"Made in Kassel": Innovationen aus Nordhessen

Kassel. Das Jubiläumsprojekt „Made in Kassel“ will erfolgreiche Ideen aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur darstellen und den Bürgern zeigen, dass sie stolz auf ihre Stadt sein können. Hier finden Sie eine Übersicht über die bisherigen Folgen unserer Serie über besondere Produkte und Innovationen.

Jost Bürgi 1619 in einem Porträt von Aegidius Sadeler.

Das Projekt richtet sich an die Kasseler Bevölkerung. Es soll überraschen, welche herausragenden Innovationen aus Kassel kommen. So ist es beispielsweise für viele überraschend, dass die Sekunde in Kassel erfunden wurde. Der schweizer Uhrmacher Jost Bürgi baute 1585 in Kassel die erste Uhr mit Sekundenzeiger.

Neben den bekannten und weltweit aktiven Unternehmen wie Wintershall und K+S, SMA, Mercedes-Benz oder VW gibt es zahlreiche Firmen, die in der Stadt oder den Kommunen am Stadtrand innovative Produkte herstellen, aber in der Öffentlichkeit nicht oder nur wenig bekannt sind. Solchen Unternehmen gilt die besondere Aufmerksamkeit von "Made in Kassel". Ein Beispiel: Die Niestetaler Orgelbau-Werkstätte Werner Bosch. Die hier von Hand hergestellten Instrumente werden in die ganze Welt verkauft.

Martin Bosch, Orgelbauer in dritter Generation, im Ausstellungsraum seiner Firma

Auch die in Baunatal-Rengershausen beheimatete Handelsfirma Geo-Fennel liefert Lasermesstechnik und Vermessungsbedarf in mehr als 60 Länder. Dort hat sich das Unternehmen hohe Anerkennung bei Straßen-, Hoch- und Tiefbau-Unternehmen, im Handwerk und im Vermessungswesen erarbeitet.

Was viele ebenfalls nicht wissen: Die Kasseler Verkehrsgesellschaft (KVG) hat den in der internationalen Verkehrswirtschaft anerkannten „Kasseler Bordstein“ für Bushaltestellen entwickelt. Das glatte und mit einer Hohlkehle ausgestattete Sonderbord sorgt dafür, dass Busse ohne Reifenschäden an die Haltestelle fahren können.

Setzen sich für sauberes Trinkwasser ein: Florian Benz (32) und Alexander Goldmaier (39).

Das Projekt "Made in Kassel" hat zum Ziel, dass man Kassel als dynamische Stadt wahrnimmt. So sind vor allem zukunftsorientierte Projekte interessant. Die Trinkwasser-Aufbereitungsanlage der Firma Autarcon ist ein solches Zukunftsprojekt. Die Anlage ist vor allem für Entwicklungsländer gedacht. Sie funktioniert mit Strom aus Sonnenlicht und ist einfach zu bedienen.

Das Kasseler Unternehmen Opsolution arbeitet ebenfalls daran, das Leben vieler Menschen zu erleichtern. Mithilfe von Licht sollen Diabetiker ihren Zuckerspiegel künftig ganz ohne Blut per Messgerät auf der Haut bestimmen können.

Die Professoren Dr. Wolfgang Wiest (links) und Dr. Gerdum Enders von Global Mind Network.

Zwei Professoren aus der Kasseler Ideenschmiede Global Mind haben einen der saubersten Kaminöfen entwickelt. Im neuen Kaminofen „Bionic Fire“ lodern die Flammen nach oben und nach unten. Im unteren Feuerraum sorgt eine Nachverbrennung dafür, dass nur noch winzige Mengen von Feinstaub und Kohlenmonoxid aus dem Schornstein kommen. Die Neuentwicklung aus Kassel gilt derzeit als einer der saubersten Kaminöfen weltweit.

Erleichtern behinderten Kindern in unserer Region das Leben: Die Movimento-Geschäftsführer (von links) Marco Hoffmann, Stephan Morth und Olaf Mielke.

Behinderten Kindern ein Stück mehr Beweglichkeit zu ermöglichen und das Leben zu erleichtern, ist das Ziel von Movimento. Das Kasseler Unternehmen hat sich auf Orthopädie- und Rehatechnik für junge Kunden spezialisiert. 800 Kinder und Jugendliche werden derzeit von den insgesamt 23 Mitarbeitern betreut und mit den nötigen Rollstühlen, Stehgeräten und jeder anderen Art von Orthesen versorgt. Mit der Geschäftsidee, eine solche spezialisierte Versorgung in Kassel aufzubauen, hatten die Gründer Olaf Mielke und Stephan Morth rasch Erfolg. Heute werden von Kindern mit Entwicklungsverzögerungen bis hin zu schwerstmehrfachbehinderten Kindern nicht nur die jungen Patienten versorgt.

Fertigt Maßschuhe in Handarbeit: Der Kasseler Schuhmacher Thomas Bauer.

