Das Geschäft läuft gut

Made in Kassel: Vortex AG als unscheinbarer Windkraft-Profi

Windparkbau in Polen: Im östlichen Nachbarland sind die Kasseler besonders erfolgreich. Dort gehören sie zu den drei Großen der Branche. Fotos: Vortex/nh

Kassel. Kein auffälliges Firmenschild weist an dem schicken Geschäftshaus in der Oberen Königsstraße auf die Vortex Energy Holding AG hin, die in der zweiten Etage residiert.

Erst nach einem Blick auf das unscheinbare Klingelschild weiß der Besucher, dass er richtig ist. Der Auftritt des kleinen Unternehmens ist so bescheiden wie der seines Gründers und Vorstandschefs Dr. Till Jeske.

Dabei hat der 38-Jährige, der die Firma 2004 mit Vater Heinrich aus der Taufe hob, bislang Erstaunliches geleistet. Denn der 65-Mitarbeiter-Betrieb, der nach Jeskes Angaben jährlich 20 Millionen Euro umsetzt, ist einer der drei großen Windparkprojektierer in Polen und hat auch hierzulande von der Öffentlichkeit nahezu unbemerkt eine ganze Reihe von Wind-Großprojekten umgesetzt.

Dr. Till Jeske

Vortex sucht Standorte für Windparks, entwickelt und plant die Projekte im Auftrag von Investoren und Betreibern, holt Genehmigungen ein, wählt unter allen großen Herstellern den Anlagentyp, beschafft das Geld, überwacht den Bau, sorgt für den Netzanschluss und übernimmt auf Wunsch auch die Betriebsführung – kurzum, die Kasseler Windkraftprofis bauen schlüsselfertig, wie Jeske sein erfolgreiches Geschäftsmodell stark vereinfacht erklärt.

340 Megawatt (MW) Leistung hat Vortex bislang installiert, womit sich eine Stadt wie Kassel samt Speckgürtel ganzjährig mit Windstrom versorgen ließe. Für Anlagen mit der Gesamtleistung von 191 MW haben die Kasseler die Betriebsführerschaft. Größte laufende Projekte sind derzeit ein 22-MW-Park in der Nähe von Magdeburg sowie ein 30-MW-Auftrag in Polen. In der zweiten Jahreshälfte 2016 rechnet Jeske dort mit dem Zuschlag für ein 50-MW-Kraftwerk.

„Derzeit läuft es sehr gut, und auch die Aussichten sind super“, sagt der Unternehmer, der bereits mit 26 den Sprung in die Selbstständigkeit wagte. Seine Zuversicht schöpft der Wirtschaftsingenieur nicht nur aus den Zuwachsraten in Polen, wo sich die gesamte Windkraftleistung von derzeit 3500 MW bis 2020 verdreifachen soll. „Wenn der weltweite Trend zu den Erneuerbaren anhält – und davon gehen wir aus – dann führt kein Weg an der Windenergie vorbei, weil sie die wettbewerbsfähigste aller regenerativen Quellen ist“, sagt Jeske. Und wenn sich auf einem Markt Sättigung abzeichnet, müsse man sich einen neuen suchen.

Dabei fing alles ganz klein an. Bereits als Student projektierte Jeske drei Windräder in der Nähe von Görlitz unweit der deutsch-polnischen Grenze. Und schon bald gab es erste Kontakte nach Polen, wo Vortex dick im Geschäft ist. Zwei Drittel der Beschäftigten arbeiten dort. Aber Vortex ist nicht nur an großen Projekten interessiert. Auch Aufträge zum Bau einzelner Anlagen nehmen die Kasseler an.

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Was machen denn die Stadtwerke besser? Heul! Die projektieren genauso und die Gewinne werden dabei nicht in die Betreibergesellschaft mit übernommen.

Schlagge
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Da kann man wirklich froh sein das die Städtischen Werke in Kassel ihre Windparks selber bauen und nicht auf so einen Projektierer zurückgreifen müssen. Den hier kommt das Geld der Region zugute. Solche Projektierer verkaufen ihre Windparks sobald sie fertig sind an einen Rentenfonds aus Zypern und die Leute in der Region schauen in die Röhre...

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