Der Schock sitzt noch tief

Nach schwerem Unfall: Spenderblut rettet Lutz Kremeier das Leben

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Blick auf das aktuellste Röntgenbild: Sandra und Lutz Kremeier besprechen mit Prof. Dr. Clemens Dumont die nächsten Behandlungsschritte.

Lutz Kremeier kann sich nicht daran erinnern, dass ihn der Rettungshubschrauber ins Klinikum gebracht hat. Er wachte erst einen Tag nach seinem schweren Fahrradunfall wieder auf.

„Ich habe als Erstes gefragt, ob mein Bein noch dran ist“, erzählt der 45-Jährige. Der Schock über den schweren Unfall und die folgenreichen Verletzungen ist auch Ehefrau Sandra noch ins Gesicht geschrieben.

Es war an einem sonnigen Sonntag im Mai, als sich der 45-Jährige aus Brakel im Kreis Höxter auf sein Rennrad setzte. Er kann sich noch daran erinnern, dass ihn auf der Bundesstraße bei Beverungen eine Kolonne von Motorrädern überholte, als ihn plötzlich ein Schlag traf und er durch die Luft gewirbelt wurde. Eine Motorradfahrerin hatte den Radfahrer beim Einscheren offenbar übersehen. „Mein Bein war deformiert und der Knochen ragte heraus“, schildert er seine schwere Verletzung. Geistesgegenwärtig habe er die zur Hilfe geeilten Motorradfahrer angewiesen, das Bein sofort abzubinden. Und noch bevor er vom Notarzt versorgt war und im Rettungswagen lag, rief er seine Frau an. „Ich hatte immer Angst, wenn er mit dem Rennrad unterwegs war“, sagt Sandra Kremeier.

Beide nahmen nach dem Unfall psychologische Hilfe in Anspruch. „Das hat uns sehr geholfen“, sagen die Eltern einer elfjährigen Tochter. Sie brauchten viel Kraft für die folgenden sechs Operationen, bei denen es gelang, das Bein des sportlichen Patienten zu retten.

Trotz der schnellen Erstversorgung hatte Lutz Kremeier viel Blut verloren. Deshalb erhielt er im Klinikum insgesamt acht Blutkonserven und zwei Gerinnungfaktoren, erläutert Prof. Dr. Clemens Dumont, Direktor der Klinik für Unfallchirurgie und Orthopädische Chirurgie.

Weil seine Blutgruppe 0 Rhesus negativ relativ selten ist, hatte Sandra Kremeier schon Angst, dass nicht genügend Konserven vorhanden sein könnten. Lutz Kremeier geht seit Jahren regelmäßig zur Blutspende, weil er weiß, dass die Bestände seiner Blutgruppe knapp sind.

Bei den folgenden Operationen wurde zunächst der Knochenbruch des Unterschenkels mit einer außen angebrachten Schiene versorgt, schildert Dumont. Bei den folgenden Operationen wurden die erheblichen Weichteilverletzungen mit Haut abgedeckt, die aus dem Oberschenkel entnommen wurden. Es sei wichtig gewesen, zunächst die offenen Verletzungen abzudecken, um Infekte zu vermeiden. „Das ist ein sicheres und zuverlässiges Vergehen“, so der Mediziner. Später wurde ein großer Nagel in den Knochen eingesetzt, der voraussichtlich in eineinhalb Jahren wieder entfernt werden kann.

Inzwischen kann der Tischler sein Bein wieder etwas belasten und dankt „dem tollen Team am Klinikum.“ Aufs Rennrad will er aber nie mehr steigen: „Immer, wenn ich ein Motorrad höre, zucke ich zusammen.“

Blutspendeaktion 

Die HNA-Blutspendeaktion findet von Dienstag bis Freitag, 23. bis 26. August, jeweils von 10 bis 20 Uhr im Kasseler Regierungspräsidium am Steinweg statt.

Weitere Infos und Hintergründe zur Blutspendeaktion finden Sie hier.

Aus unserem Archiv:

Hintergrund: 23.000 Konserven fürs Klinikum

Das Klinikum Kassel braucht jährlich rund 23.000 Präparate mit roten Blutkörperchen. Gerade in der Unfall- und Herzchirurgie sowie zur Krebstherapie wird häufig Blut benötigt. „Blut ist das Einzige, das Sauerstoff in die Organe und das Gewebe transportieren kann“, erläutert Prof. Dr. Clemens Dumont.

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