Der Kasseler Thomas Bauer nimmt sein Handwerk wörtlich: Er macht Schuhe. In seiner kleinen Werkstatt im Auefeld ist vom Maßnehmen am Kundenfuß bis zum fertigen Schuh alles Handarbeit. Vor zehn Jahren hat sich Bauer selbstständig gemacht. Annähernd 300 Kunden hat die kleine Werkstatt. Manche kommen sogar aus München, der Kasseler Maßschuhmacher gilt als Geheimtipp. Maßgearbeitete Gürtel bietet Bauer inzwischen auch an. Für ein komplett handgefertigtes Paar Schuhe liegt der Preis schnell bei über 1000 Euro. Wenn einem Kunden die reine Handarbeit zu teuer ist, setzt Bauer auf ein Verfahren, bei dem der Aufbau eines Schuhs per Maschinennaht entsteht. Solch ein Paar Schuhe gibt es bereits für 670 Euro, die Maßleisten kosten einmalig 220 Euro.

Ein Gepäckwagen für den schottischen Flughafen Glasgow: Expresso-Geschäftsführer Winfried Kaiser zeigt die Handmontage-Stationen im Firmensitz im Industriepark.

Wer in einem Bahnhof oder Flughafen schon mal mit einem Kofferkuli fürs Gepäck unterwegs war, hat sich sehr wahrscheinlich mit einem Produkt der Firma Expressoden Transport erleichtert. Die Gepäckwagen aus Kassel genießen unter Profis denselben legendären Ruf wie die zweirädrigen Stapelkarren: Sie sind zuverlässig und halten lange. Gefertigt wird im Kasseler Firmensitz im Industriepark und in einem Produktionsstandort in Frankreich weitgehend in Handmontage. Aluminium ist der Hauptwerkstoff, der für die Produkte zum Bewegen und Heben verarbeitet wird. 7000 Firmen stehen in der aktiven Kundendatei des Unternehmens. Die Getränkeindustrie, das Hotel- und Gaststättengewerbe und Postzustelldienste zählen bis heute zu den wichtigsten Kunden. Expresso Deutschland hat heute 100 Mitarbeiter in Kassel und 48 Beschäftigte in Frankreich. Der Umsatz liegt bei rund 30 Millionen Euro jährlich.

Die Firma Technoform Bautec stellt Stege für Fenster her

Die Firma Technoform Bautec aus Kassel stellt Stege für Aluminium-Fenster her. Auf diesem Gebiet ist das Unternehmen Weltmarktführer. Die Technoform-Gruppe ist ein Verbund eigenständig agierender Unternehmen unter dem Dach der Holding Technoform Caprano + Brunnhofer GmbH. Sie wurde 1969 von Karl-Hans Caprano und Erwin Brunnhofer gegründet. Die Anteile halten noch immer beide Familien. Geführt wird die Gruppe vom Sohn des Mitgründers, Andreas Caprano. Die Gruppe beschäftigt an 40 Produktions- und Vertriebsstandorten in Europa, Amerika, Asien und Ozeanien 1200 Mitarbeiter, davon 450 in Kassel, Fuldabrück und Lohfelden. Die Bautec-Sparte ist mit 750 Beschäftigten die größte, gefolgt von der Glass Insulation, die mit 200 Leuten Abstandshalter produziert, die zwischen den Scheiben von Alu-, Holz- und Kunststofffenstern liegen.

Besprechung: Micromata-Chef Kai Reinhard (rechts) berät sich mit Entwickler Christian Schulz. Im Hintergrund sind Hendrik Thole (links) und Ibrahim Rabah zu sehen.

Die Micromata GmbH wurde 1996 gegründet. Drei Jahre später kam der heute 43-jährige Diplom-Physiker Kai Reinhard als Entwickler ins Unternehmen, wurde 2000 Mitgesellschafter, übernahm nach und nach weitere Anteile und hält seit 2009 90 Prozent an dem Unternehmen. Je fünf Prozent halten ein Mitarbeiter sowie ein Freund und Geschäftspartner. Neben dem Großkundengeschäft widmet sich Micromata regelmäßig neuen Technologiefeldern. Dabei geht es darum, Produkte zu entwickeln, die erst in einigen Jahren oder noch später die Marktreife erlangen können.

Relativ weit sind die Kasseler beispielsweise mit ihrem elektronischen Wahlsystem Polyas, das die Evangelische Kirche Kurhessen-Waldeck (EKKW) unlängst parallel zum traditionellen Wahlverfahren bei den Kirchenvorstandswahlen mit Erfolg eingesetzt hat. Dabei handelt es sich um ein Online-System, bei dem sich der Wähler mit dem Personalausweis zu erkennen gibt. Dennoch wird die Anonymität des Betroffenen gewahrt. Polyas macht somit Signaturkarten und Identifikationsnummern überflüssig. Ebenso einsatzbereit ist das Sprengstoffspürsystem Denaid, für das Micromata die Software liefert. Es enthält ein Riesendatenpaket über alle bekannten Sprengstoffe. In einer Art Staubsauger eingebaut erkennt sie die entsprechenden Materialien in Gepäckstücken.

Für weitere Informationen zu "Made in Kassel" erreichen Sie Stephan Kaiser unter 0561-7875660.

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