Made in Kassel: Wegweiser für Flughäfen werden in Nordhessen produziert

Kassel. Dass auf den Flughäfen in Hamburg und Düsseldorf jährlich fast 40 Millionen Menschen ihren Schalter und Flugsteig, ihr Kofferband, den Ausgang und die Toiletten finden, ist das Verdienst der beiden Kasseler Designer Johannes Horst (59) und Gunnar Wicke (57).

Denn die beiden weisen mit ihren Wegeleitsystemen den Menschen durch das Gänge-Labyrinth und das Wirr-Warr an jenen Airports den rechten Weg.

Die Kasseler konzipieren und entwerfen Hunderte unterschiedlicher Schilder und Hinweistafeln, lassen sie anfertigen und überwachen in der Aufstellungsphase, dass alles richtig und gut sichtbar platziert wird. Das ist nicht immer einfach, zumal das Wegeleitsystem ständig mit Werbetafeln um die attraktivsten Standorte konkurriert. Und jeder Airport ist von der Architektur, Systematik und Geschosszahl her anders. Ein einmal implementiertes System taugt nur für jenen Airport. „Universallösungen gibt es nicht. Jedes Objekt ist individuell“, sagt Wicke, der wie Horst an der Kasseler Kunsthochschule Design studiert hat.

Aber nicht nur Flughäfen brauchen intelligente Leitsysteme: Auch große Kliniken, Messegelände und touristische Einrichtungen müssen die Besucherströme geschickt lenken, damit es kein Chaos gibt. „Überall, wo viele Menschen unterwegs sind, sind wir gefragt“, sagt Horst. Nach dem Studium verdingten sich die beiden zehn Jahre lang als freie Mitarbeiter bei anderen Agenturen, 1996 schließlich machten sie sich selbstständig und beschäftigen heute eine feste Mitarbeiterin sowie freie Kollegen, die projektbezogen eingesetzt werden.

Die Kunst bei ihrem Job ist es, Symbole zu ersinnen, die – unabhängig von Herkunft und Sprache – jeder sofort versteht. „Piktogramme allein funktionieren aber nicht, nur im Zusammenspiel mit der Sprache, die allein ebenso wenig funktioniert“, weiß Horst aus langjähriger Erfahrung.

Die Projekte sind unterschiedlich groß. Bei 20 000 Euro für kleinere Objekte geht es los. Großaufträge, die über Jahre laufen und einen riesigen Abstimmungsbedarf haben, können schon siebenstellig kosten. Einige Hunderttausend Euro im Jahr setzen Horst und Wicke mit ihrer kleinen Firma um. Und das Geschäft läuft gut. „Wir haben ordentlich zu tun“, sagt Wicke. Auch weil die beiden Partner langjährige Stammkunden haben. Denn ein Leitsystem ist nicht für die Ewigkeit. Es ändert sich regelmäßig. Neben dem Flughafen München könnten die Kasseler auch bei einem Klinik-Neubau in Lübeck zum Zuge kommen.

Wegeleitsysteme in Krankenhäusern sind im übrigen die komplexesten überhaupt, weil es in derart Einrichtungen viel mehr Ziele gibt: Stationen, Praxen, Diagnoseräume, Labore, OP-Säle, Warte- und Aufenthaltsbereiche, Kantinen, Cafes und, und, und. Das Klinikum Kassel allerdings hat ein Wettbewerber ausgeschildert. „Wir konnten damals leider nicht, weil unsere Kapazitäten in einem großen Flughafen-Projekt gebunden waren“, bedauert Horst.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren: Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.