Auch sie selber hatte einen Wunsch, den sie im Vorjahr zum Weihnachtsfest gegenüber unserer Zeitung äußerte: „Ich wünsche mir Gesundheit und Wohlergehen - weil ich sehr am Leben hänge. Mein Wunsch ist, meinen 95. Geburtstag zu erleben und ein großes Fest zu feiern.“ Der Wunsch bleibt unerfüllt. Im Alter von 94 Jahren ist Margarete Riemenschneider am Samstag in ihrer Heimatstadt Kassel gestorben. Im Mai hatte sie einen Schlaganfall erlitten, von dem sie sich nicht mehr erholte.

Margarete Riemenschneider stammt aus einer Handwerkerfamilie. Geboren wurde sie am 23. Januar 1917 in der Kasseler Altstadt: Bereits im zarten Alter von fünf Jahren stand das talentierte „Gretchen“ das erste Mal als Tänzerin auf der Bühne des Kasseler Staatstheaters und trug mit seiner Gage mit zum Lebensunterhalt der Familie bei. Mit 16 Jahren hatte die Sängerin einen festen Vertrag am Kasseler Theater bereits in der Tasche, doch die politische Einstellung ihres Elternhauses wurde zum Fallstrick: Nach der Machtübernahme der Nationalsozialisten wurde sie entlassen, ihr Vater kam für vier Jahre ins Konzentrationslager.

Margarete Riemenschneider ließ sich nicht unterkriegen. Dank ihres Durchhaltevermögens, Fleißes und viel Talents kehrte sie zurück. Intendant Edgar Klisch holte sie Anfang der 50er-Jahre zurück ans Staatstheater, wo sie fortan als Sängerin und Tänzerin agierte.

So, wie sie als Künstlerin Freude bereitete und die Menschen in ihren Bann zog, konnte die stets fröhliche und umtriebige Frau bis ins hohe Alter begeistern und andere Menschen mitreißen. Geld für die Stiftungen zu sammeln, bezeichnete sie als ihr „drittes Leben“ - ob singend bei einer Benefizgala, Waffeln backend und verkaufend im Bahnhof oder einfach nur als Bittstellerin. „Sonst bin ich ja ein bisschen eitel, aber beim Klinkenputzen für die gute Sache werfe ich mein Alter gerne in die Waagschale“, verriet sie zum 90. Geburtstag.

Auch wenn ihr ihr letzter Wunsch verwehrt blieb: Als Stifterin wird Margarete Riemenschneider auch nach ihrem Tod dazu beitragen, dass Wünsche in Erfüllung gehen. (bho)

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.